„Der Fußball macht in der Krise einen professionellen Job“, findet Eintracht-Vorstand Fredi Bobic.
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„Der Fußball macht in der Krise einen professionellen Job“, findet Eintracht-Vorstand Fredi Bobic.

Personalien

Fredi Bobic und das leichte Bauchgrummeln

  • Daniel Schmitt
    vonDaniel Schmitt
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Eintracht-Boss Bobic über aufgeschobenen Vertragsgespräche mit Trainer Hütter, die Personalie Kostic und Heuchelei.

Noch vor ein paar Jahren, als Fredi Bobic den Manager beim VfB Stuttgart gab, war er nicht immer zu beneiden. Klar, es hätten viele Menschen, die dem Fußball zugetan sind, ebenfalls bereitwillig seinen Job ausgeübt. Sie wären auch gerne einer von 18 Sportchefs in der deutschen Eliteklasse der Kickerei gewesen, der Gegenwind aber war für Bobic in dieser Zeit gewiss nicht immer angenehm. Verknappt zusammengefasst wurde das, was er damals so rumwerkelte im Schwabenland, eher für schlecht denn gut befunden im Umfeld des Klubs, von den Fans wurde er teils harsch kritisiert. Keine leichte Zeit also, aber offenbar eine lehrreiche.

Denn mittlerweile ist alles anders: Es hat fast ausnahmslos funktioniert, was Bobic als Sportvorstand von Eintracht Frankfurt seit seinem Amtsantritt 2016 anfasste. Der Aufschwung vom Relegations- zum Europapokalteilnehmer ist nicht nur, aber doch wesentlich mit seinem Wirken verknüpft. Das sorgt natürlich auch abseits der Frankfurter Arena für Anerkennung. Längst zählt Bobic bundesweit zu jenen Fußballfunktionären, deren Meinung Gewicht hat. Er ist zweifelsohne in die Riege der Topmanager aufgestiegen. Der 48-Jährige pflegt zum Beispiel einen engen, fast freundschaftlichen Kontakt zu Christian Seifert, dem Boss der Deutschen Fußball-Liga (DFL), dem er nun in einem Interview mit dem Fachmagazin „Kicker“ wenig überraschend ein gutes Zeugnis in Zeiten der Corona-Krise ausstellte.

Es würden eigene kreative Wege gefunden, „die nichts mit einer Sonderbehandlung des Fußballs zu tun haben“. Dabei mache die Liga mit Seifert an der Spitze „einen Top-Job“, so Bobic: „Wenn das Paket voraussichtlich in dieser Woche fertig ist, wird sich zeigen, dass der Fußball in der Krise einen sehr professionellen Job gemacht hat.“ So wie es scheint, wird der Betrieb jedenfalls vor dem der anderen Sportarten wieder aufgenommen.

„Große Welle kommt noch“

Freilich ist nicht alles rosig in diesen Zeiten, auch und gerade im Fußball nicht. Dass etliche Klubs recht rasch in ihrer Existenz bedroht sind, müsse laut Bobic im Nachgang diskutiert werden. „Einerseits muss jeder Klub schauen, dass er für solche Fälle Geld zur Seite legt“, sagt der Eintracht-Vorstand: „Andererseits ist es aber auch heuchlerisch, so etwas zu fordern, denn wenn man Geld auf dem Konto hat, heißt es von der Fangemeinde und auch den Medien: Investiert doch mal, geht ins Risiko, wir wollen Erfolge sehen.“ Eine Aussage, an der sicher etwas Wahres dran ist, die aber einen nicht unwichtigen Punkt außer Acht lässt: Denn letztlich sollte es zu den Fähigkeiten eines guten Managers nun mal dazugehören, seine Entscheidungen unabhängig vom Druck der Außenwelt zu fällen. Dafür wird er in der Regel gut bezahlt, das zählt nun mal zu seinen Kernaufgaben.

Zu viel Risiko ist nicht förderlich, das ist in Zeiten der Krise offensichtlicher denn je geworden. Daher wiederholte Bobic nun seine bereits mehr geäußerte Erwartung für den anstehenden Transfersommer: „Du musst jetzt sehr konservativ planen, Verkäufe und Käufe sind in dieser Planung nicht vorgesehen.“ Wenngleich es sie trotzdem sehr wahrscheinlich geben wird, sieht Bobic die Eintracht personell grundsätzlich sowieso gut gerüstet. Viele Leistungsträger hätten noch länger gültige Verträge bei den Hessen, „deshalb haben wir erstmal gar nicht so viele Bauchschmerzen.“ Höchstens ein leichtes Grummeln.

Die festen Verpflichtungen der einstigen Leihspieler wie Kevin Trapp, Martin Hinteregger oder Sebastian Rode helfen der Eintracht also weiter, insgesamt laufen sechs Verträge aus – die der drei Altmeister Marco Russ, Gelson Fernandes und Makoto Hasebe, sowie der des nicht mehr berücksichtigten Jonathan de Guzman und die der Nachwuchsmänner Sahverdi Cetin und Patrick Finger. Auf den wichtigen Positionen wird der Kader daher bestehen bleiben. Oder doch nicht?

Gemeint ist die Personalie Filip Kostic. Wie es mit dem besten Feldspieler der Frankfurter trotz dessen bis 2023 laufenden Vertrages weitergeht, vermag auch Bobic zurzeit nicht zu sagen. „Gute Spieler werden auch in schwierigen Zeiten ihren Markt haben, und Filip ist ein herausragender Spieler“, sagt der ehemalige Torjäger über den Serben: „Wir würden uns alle freuen, wenn Filip bei uns bleibt. Keiner kann jedoch voraussehen, was auf dem Transfermarkt los sein wird und ob die großen Vereine liquide sind.“ Alles andere als ein Wechsel zu einem Verein der europäischen Elite würde für Kostic freilich kaum Sinn ergeben. Ebenso wie für die Eintracht, würde sie den Linksaußen überhaupt ja nur gegen eine hohe Ablösesumme ziehen lassen. „Wird die Champions League fertig gespielt? Wie hoch sind die Einnahmeverluste der großen Klubs? Das kann keiner richtig greifen“, sagt Bobic. Daher ergebe es keinen Sinn, momentan über mögliche Abgänge zu sprechen. „Viele Profis werden Verträge mit Abschlägen für das nächste halbe Jahr akzeptieren. Die große Welle kommt erst noch“, so Bobic, der mit einer Fülle an vertragslosen Spielern in diesem Sommer rechnet.

Zwar noch nicht akut, aber doch in absehbarer Zeit muss und wird sich Bobic mit der wichtigsten Personalie des sportlichen Bereichs beschäftigen, dem Trainer Adi Hütter. Der 50-Jährige ist zwar noch bis Sommer 2021 vertraglich an die Hessen gebunden, im Prä-Corona-Zeitalter hätten aber wohl erste Gespräche über eine Ausweitung der Zusammenarbeit bereits begonnen. Hätten.

Denn noch ist laut Bobic in dieser Hinsicht nichts passiert. „Wir sind mit dem Trainer absolut zufrieden“, sagt er und fügt an: „Er hat, wie wir alle, die Ruhe weg, diese Dinge einen Tick später zu machen.“ Jeder habe zurzeit ein gewisses Feingefühl, um die schwierige Lage einordnen zu können. Für die Verhandlungen mit Hütter heißt das konkret: „Wenn wir Lust haben, miteinander weiterzuarbeiten, werden wir das auch tun, selbst wenn es etwas später beschlossen wird.“

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