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1,91 Meter groß, 88 Kilo schwer und dennoch geschmeidig am Ball: Ruben Loftus-Cheek (li.) gegen Martin Hinteregger. 

FC Chelsea gegen Eintracht Frankfurt

Der große Unbekannte beim FC Chelsea: Freaky Cheeky

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Ruben Loftus-Cheek ist der große Unbekannte beim FC Chelsea – und vor dem Spiel gegen die SGE in Topform.

Der FC Chelsea hat wahrlich ein paar Hochkaräter in seinen Reihen, internationale Topspieler, begnadete Männer im Umgang mit dem Ball. Flügeltrickser Eden Hazard zum Beispiel, oder den oft unterschätzten und dadurch nicht weniger brillanten Mittelfelddenker N’Golo Kanté, oder Abwehrlocke David Luiz, oder den dicklichen Dauereinnetzer Gonzalo Higuain. Oder, oder, oder.

Ein Profi geht da ziemlich unter, ein Fehler. Gemeint ist Ruben Loftus-Cheek, 23 Jahre alt, hünenhafte 1,91 Meter groß, 88 Kilo mächtig, ein Kerl von einem Mann, der große Unbekannte, der dennoch mit einer beachtlich geschmeidigen Technik aufwartet. Beim 1:1 vor Wochenfrist im Halbfinal-Hinspiel der Europa League gegen Eintracht Frankfurt war er der mit Abstand beste Mann seines Klubs. Loftus-Cheek kurbelte nahezu jeden der Londoner Angriffe an, holte sich hinten Bälle ab, um sie vorne zu verteilen. Er bereitete den Ausgleichstreffer von Pedro vor und schoss selbst fünfmal auf den Kasten. „Er hat das gut gemacht“, sagte Chelsea-Coach Maurizio Sarri hinterher und wies Loftus-Cheek drei Tage später zur Belohnung einen bequemen Platz auf der Bank zu. Manchmal sind Trainer aber auch seltsam.

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Beim 3:0 der englischen Hauptstädter am Sonntag gegen Watford avancierte Loftus-Cheek dennoch zum Matchwinner. Für den früh am Oberschenkel verletzten Kanté betrat er nach zehn Minuten das Feld, war sofort wieder Dreh- und Angelpunkt des Chelsea-Spiels und köpfte kurz nach der Pause das wichtige 1:0.

Der in London geborene Loftus-Cheek, von den Mitspielern nur Cheeky gerufen und als „ein bisschen verrückt“ (Hazard) bezeichnet, befindet sich in Topform. „Ruben hat das Potenzial, einer der besten Mittelfeldspieler in Europa zu werden. Er ist physisch, taktisch und technisch stark“, sagte Trainer Sarri und setzte Loftus-Cheek dennoch selten ein. 22 Einsätze in der Liga kann er in dieser Saison vorweisen, davon allerdings nur sechs von Beginn an und zwei über die volle Distanz. Zu wenig.

Die Klubbosse wollen Loftus-Cheek zwar auch in Zukunft an ihren Verein binden, den 2021 auslaufenden Vertrag gerne verlängern, zurzeit stocken die Verhandlungen aber. Loftus-Cheek überlegt, ob er nicht doch andernorts mehr spielen könnte. Dabei ist der Mann mit dem kurzgeschorenen Schopf ein Kind des Vereins. Der Sohn einer englischen Mutter und eines guyanischen Vaters, der Halbbruder der beiden ehemaligen, in der Fußballwelt eher unbekannten Premier-League-Profis Carl und Leon Cort, trat schon mit acht erstmals für Chelsea gegen den Ball. Er durchlief alle Jugendteams der Blauen, mit 14 spielte er für die U18 und schaffte schließlich 2015 unter Trainer José Mourinho den Sprung zu den Profis.

„Er ist zu allem fähig“

In Erscheinung trat das Eigengewächs im Reigen der Superstars anfangs aber nicht. Stattdessen wurde er vergangene Runde zum Stadtrivalen Crystal Palace verliehen und reifte langsam zum englischen Nationalspieler. Sein Debüt gab er im November 2017 beim Testkick im Wembleystadion gegen Deutschland (0:0), anfangs ziemlich nervös, spätestens nach zwei Tunneleinlagen gegen Leroy Sané und Marcel Halstenberg mit gewachsenen Zutrauen aber mehr als seriös. „Er braucht halt manchmal etwas Anlauf“, sagte Nationalcoach Gareth Southgate, der Lofus-Cheek schon in der U21 gecoacht hatte: „Er ist zu allem fähig.“ Mittlerweile hat Loftus-Cheek zehnmal für die Three Lions gespielt, auch bei der erfolgreichen Weltmeisterschaft in Russland, die die Engländer bis ins Halbfinale spülte, war er dabei.

Allerdings: Immer wieder wird die Karriere ausgebremst. Das Hauptproblem: der vermaledeite Rücken. Seit sechs Jahren plagen Loftus-Cheek in regelmäßigen Abständen große Schmerzen. Gerade erst Anfang des Jahres war es wieder so weit, zwei Wochen Pause. So richtig kennt niemand den Grund, kein Trainer, kein Arzt, nicht der Spieler selbst. Der nimmt es mit Humor: „Ich mache jetzt Yoga, auch wenn das bei mir ein bisschen verrückt aussieht.“ Freaky Cheeky.

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