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Auch gut am Ball: Danny da Costa.

Danny da Costa

Flitzender Gute-Laune-Bär

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Danny da Costa spielt und spielt und spielt - kein anderer Eintracht-Profi ist mehr unterwegs.

Wäre Danny da Costa kein Fußballspieler, sondern ein Läufer, er hätte in den vergangenen Monaten ganz schön was zu sehen bekommen von Deutschland. Grob gesagt, wäre er einmal von Frankfurt bis nach Karlsruhe, wahlweise auch von Frankfurt bis nach Bonn oder kurz hinter Würzburg gejoggt. Da Danny da Costa aber eben kein Läufer im eigentlichen Sinne, sondern nur ein Dauerflitzer auf dem Fußballplatz ist, hat er dann doch ein bisschen was verpasst vom Land. 

Ziemlich genau 150,5 Kilometer hat da Costa in den bisherigen 14 Saisonspielen der Fußball-Bundesliga für Eintracht Frankfurt zurückgelegt, das sind fast elf im Schnitt. Kein Frankfurter Profi war mehr unterwegs. Bis auf neun Minuten, jene, die da Costa am vergangenen Samstag bei der 0:1-Niederlage in Berlin vor dem Abpfiff vom Feld geholt wurde, stand der Rechtsverteidiger immer auf dem Rasen. Er legte 430 Sprints hin, die viertmeisten aller Bundesligaprofis, dazu 1121 intensive Läufe, die drittmeisten.

Wenn Danny da Costa auf seiner rechten Außenbahn antritt, den Oberkörper dabei immer so ein bisschen nach vorne neigt und auf erste kurze viele lange Schritte folgen lässt, dann müssen sich die Gegenspieler in Acht nehmen. Der 25-Jährige hat nicht nur statistisch gute Werte vorzuweisen, er spielt insgesamt auch eine gute Saison. 

In Leverkusen auf dem Abstellgleis

Weil Timothy Chandler seit Saisonbeginn wegen eines Knorpelschadens aussetzen muss und erst im neuen Jahr langsam wieder mitmischen kann, ist da Costa ohne ernstzunehmende Konkurrenz auf seiner Seite. 

Das war schon mal anders in seiner Karriere. In Leverkusen, dort, wo da Costa fußballerisch groß wurde, seit seinem achten Lebensjahr zu einem Profikicker ausgebildet wurde, dort schaffte er nie den Durchbruch. 2011 machte da Costa zwar sein erstes Bundesligaspiel, ausgerechnet gegen den FC Bayern (0:3), der in Neuss geborene Sohn einer Kongolesin und eines Angolaners kam danach im starken Bayer-Team aber nie so richtig zum Zug. 

Da Costa wechselte nach Ingolstadt, nahm den Umweg über die zweite Liga, und brach sich im Oktober 2014 das Schienbein. Das frühe Karriereende drohte, die Ärzte waren nicht allzu optimistisch für da Costas fußballerische Zukunft. „Es gab selten Phasen in meinem Leben, in denen ich so verzweifelt in meinem Bett lag. Wenn ein Arzt sagt, suche dir lieber mal einen anderen Beruf, ist das ein Schock“, erinnerte sich da Costa, der mit einem Abiturschnitt von 2,4 durchaus ordentliche Grundvoraussetzungen auf dem Arbeitsmarkt gehabt hätte.

Glücklicherweise kam es aus seiner Sicht anders, da Costa lernte wieder laufen,  wieder Fußballspielen, wurde von Leverkusen zurückgekauft, ehe er dort zum zweiten Mal in seiner Laufbahn kaum zum Einsatz kam und sich vor eineinhalb Jahren der Eintracht anschloss. In Frankfurt hat er einen Vertrag bis 2021. Ein Glücksfall. Denn da Costa ist nicht nur ein manierlicher Rechtsverteidiger, der zuletzt mit der deutschen Nationalmannschaft in Verbindung gebracht wurde („Das ist etwas, mit dem ich mich nicht auseinandersetze“), er ist dazu auch ein sehr angenehmer Mensch. Aufgeschlossen, witzig, von Selbstironie geprägt. 

Da Costa ist der Spieler im Frankfurter Kader, der am meisten spricht, der nicht nur nach Siegen, sondern auch nach Niederlagen gerne von der Presseabteilung den Reportern ans Flatterband gestellt wird. Da Costa weiß sich zu artikulieren, sogar so gut, dass er wie kürzlich in einem TV-Interview auch mal zum Mikrofon greift und sich die Fragen gleich selbst stellt. 

Wille wichtiger als Talent

Freilich, der Mann mit der auffälligen Frisur - seitlich raspelkurz rasiert, mittig zehn Zentimeter in die Höhe getrimmt - hat auch Schwächen. Auf dem Fußballplatz ist das mitunter die letzte fehlende Konsequenz. Manchmal in der Defensive, auffällig oft in der Offensive. Trotz – oder wegen? – all seiner Läufe, den 150,5 abgespulten Kilometern und den 430 Sprints, geht da Costa zu oft die Genauigkeit ab. Viele Flanken scheint der Rechtsfuß einfach in die Mitte zu schlagen, statt gezielt den Kollegen anzuvisieren. Filip Kostic auf links gelingt das doch wesentlich zielgerichteter. Zwei Tore bereitete Danny da Costa in dieser Bundesligasaison vor. Zudem gelangen ihm in der Europa League zwei Treffer im Heimspiel gegen Lazio Rom. Ordentliche, aber doch ausbaufähige Werte. 

Danny da Costa, der Dauerflitzer, dem einst das frühe Karriereende drohte, der Gute-Laune-Bär, der sich vor den Reportern so schön selbst auf die Schippe nehmen kann, er blickte vor einiger Zeit auf die Anfänge seiner Laufbahn zurück und sagte folgende Worte: „Es gab talentiertere Spieler als mich, aber der Wille, sich immer wieder zu verbessern, hat mich zum Profifußballer gemacht.“ 

Bleibt er diesem Ansatz treu, ist ja vielleicht sogar künftig die deutsche Nationalmannschaft drin. Das sei der „Traum eines jeden Fußballers“. Auch der von Danny da Costa.

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