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Chelsea-Manager Maurizio Sarri.

FC Chelsea

Eine Frage des Respekts

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Der FC Chelsea ist europäisch seit 16 Spielen ohne Niederlage, die Stimmung an der Stamford Bridge ist vor dem Spiel gegen die SGE dennoch gedrückt.

Natürlich hatten sie bei Eintracht Frankfurt einen riesigen Respekt vor dem Halbfinalduell mit dem FC Chelsea, gegen diesen durch Öl-Milliarden hochgepimperten Spitzenklub aus der englischen Hauptstadt. Das ist unbestritten. Ein bisschen, so die leise Hoffnung auf hessischer Seite hinter vorgehaltener Hand, könnte bei den Blauen aber vielleicht doch der Wurm drin sein. Es gab ja schließlich ein paar Anhaltspunkte dafür: In der Liga lief es für Chelsea in dieser Saison nie so richtig rund, das Titelrennen war schon passé, bevor es für die Londoner überhaupt angefangen hatte. Trainer Maurizio Sarri stand entsprechend früh und eigentlich fast über die ganze Saison in der Kritik, bei Medien und Teilen der Klubchefs, deren oberster Boss, Roman Abramowitsch, sich sowieso kaum noch an der Stamford Bridge blicken lässt. Alles wahr, und doch irgendwie nicht ganz stichhaltig.

Leistung des FC Chelsea ist beeindruckend

Denn gerade das, was der FC Chelsea in dieser Europarunde bisher abgeliefert hat, ist mehr als beeindruckend. Da war natürlich die starke Vorstellung beim 1:1 im Hinspiel im Frankfurter Stadtwald, die reife Leistung einer Topmannschaft, die das Spiel über weite Strecken kontrollierte, dem Sieg deutlich näher war als die Eintracht und für das Rückspiel im eigenen Stadion gewiss im Vorteil ist. Es war für Chelsea die 16. Begegnung nacheinander ohne Niederlage auf Europas Fußballplätzen, das ist Rekord. In dieser Saison wurden elf von 13 Partien gewonnen, zu Hause gar alle Duelle mit einer Tordifferenz von 18:4. Nicht ganz schlecht. Und auch in der Liga haben sich die Londoner zumindest gefangen, sie sind mittlerweile Tabellendritter und machten durch das lockere 3:0 am vergangenen Sonntag gegen Watford die Teilnahme an der Champions League in der kommenden Saison fix.

Alles wieder paletti? Nicht so ganz.

Denn trotz des Erfolgs grummelt es einfach weiter. Der aktuelle Aufreger: Ein Interview des langjährigen Kapitäns Gary Cahill, in dem er seinen Chef, Trainer Sarri, mal gehörig die Leviten liest. „Es fällt mir wirklich schwer, Respekt vor jemandem zu haben, der selbst nicht respektiert, was einige von uns mit dem Klub gewonnen haben“, sagte Cahill in Richtung des Italieners, „das ist einfach nicht mehr richtig“.

Nicht unerwähnt sollte an dieser Stelle bleiben, dass Cahill zwar langjähriger Kapitän der Blauen war, es seit dieser Saison aber nicht mehr ist. Und dazu längst auch kein Stammspieler mehr, sondern das genaue Gegenteil. Nur achtmal durfte der 33-Jährige unter Sarri in dieser Saison ran, sein Vertrag läuft am Saisonende aus. Am Sonntag gewährte der Coach dem Abwehrmann an der Stamford Bridge ein letztes Bye-Bye, als er ihn in der 89. Minute aufs Feld schickte. Die Teamkollegen warfen Cahill nach Abpfiff durch die Luft, die Fans bejubelten ihn, Trainer Sarri war nicht mehr zu sehen. „Wenn man einen Spieler für drei, vier, fünf Spiele nicht einsetzt, muss man das nicht begründen. Aber wenn daraus acht oder neun Spiele werden, muss man die Situation erklären. Aber das hat der Manager nicht getan“, kritisierte Cahill. Sarris knappe Replik: „Er war wichtig auf dem Trainingsplatz und in der Kabine.“

Gary Cahill, das ist sicher, wird heute im Rückspiel gegen Eintracht Frankfurt keine Rolle spielen, ebenso wenig wie der französische Weltmeister N’Golo Kanté. Die am Sonntag zugezogene Oberschenkelverletzung lässt für den Mittelfeldspieler wohl keinen Einsatz zu. Einspringen darf vermutlich der kroatische Vizeweltmeister Mateo Kovacic. Ebenfalls ein Kandidat für die Startelf ist Eden Hazard. Der Außenstürmer, der beim Hinspiel nach seiner späten Einwechslung offenbar keine allzu große Lust auf körperliche Anstrengung verspürte, ist diesmal, wo in der Liga alles klargemacht wurde, frei verfügbar für einen Einsatz von Anfang an. Gleiches gilt für Gonzalo Higuain, der anstelle von Olivier Giroud stürmen könnte.

Der Respekt auf Frankfurter Seite ist, nun ja, ziemlich berechtigt. Jener aufseiten der Engländer aber zumindest auch vorhanden. Trainer Maurizio Sarri sagte jedenfalls: „Eintracht Frankfurt ist auswärts gefährlich.“

Keine neuen Spieler

Die Transfersperre für den FC Chelsea bleibt bestehen. Wie die Fifa mitteilte, wurde der Einspruch des Klubs gegen die in den nächsten beiden Transferperioden gültige Sanktion abgewiesen. Die Fifa hatte Chelsea mit der Sperre belegt, weil die Londoner in 29 Fällen bei internationalen Transfers von minderjährigen Spielern gegen Regeln verstoßen hatten (dpa)

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