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Härtetest für die Eintracht-Kette

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Von: Thomas Kilchenstein

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Köpfen kann er, der Eintracht-Abwehrmann Hrvoje Smolcic: Hier macht er das 2:0 in Stuttgart.
Köpfen kann er, der Eintracht-Abwehrmann Hrvoje Smolcic: Hier macht er das 2:0 in Stuttgart. © dpa

Eintracht Frankfurt will den Schwung des Erfolgs mit nach Mönchengladbach nehmen, doch Trainer Oliver Glasner muss improvisieren – gerade in der Abwehr.

Es kommt tatsächlich vor, dass der Frankfurter Trainer Oliver Glasner immer noch neue Facetten seiner Spieler entdeckt, Dinge, die er ihnen eigentlich so gar nicht zugetraut hätte. Ansgar Knauff zum Beispiel und dessen Kopfballspiel, das ist, findet der Fußballlehrer, durchaus verbesserungswürdig, und doch hat der junge Kerl in der Europa League (gegen West Ham) und in der Bundesliga (in der letzten Saison gegen Hertha) Tore mit dem Schädel erzielt. Auch Faride Alidou gehört in diese Kategorie, sein Kopfballtor kurz vor Schluss in Tottenham hat Glasner ebenfalls nicht direkt erwartet, bislang ist der Neuzugang aus Hamburg in dieser Disziplin nicht auffällig geworden. Umso schöner für Coach und Mannschaft von Eintracht Frankfurt.

Eintracht Frankfurt: Linksfuß Smolcic rechts?

Dass allerdings Hrvoje Smolcic im drögen Pokalspiel gegen Kickers Stuttgart (2:0) in seinem ersten Pflichtspiel von Anfang gleich per Kopf ins Tor getroffen hatte (sogar nach einem Standard) hat den Coach nun wahrlich nicht überrascht. Smolcic, findet der 48 Jahre alte Österreicher, „ist einer unserer besten Kopfballspieler“, ohnehin war Oliver Glasner mit der Vorstellung des Kroaten, im Sommer für 2,5 Millionen Euro von HNK Rijeka gekommen, zufrieden, „solide“ habe er gespielt, „das Tor war die Krönung“. Erster Gratulant in Degerloch war übrigens Landsmann Kristijan Jakic.

Auch er, Jakic, hat den Frankfurter Coach nicht besonders verblüfft, denn seit dem Ausfall von Makoto Hasebe, der wegen eines Innenbandanrisses im Knie vermutlich in diesem Jahr keinen Wettkampf mehr bestreiten wird, ist der Mann aus Imotski in die zentrale Position in der Dreierabwehrkette gerückt - und hat das bisher sehr ordentlich erledigt. Ein großes Risiko sei er mit dieser Personalrochade nicht eingegangen, sagte Glasner in der letzten Woche. „Wenn du Dreierkette spielst, sind für die zentrale Position häufig die gelernten Sechser am besten geeignet. Weil sie das Spiel lesen können und im Spielaufbau sehr ballsicher sind.“ Ehe Defensiv-Allrounder Jakic den rechten Verteidiger geben musste, hatte er bekanntlich im defensiven Mittelfeld aufgeräumt, nun ist er also als Libero unterwegs.

SGE: Härtetest in Mönchengladbach

Zur Wahrheit gehört aber auch: Ein echter Härtetest steht für den Kämpfer noch an, und zwar am Samstag bei Borussia Mönchengladbach (18.30 Uhr/ Sky). Gegen die pomadigen Angreifer von Bayer Leverkusen und gegen überforderte Fünftligisten ist Jakic ernsthaft kaum geprüft worden. Das wird im Borussia-Park sicher anders sein, wenn die schnellen Stürmer Marcus Thuram oder Alassane Plea mit Tempo auf die Frankfurter Hintermannschaft zulaufen. Da wird sich weisen, ob der 25 Jahre alte Kroate an der Seite von Tuta und dem noch im Pokal geschonten Evan Ndicka die Abwehr stabil zusammenhalten wird. Die Gladbacher, die ohne die im Pokal angeschlagenen Jonas Hofmann und Torwart Yann Sommer auskommen müssen, stellen das Team mit dem viertbesten Angriff.

Als sicher gilt, dass Trainer Oliver Glasner an der Dreierkette festhalten wird. Spätestens nach dem Einbruch von Bochum, als er auf vier Verteidiger umstellte, hat sich diese taktische Herangehensweise als jene herauskristallisiert, in der sich die Mannschaft am wohlsten fühlt. Zumal sie die seit Jahr und Tag spielt. Trainer Glasner hat Hrvoje Smolcic im Pokal auch deswegen aufgestellt, um ihm Spielpraxis zu geben, bislang kam der 22-Jährige nur auf zehn Bundesliga-Minuten und 21 in der UEFA Champions League, wo er einen Elfmeter verursachte.

Diese Spielerfahrung wird der kroatische U21-Nationalspieler, nicht eben der Schnellste, brauchen, denn wenn nicht alles täuscht, wird er am Mittwoch im ersten Frankfurter Champions-League-Endspiel gegen Olympique Marseille dringend benötigt: Ohne Hasebe und ohne Innenverteidiger Tuta, der nach seiner Gelb-Roten Karte von London gesperrt ist, haben die Frankfurter ein klitzekleines Abwehrproblem. Denn der langsam wieder genesene Almamy Touré ist nicht für die Königsklasse gemeldet, Jerome Onguene hat bislang aufgrund von Verletzungen nicht eine Sekunde gespielt. Es fehlen kernige Verteidiger. Viel spricht also dafür, dass Smolcic am Mittwoch erneut ins Team rückt, allerdings müsste er, als Linksfuß, den rechten Part in der Kette übernehmen - nicht optimal. Oder aber Evan Ndicka rückt rüber nach rechts.

Coach Oliver Glasner hat es nach dem Ausfall von Hasebe schon gesagt: „Es scheint so, dass wir die kommenden Spiele auch improvisieren müssen.“ Bleibt nichts anderes übrig. (Thomas Kilchenstein)

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