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Zwei Tore gegen Österreich: Haris Seferovic (vorne) dürfte ruhig auch für die Eintracht treffen.
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Zwei Tore gegen Österreich: Haris Seferovic (vorne) dürfte ruhig auch für die Eintracht treffen.

Eintracht Frankfurt

Das Frankfurter Stürmchen

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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Eintracht Frankfurt entwickelt viel zu wenig Drang zum Tor – ausgerechnet jetzt kommen die wichtigen Spiele gegen Mainz und Darmstadt.

Der längerfristige Ausfall von Luc Castaignos trifft Eintracht Frankfurt an einer ziemlich sensiblen Stelle, dort nämlich, wo die Spiele entschieden werden. Dem hessischen Bundesligisten gehen auf der Zielgerade der Vorrunde die Stürmer aus. Derzeit stehen Trainer Armin Veh genau zwei gelernte Angreifer zur Verfügung, Haris Seferovic, der seine Gelbsperre am vergangenen Wochenende abgesessen hat und am kommenden Samstag gegen den FSV Mainz 05 wieder spielen wird, und Luca Waldschmidt, ein 19 Jahre altes Talent. Alexander Meier ist kein gelernter Stürmer, selbst wenn er das in der vergangenen Runde meist gespielt hat (und Torschützenkönig wurde); er fühlt sich aber hinter der Spitze deutlich wohler.

Nominell für den Angriff stünde auch noch Vaclav Kadlec zur Verfügung. Doch der Tscheche hat bereits einen Vertrag beim dänischen Meister FC Midtjylland unterschrieben, für den er ab 2. Januar spielen wird. Da macht es, unabhängig von einem möglichen Verletzungsrisiko, wenig Sinn, den Tschechen ausgerechnet jetzt in einer Phase, da es an vielen Ecken hakt, wieder einzubauen. Mit dem Kopf hat der 23-Jährige längst mit Frankfurt abgeschlossen, und davor hat er sich nicht aufgedrängt. Kadlec gehörte etwa als einzig verbliebener gesunder Profi am letzten Samstag nicht zum 18 Mann umfassenden Kader. Sogar Mijat Gacinovic, ein schmächtiges Bürschchen von 20 Jahren, hatte es vor ihm auf den Spielberichtsbogen geschafft. Reif für die Bundesliga ist der serbische U-20-Auswahlspieler laut Trainer Armin Veh noch nicht.

Die Hessen haben also ohne Zweifel ein Problem im Angriff, und zwar in zweifacher Hinsicht.

Zum einen ist die stürmische Personaldecke extrem dünn. Luc Castaignos dürfte nach seiner schweren Syndesmosebandverletzung, die wenigstens eine Pause von sechs bis acht Wochen nach sich zieht, seriös nicht bis zum Rückrundenstart am 24. Januar gegen den VfL Wolfsburg zur Verfügung stehen. In den ausstehenden vier Partien steht der Eintracht also lediglich ein gelernter bundesligatauglicher Angreifer zur Verfügung, Seferovic. Das ist nicht viel. Nicht auszudenken, wenn sich Seferovic auch noch verletzte. Und ein klassischer Knipser ist der Schweizer Nationalspieler ja auch nicht, bislang hat er in zwölf Pflichtspielen zwei Tore erzielt, darunter war auch ein Strafstoß (in Stuttgart). Allerdings besteht seine hervorstechendste Qualität darin, im Zentrum schwierigste Bälle zu halten und zu verteilen. Immerhin hat der 23-Jährige zuletzt zweimal für die Schweiz getroffen.

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Erschwerend kommt hinzu, dass derzeit auch die offensiven Mittelfeldspieler, etwa Stefan Aigner oder Marc Stendera, nicht richtig torgefährlich sind. Aigner ist bisher noch kein einziger Treffer gelungen, Stendera immerhin zwei. Und sonst? Fehlanzeige.

In dieser Runde ist die Eintracht zudem in sechs Pflichtspielen ohne eigenes Tor geblieben. Die 17 Tore in 13 Bundesligaspielen sind durchschnittlich, Leverkusen oder Schalke kommen auf die gleiche Anzahl. Das Ganze wird relativiert, wenn man sieht, dass zehn der 17 Treffer in zwei Spielen fielen, nämlich beim 4:1 in Stuttgart und eine Woche später beim 6:2-Sieg gegen den 1. FC Köln. Da dachte man im Eintracht-Lager noch, man verfüge über ein „magisches Dreieck“, wie Johannes Flum seinerzeit sagte. Meier, Seferovic, Castaignos hatten da getroffen. Seitdem hat lediglich der Kapitän zwei Tore nachgelegt. In den neun Spielen nach der Köln-Partie erzielten Frankfurter Profis nur fünf Tore.

Schließlich, auch das ist nicht neu, haben die Hessen ein grundsätzliches Problem damit, überhaupt gefährlich nach vorne zu gelangen. Viel zu häufig werden gut gemeinte Spielzüge vom Gegner schon im Keim erstickt. Eintracht Frankfurt kombiniert sich ja kaum noch nach vorne, kreiert viel zu selten torreife Situationen, auch weil viel zu viele Fehlpässe den geordneten Aufbau stören. Trainer Veh hat dieses Defizit vor Wochen ausgemacht, er sei in Sorge darüber, dass „wir uns kaum Torchancen erarbeiten“. Wie soll die Mannschaft dann zum Erfolg kommen? Zumal man sich dann nicht den Luxus erlauben kann, die wenigen guten Möglichkeiten –  etwa Aigner im Spiel gegen Leverkusen  – so kläglich zu vergeben.

Was also ist zu tun? Zumal jetzt die wirklich wichtigen Spiele gegen Mainz, Darmstadt und zum Ende gegen Bremen folgen? Eine Patentlösung ist momentan nicht in Sicht. Es bleibt natürlich immer die Hoffnung, dass etwa Flügelmann Aigner seine Form findet und auch der Knoten beim Torschuss platzt. In seinen letzten drei Jahren hat der gebürtige Münchner stets regelmäßig seine Tore gemacht, neun waren es in der vergangenen Runde. Auch Marc Stendera muss mehr Torgefahr entwickeln, muss häufiger – so wie in Hannover – den Weg in den Strafraum finden. Insgesamt muss die Mannschaft mehr direkten Zug zum Tor entwickeln. Auch Distanzschüsse oder einstudierte Standards könnten in der momentanen misslichen Lage eine Option sein. Dem Treffer durch Slobodan Medojevic zum 1:2 gegen Leverkusen ging endlich mal ein scharf und gut getretener Freistoß von Stendera voraus. Auch Eckballvarianten ließen sich einüben. Das ist sicher kein Allheilmittel, aber in der Not sollten alle Möglichkeiten in Betracht gezogen werden.

Und in der Winterpause wird Eintracht Frankfurt nachlegen müssen. Die Vakanz auf dem linken Flügel muss geschlossen werden, ein bisschen mehr Geld als ursprünglich geplant ist vorhanden (zwei Millionen Euro Ablöse für Kadlec und gespartes Gehalt). Dass im Winter der Markt oft leergefegt ist und wirkliche Verstärkungen richtig Geld kosten, steht auf einem anderen Blatt. Aber diese Elf braucht stürmische Hilfe. Möglichst bald.

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