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Die Eintracht siegt durch ein Tor von Marco Russ.
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Die Eintracht siegt durch ein Tor von Marco Russ.

Eintracht-Kolumne

Frankfurter Traumstart

Die Hessen setzen zum Rückrundenauftakt ein Ausrufezeichen gegen Bremen. Drei Defensivspieler sorgen für das 1:0 durch Russ. Kleiner Wermutstropfen: Chris muss wegen seiner fünften Gelben Karte in Nürnberg passen. Von I. Durstewitz und J. C. Müller

Von Ingo Durstewitz und Jan Christian Müller

Es war ein symbolischer Kraftakt in der 73. Minute: Die beiden Bremer Nationalspieler Per Mertesacker und Clemens Fritz glaubten, den Ball in der Nähe ihrer eigenen Torauslinie schon sicher zu haben, als Alex Meier über 20, 30 Meter im Vollsprint herangeschossen kam und zwischen den beiden noch an den Ball kam. Es gab Ecke für die Eintracht, und weil es bereits 1:0 stand, wurde wertvolle Zeit gewonnen. Die Zuschauer jubelten, und am Spielfeldrand klatschte Trainer Michael Skibbe anerkennend in die Hände: Genau diese Bereitschaft, mit Löwenherz Schmutzarbeit zu verrichten, war der Schlüssel für den Erfolg.

Am Ende gewann Eintracht Frankfurt auch das zweite Saisonspiel gegen den Favoriten von der Weser. Das Tor von Marco Russ aus der 63. Minute nach feiner Vorarbeit von Pirmin Schwegler und Chris entschied eine hart umkämpfte Partie glücklich, aber nicht unverdient für die Hessen. "Das ist für uns ein Traumstart", sagte Kapitän Christoph Spycher.

Hinterher ist Vorstandschef Heribert Bruchhagen dann allen Ernstes gefragt worden, was er denn, bitte schön, davon hielte, dass die Eintracht in der aktuellen Bundesligatabelle lediglich einen Platz und einen Punkt hinter Bremen und drei Zähler hinter einem Europa-League-Rang angelangt ist. Der Boss zeigte sich wenig amüsiert, ja, er war sogar richtiggehend sauer: "Diese Frage dürfen sie nicht stellen. Diese Frage verbietet sich. Das ist doch verrückt", antwortete er in einem schroffen Ton, der keine weiteren Nachfragen zuließ, zumal Bruchhagen eiligst das Weite suchte.

Deutlich verbindlicher reagierte etwas später Trainer Michael Skibbe auf dieselbe Frage. "Man sagt ja immer so schön: Die Tabelle lügt nicht. Aber wir müssen auch realistisch sein. Am Ende wird Werder Bremen - leider - vor uns stehen."

Was nichts daran änderte, dass der Trainer "unheimlich stolz" auf seine Mannschaft war. Das konnte er auch sein: Die Eintracht machte den struktur- und leidenschaftslosen Bremern das Leben bei nahezu jeder Gelegenheit schwer. Kapitän Christoph Spycher analysierte sehr treffend: "Wir standen sehr kompakt, die Distanzen waren sehr kurz, so dass wir die Bremer aggressiv bekämpfen konnten."

Den Grundstein, berichtete Skibbe, hatten sie gemeinsam im Trainingslager im türkischen Belek gelegt: "Dort haben wir uns sehr gezielt auf Werder vorbereitet, unser Defensivkonzept einstudiert und die Laufwege abgestimmt." Das führte dazu, dass Torwart Oka Nikolov nur zwei Schüsse abzuwehren hatte und selbst in der turbulenten Schlussphase, als Werder mit den eingewechselten Claudio Pizarro und Hugo Almeida alles nach vorne warf, nicht vor unlösbare Probleme gestellt wurde.

Typisch für die im Strafraum harmlosen Gäste war die allerletzte Szene, als der hoch gelobte Mesut Özil frei zum Schuss kam, den Ball aber nicht traf. Werder kassierte somit die dritte Niederlage hintereinander. Der Haussegen hängt schief. Manager Klaus Allofs sauer: "Das war gar nichts."

Was aber auch daran lag, dass allen voran Chris und Marco Russ hinter dem ebenfalls starken Pirmin Schwegler überragend spielten. Die beiden Innenverteidiger erledigten ihren Job hochkonzentriert, aber auch Alex Meier und Selim Teber arbeiten mit Hochdruck in der Defensive, was den Bremern sichtlich überhaupt nicht behagte. Zudem hatte Skibbe alles richtig gemacht, als er sich für Benjamin Köhler und gegen den erst Sekunden vor Schluss eingewechselten Brasilianer Caio entschied. Köhler steigerte sich im Laufe der Partie, vor allem ist er ein verlässlicher Mann. Skibbe: "Er ist taktisch unheimlich geschickt."

Als einsame Spitze agierte der Grieche Nikos Liberopoulos zwar anfangs noch recht unglücklich, sorgte mit seiner ständigen Präsenz aber dafür, dass die Eintracht zumindest hin und wieder für Entlastung sorgen konnte, gerade in der zweiten Halbzeit. Da hätte Teber sogar das 2:0 erzielen können, als er von Liberopoulos glänzend frei gespielt wurde, jedoch acht Minuten vor Schluss am herausstürzenden Tim Wiese scheiterte. "Es war eine aufopferungsvolle kämpferische Leistung", lobte Bruchhagen und hob Alex Meier für dessen Defensivarbeit besonders hervor: "Er hat mit seiner enormen Laufleistung viel zum Erfolg beigetragen und auch für Entlastung sorgen können."

Im Grunde fiel kein einziger Eintracht-Spieler ab, Turm in der Schlacht war aber Chris, der sich allerdings Sekunden vor dem Abpfiff wegen Meckerns seine fünfte Gelbe Karte abholte und nun am kommenden Samstag im Spiel beim 1. FC Nürnberg fehlen wird. "Er hat eine ganz herausragende Partie gezeigt und bewiesen, dass er für uns total unersetzlich ist. Hut ab, diese Leistung war überragend", lobte Skibbe und war auch "gar nicht sauer" auf das fünfte Gelb. "Wichtig ist nur, dass es bis zum Saisonende nicht zehn Gelbe Karten werden, damit er uns nicht ein zweites Mal fehlt." In der kommenden Woche wird Maik Franz in die Mitte auf Chris’ Position rücken und der 19-jährige Sebastian Jung rechts verteidigen. "Da gibt es keine großen Ränkespiele, Sebi genießt unser volles Vertrauen", so Skibbe.

Das Selbstbewusstsein bei der Eintracht ist trotz eklatanter personeller Engpässe vor allem in der Offensive nun groß. "Wir habe uns das hart erarbeitet", sagte Torschütze Marco Russ, "und wir wollen uns da oben nun festsetzen. Wir werden versuchen, sogar noch weiter oben aufzuschließen." Zweifel sind angebracht: Ein solcher Kraftakt wie gegen Werder wird nicht immer gelingen. "Wenn wir nicht am Limit spielen", warnt auch Trainer Skibbe, "werden wir in der Bundesliga keine Punkte holen."

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