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Johannes Flum (re.) im Zweikampf mit Marco Russ.

Eintracht Frankfurt

Flums langer Weg zurück

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Erstaunlicherweise tut sich Johannes Flum schwer, im Frankfurter Mittelfeld wieder Fuß zu fassen. Entmutigen lässt sich der ehemalige "Immerspieler" aber nicht.

In diesen Tagen, da traditionellerweise die Gerüchteküche heiß läuft, will das Internetportal novisti.rs fein herausgeschnuppert haben, dass Eintracht Frankfurt großes Interesse an Aleksandar Kovacevic, 22, von Roter Stern Belgrad habe. Der serbische U 21-Nationalspieler ist ein defensiver Mittelfeldspieler. Trainer Thomas Schaaf freilich hat am Mittwochmorgen den Spekulationen schnell den Wind aus den Segeln genommen. „Da ist nichts dran“, sagte der Coach.

Noch ein defensiver Mittelfeldspieler – das hätte gepasst, dürfte sich Johannes Flum gedacht haben.

Johannes Flum, 27, ist defensiver Mittelfeldspieler bei Eintracht Frankfurt. Es gibt relativ viele defensive Mittelfeldspieler bei Eintracht Frankfurt, Makoto Hasebe, der Platzhirsch und gesetzt, dann Martin Lanig, Aleksandar Ignjovski oder Slobodan Medojevic. Und mittendrin: Johannes Flum. Und irgendwie auch wieder nicht. Der gebürtige Waldshuter, den die FR schon mal „Immerspieler“ taufte, weil er unter Schaafs Vorgänger Armin Veh praktisch alle Spiele bestritt, ist außen vor, spielte bislang in den Planungen des Cheftrainers keine große Rolle. Gefragt, ob Flum als Ersatz für den am ersten Rückrundenspieltag vermutlich noch fehlenden Hasebe in Frage kommen könnte, antwortete Schaaf: Sicher, aber Flum habe in dieser Saison 40 Minuten gespielt, „das ist nicht so viel.“ Unterstützung klingt anders. Andererseits: Es ist nicht so, dass Flum, vor eineinhalb Jahren für 2,2 Millionen Euro vom SC Freiburg gekommen, sich einen neuen Verein suchen soll. Schaaf, so habe er ihm bedeutet, rechne mit ihm.

Flum selbst sagt, die Vorrunde sei für ihn „beschissen“ gelaufen. Im Grunde hat er zuletzt seriös vor neun Monaten Fußball gespielt, Anfang April 2014 gegen Mainz 05. Dabei ist er so unglücklich gefallen, dass er sich eine schwere Schulterverletzung zuzog und unters Messer musste.

Bänder, Muskel, Knorpel – alles war seinerzeit gerissen. Die Vorbereitung auf diese Saison konnte er nicht komplett mitmachen, erst spät stieg er voll ein. Dann reichte es nicht für die erste Elf. In dieser Saison kam Johannes Flum gerade auf zwei Kurzeinsätze, im Auftaktspiel gegen Freiburg, dann gegen Augsburg, und dort zog er sich, hochmotiviert, prompt einen Muskelfaserriss zu. Doch weil schon dreimal gewechselt war, musste der defensive Mittelfeldspieler die Zähne aufeinander beißen. Besser wurde es dadurch nicht, das warf ihn erneut zurück.

Flum will beißen

Es war ein langer Weg zurück für Johannes Flum. „Ich hatte noch nie eine solche Verletzung.“ Mal zwickte der Oberschenkel, dann strahlte es in den Rücken aus. Das Testspiel gegen Opel Rüsselsheim im Oktober war zu früh gekommen. Er hat nochmals kürzer treten müssen, hat viel individuell gearbeitet, keine schöne Zeit für einen Vollblutfußballer. „Es tut verdammt weh, zuschauen zu müssen“, sagt Flum. „Es ist für den Kopf wahnsinnig anstrengend, nicht zu spielen.“

Denn seit einigen Wochen steht Flum, der in der vergangenen Runde noch 40 Pflichtspiele bestritt, wieder voll im Saft, verpasst kaum eine Trainingseinheit – und musste die Mehrzahl der Spiele doch von der Tribüne verfolgen. Genau weiß Flum auch nicht, warum Thomas Schaaf nicht auf den ballsicheren Mittelfeldläufer setzt. Klar, zuletzt spielte die Mannschaft richtig gut, da gab es wenig Grund, etwas zu ändern. Aber so gar nicht mehr richtig dazugehören, „das ist schon komisch“, sagt der 27-Jährige. In der Vorbereitung auf Norderney hat er vorsichtig Verstärkungen angemahnt, auch sonst ist er keiner, der mit seiner Meinung („Wir spielen unter unseren Möglichkeiten“) hinter dem Berg hält. Ob er damit angeeckt ist bei Schaaf?

Eine wirklich Chance, sich anzubieten, hat er nicht bekommen. „In einer halben Stunde kann man wenig zeigen“, sagt Flum. Logisch, dass Flum, ein integrer, loyaler Mann, inzwischen verunsichert ist und nicht gerade vor Selbstbewusstsein strotzt. Spielpraxis hat er nicht, erstaunlich, dass ihm das quasi zum Vorwurf gemacht wird. Im Training spielt er in unschöner Regelmäßigkeit in der B-Mannschaft, auch da fällt es schwer, auf sich aufmerksam zu machen.

Aber was bleibt ihm anderes übrig? „Ich muss mich voll einbringen, Vollgas geben und dann sehen wir weiter. Ich bin keiner, der sich hängen lässt oder stänkern würde.“ Er hat nicht vor, die Flinte ins Korn zu werfen, er ist keiner, der schnell aufgibt und Eintracht Frankfurt den Rücken kehrt. Er will sich hier durchbeißen, so wie ihm das in der vorherigen Saison auch gelungen war, zur eigenen Überraschung. Er selbst hatte anfangs nicht geglaubt, so schnell zum Stammspieler zu werden bei der Eintracht. Jetzt ist er in der Hierarchie nach hinten gerutscht.

Johannes Flum setzt große Hoffnung in die Vorbereitung in Abu Dhabi. Die Zeit muss er nutzen, um in den Fokus zu geraten. Er hat auch in den Ferien zwischen den Jahren nicht geschludert, hat das verordnete Trainingsprogramm strikt durchgezogen. Da ist ein Mann, der mit Macht zurückdrängt, der den Kampf um die raren Plätze im defensiven Mittelfeld aufnimmt.

Am Mittwoch stellte ihn Trainer Schaaf im Trainingsspielchen als Innenverteidiger auf.

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