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Frankfurter Pokalheld: Doppeltorschütze Ante Rebic.

DFB-Pokalsieg

Frankfurt holt den Pokal und spielt europäisch

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Ante Rebic und Mijat Gacinovic treffen beim überraschenden 3:1 gegen Bayern München. Die Adler qualifizieren sich damit für die Europa-League.

Am Ende war es eine Entscheidung über Sieg oder Elfmeter. In der vierten Minute der Nachspielzeit erwischte Kevin-Prince Boateng Javi Martinez im eigenen Strafraum mit einem Tritt am Fuß. Beim Stande von 2:1 für Frankfurt hätte Schiedsrichter Felix Zwayer auf Elfmeter für Bayern München entscheiden können. Es hätte im schlechtesten Fall das 2:2, eine Verlängerung und einen Pokalsieger Bayern München bedeutet.

Aber Zwayer entschied sich nach Studium der Fernsehbilder gegen einen Strafstoß. „Da haben wir Glück gehabt“, sagte Frankfurts Trainer Niko Kovac nach dem Spiel. Nur Sekunden später stürmte der eingewechselte Mijat Gacinovic mit dem Ball über den gesamten Platz. Bayern-Keeper Sven Ulreich war für eine Ecke in den Frankfurter Strafraum aufgerückt und Gacinovic schob den Ball zum entscheidenden 3:1 ins verlassene Tor der Münchener.

Der Rest war pure Ekstase. Überglückliche Eintracht-Fans stürmten in den Innenraum, Niko Kovac hatte Tränen in den Augen und Alexander Meier stemmte den DFB-Pokal, überreicht von Bundespräsident Frank Walter Steinmeier, in die Höhe.

Meier selbst hatte die Partie nur von der Tribüne aus verfolgt. Kovac hatte die Vereins-Ikone für das Pokalfinale ebenso wie Verteidiger Timothy Chandler nicht in den Kader berufen. Die Kollegen auf dem Platz wehrten sich unterdessen mit aller Kraft gegen die Attacken der Bayern. Denn die Münchener legten angriffslustig los. Nach einem Foul von Salcedo an Lewandowski versuchte es der Pole in der achten Minute per Freistoß aus gut 16 Metern und traf nur die Latte.

Trotz bayerischem Chancenplus in den Anfangsminuten konnte Ante Rebic in der 11. Minute den Grundstein zum Frankfurter Sieg legen. Im Mittelfeld störte Rebic James entscheidend. Boateng ergatterte den Ball und schickte den durchstartenden Rebic zwischen den Innenverteidigern hindurch in Richtung Strafraum. Aus 16 Metern verwandelte der Kroate ruhig und überlegt zum 1:0.

Nach der frühen Frankfurter Führung setzte München den Underdog konstant unter Druck, die erste Halbzeit war fortan die meiste Zeit ein Spiel auf ein Tor. Nach der ersten Ecke für Frankfurt schlenderte Joshua Kimmich mit dem Ball über den halben Platz in Richtung Frankfurter Strafraum. Am Ende zielte Lewandowski aus spitzem Winkel aber knapp vorbei. Bayern kam in der Folge zu zahlreichen Chancen, konnte sie aber nicht entscheidend nutzen.

Frankfurt beschränkte sich hauptsächlich darauf, aggressiv zu verteidigen und die Abwehr mit Kontern über die schnellen Wolf und Rebic zu entlasten. Der setzte sich in der 37. Minute gegen Niklas Süle durch und hatte halblinks im Strafraum die Wahl zwischen einem Torschuss und einem Querpass auf den mitgelaufenen Jonathan de Guzman. Rebic entschied sich für das Abspiel, erwischte seinen Mitspieler aber auf dem falschen Fuß und die Chance versandete.

Die zweite Halbzeit wurde mit einigen Minuten Verzögerungen angepfiffen, weil kurz vor Ende der Pause starke Rauchschwaden aus beiden Fanblöcken auf das Spielfeld zogen. Auch nach Wiederanpfiff machten die Frankfurter die Räume eng, konnten dem Druck der Münchner aber nur wenige Minuten standhalten. In der 53. Minute schickte Süle Kimmich über rechts an die Grundlinie. Der legte den Ball überlegt zurück auf Lewandowski und aus 11 Metern traf der Pole rechts unten ins Eck, weil Mascarell den Ball noch unglücklich abfälschte.

Wer nun dachte, das 2:1 für die Bayern sei nur eine Frage der Zeit, sollte sich getäuscht sehen. Nach dem Tor schaltete München einen Gang runter und Frankfurt kam offensiv wieder etwas mehr zur Geltung. Der in der 60. Minute für Marius Wolf eingewechselte Mijat Gacinovic sorgte für etwas mehr offensiven Schwung bei der Eintracht. Seine Flanke setze Boateng von halbrechts am Strafraum aber am Tor vorbei. In der Folge erhöhte Frankfurt den Druck und drängte die Münchener sogar für wenige Minuten in die eigene Hälfte, konnte sich aber kaum zwingende Chancen herausspielen.

Natürlich erspielte sich München aber weiterhin Torgelegenheiten. Am Ende stand ein Torschussverhältnis von 22:8 für München. Frankfurt baute körperlich dennoch kaum ab und spielte weiterhin mit hohem Einsatz. In der 68. Minute grätschte Hasebe dem einschussbereiten Tolisso den Ball in höchster Not vom Fuß. In der 80. Minute traf Mats Hummels mit einer der besten Chancen nach einer Ecke von Kimmich nur die Latte.

Im direkten Gegenzug schickte Frankfurts Boateng Rebic steil und der Kroate zielte nur knapp am Kasten vorbei. Nur wenige Augenblicke später machte der Kroate es besser. Da Costa eroberte den Ball mit rustikalem Einsatz von James und schickte Rebic ins Laufduell gegen Hummels. Mit ruhigem Fuß spielte Rebic den Ball gefühlvoll über den herauseilenden Ulreich ins leere Tor zur erneuten Frankfurter Führung (82. Minute).

Für die Entscheidung zum Frankfurter Pokalsieg sorgte dann Mijat Gacinovic und krönte eine überragende Frankfurter Energieleistung. Der eingewechselte Marco Russ sagte nach seinem dritten Pokalfinale: „Man sieht einfach, dass man mit Herz und Einsatz und Leidenschaft auch gegen eine Weltmannschaft wie Bayern bestehen kann.“ Der Frankfurter Sieg sei nicht unverdient, sagte Niko Kovac. „Wenn man eng zusammen rückt, kann man alles schaffen.“

Der scheidende Trainer erreicht mit der Eintracht durch den Pokalsieg nach Platz acht in der Bundesliga nun doch noch den Europapokal. Frankfurt hat sich durch den Titelgewinn für die Europa-League qualifiziert und strebt nach europäischen Weihen. Das wird Kovac, der zur neuen Saison die Trainerbank wechselt, von München aus mitverfolgen. Nach dem Spiel lief er mit Tränen in den Augen über den Platz und sagte später in die Kameras: „Ich freue mich natürlich über den Titel, aber ich bin natürlich auch traurig, dass ich gehe.“

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