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Hat Spaß an seinem Beruf: Sebastien Haller hält das auch für dringend nötig, "sonst kann man das alles ja gar nicht genießen".

Interview Sebastien Haller

"Frankfurt ist eine verrückte Fußballstadt"

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Eintracht-Stürmer Sebastien Haller spricht über seinen herausragenden Saisonstart, den manchmal ziemlich schmerzhaften Job als Fußballprofi und seine Rolle als Kabinen-DJ.

Monsieur Haller, trotz der anstrengenden Wochen mit sieben Spielen in 24 Tagen haben Sie am vergangenen Montag Ihren ersten freien Tag seit Wochen im Fitnessstudio verbracht. Zu viel Energie?
Nein, nein, diese vielen Spiele waren schon sehr anspruchsvoll. Aber gerade die ruhigeren Phasen sollte man nutzen, um an sich zu arbeiten. Also versuche ich, mich körperlich in die bestmögliche Verfassung zu bringen. Da geht immer noch ein bisschen mehr.

Ihr Trainer Adi Hütter sagte, nach den vielen Spielen müsse man aber auch mal abschalten. Wie haben Sie das gemacht?
Ich habe meine Familie besucht, einfach mal den Moment genossen, ein bisschen ausgespannt. Es ist wichtig für uns Spieler, auch mal an andere Dinge als Fußball zu denken. Sich selbst wieder ein bisschen runterzubringen, um danach mit noch mehr Energie zurückzukommen.

War das zuletzt eher körperlich oder mental anstrengend?
Wenn man so oft auf dem Platz steht, ist das natürlich in erster Linie eine physische Sache. Für viele Spieler ist diese Doppelbelastung ja auch eine neue Erfahrung. Wichtig ist, dass wir alles dafür tun, um schnell zu regenerieren – und das hat bisher gut geklappt. Mental wird das vermutlich erst zu einem späteren Zeitpunkt der Saison ein richtiges Thema. 

Beim 2:1-Erfolg gegen Hoffenheim gönnte Trainer Hütter Ihnen eine Pause. Wie war Ihre Reaktion, als Sie davon erfahren haben?
Ich habe ihm sofort gesagt, dass ich es verstehe. Wir sind eine Mannschaft, da zählt jeder Spieler, wenn man in allen Wettbewerben mithalten möchte. Außerdem sind wir im Angriff mit Ante Rebic und Luka Jovic auch ziemlich stark besetzt. Da ist es völlig normal, dass der Trainer rotiert. Nein, ich war nicht sauer, ich hatte mir viel eher vorgenommen, reinzukommen und dann den Unterschied auszumachen. Das war mit nur zehn Spielern in der Schlussphase dann natürlich schwierig, aber wir haben gut dagegengehalten und konnten die drei Punkte am Ende mit nach Frankfurt nehmen. 

Zuletzt gab es drei Siege nacheinander, kam die Länderspielpause da nicht ziemlich ungünstig?Nein, ich denke, sie kam genau zum richtigen Moment. Es ist natürlich immer schön, wenn man einen guten Lauf hat, aber wir müssen genau auf unsere Körper achten, damit wir am Ende der Saison unsere Ziele erreichen können.

Sie haben es schon selbst angesprochen. Rebic, Jovic, Sie – da ist viel Qualität im Angriff vorhanden. Macht es für Sie einen Unterschied, ob nun Rebic oder Jovic an Ihrer Seite spielt? 
Nein, da gibt es nicht viele Unterschiede. Ich habe meine eigenen Aufgaben vom Trainer bekommen, die möchte ich möglichst gut umsetzen. 

Welche Aufgaben sind das? 
Mein Job ist es unter anderem viel zu arbeiten, Bälle zu halten und Räume frei zu schaffen. Und natürlich gehören auch viele Kopfballduelle zu meinem Spiel. 

Gerade bei diesen Luftduellen fällt auf, dass die Schiedsrichter trotz relativ harter Attacken gegen Sie auch gerne mal weiterlaufen lassen – vermutlich weil Sie ziemlich groß, wuchtig, stämmig sind. Nervt das?
Ja, manchmal schon ein bisschen. Ich habe beim Spiel gegen Lazio mit dem Schiedsrichter, den ich aus meiner Zeit in den Niederlanden ganz gut kannte, darüber gesprochen. Er hat dann nur gesagt: ‚Schau dich an, du bist groß und breit, da kann ich nicht ständig pfeifen, da musst du durch‘. Und genauso versuche ich, die Situationen anzunehmen. Es ist nun mal mein Job, den Ball zu verteidigen, wenn ich von meinen Mitspielern angespielt werde – auch wenn es manchmal ein bisschen schmerzhaft ist. 

Drei Bundesliga-Tore, dazu fünf Vorlagen. Gerade nach der für Sie persönlich eher durchwachsenen Rückrunde der Vorsaison eine erstaunliche Entwicklung. Hat Sie das auch überrascht? Woher kommt das Selbstvertrauen?
Das ist gar nicht so schwer zu erklären. Erstens muss man wissen, was der Trainer von einem will. Und zweitens muss man einfach regelmäßig auf dem Platz stehen. Ich habe in der Rückrunde nicht so viel gespielt, weil ich nicht so oft getroffen habe, das ist normal. Aber in dieser Saison läuft es richtig gut, weil wir als gesamte Mannschaft und auch ich persönlich einen guten Rhythmus gefunden haben. 

Wo liegt bei Ihnen noch Steigerungspotenzial?
Ach, es kann immer besser sein. Ich bin Stürmer, also möchte ich natürlich mehr Tore schießen. 

Haben Sie sich eine bestimmte Anzahl vorgenommen? 
Keine bestimmte Zahl, aber mindestens mehr als vergangene Saison (neun Tore in der Liga: Anm. d. Red.). 

Jetzt stehen Spiele gegen Fortuna Düsseldorf und den 1. FC Nürnberg an. Klingt machbar.
Aber genau das ist doch das größte Problem. Ich mag es nicht, wenn die Leute sagen, dass es einfach wird. So funktioniert Fußball nicht. Wir haben auch viele Spiele gewonnen, in denen wir nicht der Favorit waren. Es kommt immer darauf an, mit welcher Einstellung man in ein Spiel geht, wie sehr man gewinnen möchte. Wir können die Spiele nur als Sieger beenden, wenn wir absoluten Willen auf den Platz bringen. 

Schauen Sie als Mannschaft auch mal auf die Tabelle und überlegen, wo das alles hinführen könnte?
Ich kann nur für mich, nicht für andere sprechen. Und da ist es die Wahrheit, dass ich das nie mache. Man darf nicht zu sehr nachdenken, zu viel kalkulieren. Man muss einfach immer 100 Prozent geben.

Zur Europa League: Sechs Punkte nach zwei Spielen gegen europäische Topklubs, damit hatte wohl kaum jemand gerechnet. Nun stehen zwei Spiele gegen Limassol an, die Eintracht ist Favorit. Macht es das besonders schwierig?
Die sechs Punkte konnte niemand erwarten. Marseille und Lazio waren die klaren Favoriten in der Gruppe. Mit unserer Ausgangslage, nach diesen überraschenden zwei Siegen, sollten wir weiter genauso hart arbeiten und jetzt die zwei schweren Spiele gegen Limassol hochkonzentriert angehen, um die Gruppe zu überstehen. Sonst wäre es schon ein bisschen enttäuschend.

Europapokal und Eintracht – das passt offenbar. Wie nehmen Sie die Intensität wahr, die die internationalen Auftritt bei Fans, im Umfeld, teilweise in der ganzen Region auslösen?
Oh ja, Frankfurt ist wirklich eine verrückte Fußballstadt. Wir Spieler lieben es, vor solchen Fans auflaufen zu dürfen. Dafür spielen wir Fußball. Das Heimspiel gegen Lazio Rom, unter Flutlicht, da wollten die Fans beweisen, dass sie zurück in Europa sind. Diese Atmosphäre im Stadion war unglaublich.

Nach außen wirken Sie meist sehr ruhig, zurückhaltend, intern sollen Sie aber ein lustiger Typ sein. Stimmt das?
Ich bin auf jeden Fall jemand, der in der Kabine viel lacht und gerne Witze reißt. 

Kann Sebastien Haller auch mal laut werden? 
Ja, ich kann schon laut werden. Wenn ich etwas zu sagen habe, dann mache ich das auch ziemlich deutlich.

Und Sie sind der Kabinen-DJ…
Ich mag es, vor den Spielen Musik zu hören und mich so vorzubereiten. Wenn ich auf den Platz gehe, möchte ich glücklich sein, also stimme ich mich mit Musik ein und gebe das auch gerne an meine Teamkollegen weiter. Das nimmt ein bisschen die Anspannung, es sollte ja schließlich auch Spaß machen, wenn man Fußball spielt. Nur so kann man das alles genießen. 

Sie treffen, sind Stammspieler. Was kann da für Sie noch besser werden?
Wie ich es vorhin schon gesagt habe, ganz klar, ich kann noch mehr Tore machen. Das ist mein Ziel.

Und was kann die gesamte Mannschaft noch besser machen?
Wie der Trainer es auch schon gesagt hat, in manchen Situationen müssen wir ruhiger am Ball werden. Da müssen wir uns mehr Zeit lassen, um die richtigen Entscheidungen zu fällen. 

Sie haben bei der Eintracht noch Vertrag bis 2021. Gibt es Zukunftspläne für die Karriere. Wollen Sie noch mal in einer anderen Liga spielen? England, Frankreich?
Klar, England ist schon interessant, eine attraktive Liga, auf die viele Leute schauen. Aber momentan bin ich in Frankfurt einfach sehr glücklich und denke nicht über andere Vereine nach. Ich möchte eine gute Saison mit der Eintracht spielen, nicht mehr und nicht weniger. Ich bin noch jung und möchte meine Leistung bringen.
 
Also einfach Tore, Tore, Tore?
Genauso ist es.

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