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Technisch stark und mit Behauptungswillen: Konstantin Vassiljev (links) gegen Filip Kostic.

Europa League

Tallinn will die Eintracht „ins Schwitzen bringen“

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Die Profis von Flora Tallinn wissen, dass sie im Rückspiel der Europa-League-Qualifikation kaum eine Chance bei Eintracht Frankfurt haben, wollen diese aber nutzen.

Natürlich war es dem besten Fußballer des FC Flora Tallinn vorbehalten, auch für die beste Aktion des estnischen Tabellenführers vor genau einer Woche im Hinspiel der Europa-League-Qualifikation gegen Eintracht Frankfurt zu sorgen. Auf dem linken Flügel hatte sich Spielmacher Konstantin Vassiljev der Bewachung der stärksten Frankfurter Verteidiger entzogen. Stattdessen musste er es nur mit Leichtgewicht Mijat Gacinovic aufnehmen. Vassiljev also, schon 34, ließ den 24-jährigen Eintracht-Profi ziemlich alt aussehen. Er führte den Ball eng am Fuß, kurze, schnelle Kontakte, Gacinovic hechtete ins Leere, der Raum war frei. Eine präzise Flanke in die Mitte und schon stand es 1:1 – stark von Vassiljev, bitter für den vorgeführten Gacinovic.

Schon vor dem Hinspiel hatte der Frankfurter Trainer Adi Hütter den 114-fachen Nationalmannschaftskapitän des kleinen Landes als „Schüsselspieler“ von Tallinn bezeichnet, hinterher wussten alle warum. Vassiljev kann was mit dem Ball, er besitzt eine feine Technik, ist aufgrund seines relativ hohen Fußballeralters zwar nicht besonders flink unterwegs, dafür weiß er sehr wohl, in welchen Spielsituationen er sich wo aufzuhalten hat. „Er kann gute, genaue Pässe spielen“, so Hütter, der Vassiljev in früheren Jahren selbst gerne für eine seiner Mannschaften verpflichtet hätte. Klappte nicht.

Stattdessen spielte der in Tallinn geborene Mittelfeldspieler nicht nur anfangs für Klubs in seiner Heimatstadt, sondern verdiente später sein Geld auch in Slowenien und Polen. Seit Februar steht er nun beim FC Flora unter Vertrag und kann seitdem eine starke Bilanz vorweisen: In nur 17 Ligaeinsätzen bereitete er als Mann hinter der einzigen Spitze, Erik Sorga, elf Tore vor. Zudem traf er selbst noch sechs weitere Male ins Netz. Beachtlich.

Vassiljev mit wichtiger Rolle

Für das heutige Rückspiel in Frankfurt (20.30 Uhr) rechnet sich der gerade mal 1,75 Meter kleine Lockenkopf dennoch kaum eine Chance aufs Weiterkommen aus. Schließlich spiele die Eintracht das erste Mal in dieser Saison im eigenen Stadion, so Vassiljev, „und da wollen sie bestimmt zeigen, was sie können“. Für seine eigene Mannschaft gehe es dagegen vor allem darum, „solch ein großes Spiel in einem ausverkauften Stadion aufzusaugen und zu genießen“. Nur rund 40 Anhänger werden das Team aus Tallinn am Abend in der Arena im Stadtwald unterstützen, die meisten davon sind Familienangehörige der Spieler. „Wir freuen uns riesig auf das Spiel“, sagt Vassiljev, „wir werden es probieren und unser Bestes geben.“

Wenngleich die 1:2-Heimniederlage aus Sicht der Esten natürlich keine wirklich vielversprechende Ausgangsposition ist, hatten sie sich vor einer Woche dennoch beachtlich geschlagen. Gerade die hohe Laufbereitschaft und die gallige Zweikampfführung nervte die klar favorisierte Eintracht immens. Zudem offenbarte Tallinn gerade im Konterspiel gewisse Qualitäten, meist hatte dann auch Vassiljev seine Füße im Spiel, der mehrfach seinen Stürmer Sorga mit klugen Pässen auf die Reise in die Frankfurter Hälfte schickte.

Trainer Jürgen Henn lebt seiner Mannschaft vor dem Duell beim scheinbar übermächtigen Kontrahenten Zuversicht vor. Nicht überheblich, aber doch mit gesundem Selbstvertrauen sagt er: „Wir haben natürlich nur eine ganz kleine Chance auf das Weiterkommen. Aber wir werden richtig kämpfen, um Frankfurt ins Schwitzen zu bringen.“

Der 34-jährige Konstantin Vassiljev spielt in den Überlegungen seines zwei Jahre jüngeren Trainers sicher eine wichtige Hauptrolle.

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