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Wenig Platz für Himmelsstürmer

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Von: Daniel Schmitt

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Wird künftig wohl häufiger auf der Bank sitzen: Rafael Borré, Finalheld von Sevilla.
Wird künftig wohl häufiger auf der Bank sitzen: Rafael Borré, Finalheld von Sevilla. © Imago/Kessler-Sportfotografie

Keine Einsatzgarantie für Euro-Helden – manch Stammkraft der letzten Saison muss bei Eintracht Frankfurt derzeit vermehrt von draußen zuschauen.

Frankfurt – Der Immerspieler von Eintracht Frankfurt spielt nicht mehr immer. Rafael Borré, jener kolumbianische Nationalstürmer, der vergangene Runde gefühlt im Landeanflug auf Rhein-Main stets schon über dem Waldstadion abgesetzt wurde, um ja rechtzeitig zu kommen für den Wochenendeinsatz im hessischen Dress, saß in immerhin zwei von sechs Pflichtspielen der Saison anfangs nur auf der Ersatzbank. Beim 1:1 in Berlin sowie zuletzt beim 4:3 in Bremen wechselte Oliver Glasner den 26-Jährigen lediglich ein. Das liegt nicht etwa an einer veränderten Wertschätzung des Eintracht-Trainers für einen seiner Lieblinge, die prasselt weiterhin in großem Maße auf den kleinen Mann ein. Glasner schätzt dessen Biss, Wille, Laufstärke. Rafael Borré aber muss sich schlicht mit ernsthafter interner Angriffskonkurrenz auseinandersetzen – selbst für einen Europapokal-Finalhelden von Sevilla kein Selbstläufer.

Die erste Elf nominiert sich für Oliver Glasner nicht mehr wie von selbst, der Trainer kann es sich leisten, genau die Formkurven der Profis zu begutachten und den Eindrücken entsprechend das Personal zu wählen. Die von Borré sind sehr mäßig, er sortiert sich momentan in der zweiten Reihe ein. Der Angreifer ist noch ohne eigenen Treffer. Seine auffälligste Aktion: Der Hinfaller von Berlin, der einen Elfmeter zur Folge hätte haben müssen und ein Tor des Stürmers haben können. Grüße raus an den Herrn mit der Pfeife, Frank Willenborg.

Eintracht Frankfurt: Es gibt auch Systemopfer

Nun ist Borré nicht der einzige Eintracht-Profi mit Startelfambitionen, der diese wegen Startschwierigkeiten nicht immer gestillt bekommt. Es gibt weitere Härtefälle. Auch Lucas Alario, gekommen vom Champions-League-Verein Bayer Leverkusen, mit jahrelanger Knipser-Empfehlung, hat sich seine Rolle sicher bedeutender vorgestellt, war von einem Stammplatz ausgegangen, den er bisher zu Recht nicht innehat. Den Auftritten des Argentiniers fehlt es am nötigen Pep, zu wenig Elan steckt im Spiel des 29-Jährigen, der zudem in seinem natürlichen Habitat, dem Strafraum, zu selten auffällig geworden ist. Er wolle sich, so Alario, „natürlich einen Startplatz erkämpfen“, sagte er vergangene Woche im FR-Interview. Dafür muss er aber eine Schippe drauflegen.

Die Kaderqualität bei der Eintracht ist vor allem offensiv gestiegen – in der Breite und in der Spitze. Selbst ein Himmelsstürmer wie Ansgar Knauff, die Entdeckung der vergangenen Rückrunde, muss sich vorerst wohl mit der Rolle als Ergänzung abfinden. Spielt die Eintracht weiterhin im 4-2-3-1-System, gibt es die der Dortmunder Leihgabe auf den Leib geschneiderte Position als rechter Schienenspieler nicht mehr. Der 20-Jährige wird sich also entweder vorne gegen Jesper Lindström im internen Duell durchsetzen oder bessere Defensivskills aneignen müssen, will er wieder Spiele beginnen – beides schwierige Unterfangen.

Eintracht Frankfurt: keine Premiumlösung für offene Baustellen in Sicht

Zumal es kein Geheimnis ist, dass Trainer Glasner sich für den Rechtsverteidiger-Posten, derzeit vergeben an Mittelfeldkraft Kristijan Jakic, Verstärkung wünscht. Bis zu diesem Donnerstag um 18 Uhr hat die Eintracht noch Zeit, solange ist das Transferfenster geöffnet, um einen neuen Mann zu verpflichten. Möglich ist eine Leihe eines Profis, der bei einem anderen Klub ebenfalls in der zweiten Reihe steht. Nachdem der FC Bayern Josip Stanisic nicht hergeben wollte, ist ganz offenbar der Gladbacher Jordan Beyer eine Option. Sein Vorteil: Der 22-jährige Rechtsfuß hat sowohl schon innen und außen in der Abwehr gespielt. Eine Premiumlösung wäre er freilich nicht.

Bisher noch ohne Einsatzminute sind die neuen Innenverteidiger Hrvoje Smolcic und Jerome Onguene, die trotz diverser Formschwankungen der ersten Abwehrgarde, Evan Ndicka und Tuta, sowie der Verletzung von Almamy Touré, nicht an den Etablierten vorbeikommen. Smolcic bringt vielversprechende Ansätze mit, sollte aber spielen, um sich mit seinen 22 Jahren weiterzuentwickeln. Für Trainer Glasner wird es also auch darum gehen, ihn ab und an zu Matchpraxis zu verhelfen, ohne dabei den sportlichen Erfolg zu gefährden. Faride Alidou, ein junger Mann mit spannenden Anlagen und guten Ansätzen, stand zuletzt gegen den SV Werder nicht einmal im Kader. Zu diesem zählte in Bremen dagegen der Mittelfeldspieler Eric Junior Dina Ebimbe, der sich hinter Sebastian Rode und Djibril Sow um Einsatzzeit mühen wird. Ajdin Hrustic steht derweil vor einem Last-Minute-Abgang nach Italien.

Eintracht Frankfurt: Weniger Einsatzzeit für Urgesteine

Wie manch Neuem ergeht es bisher auch den Ältesten. Makoto Hasebe durfte in der Liga nur zweimal für die Schlussminuten gegen Bayern und Berlin mittun, Timothy Chandler einmal in Bremen. Optionen für Startelfeinsätze scheinen die beiden Eintracht-Urgesteine jedoch nicht. Ebenso Christopher Lenz, der sich nach dem Abgang von Filip Kostić Chancen auf mehr Spielzeit ausgerechnet hat, diese drei Pflichtpartien lang bekam und nicht nutzen konnte für Eigenwerbung. An ihm ist Luca Pellegrini quasi ohne Anlauf vorbeigezogen, nur logisch, bringt der Italiener schlicht mehr Qualität mit – das alles entscheidende Kriterium. (Daniel Schmitt)

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