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Würde gerne auf große Fahrt gehen: Peter Fischer will „auch mal wieder durch Europa reisen können“.

Eintracht Frankfurt

Fischer mit Erdrutschsieg

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    Ingo Durstewitz
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Die Mitglieder votieren mit überwältigender Mehrheit für den alten und neuen Präsidenten der Frankfurter Eintracht Peter Fischer. Einen desaströsen Auftritt dagegen legt sein Herausforderer Reiner Schäfer hin.

Den ersten Lacher erhielt der alte und neue Präsident von Eintracht Frankfurt, Peter Fischer, bei seiner launigen, knapp einstündigen Rede auf Kosten des Vorstandvorsitzenden Heribert Bruchhagen. Der habe bei einem Freundschaftskick gegen Journalisten in Abu Dhabi einen Muskelbündelriss davongetragen. „Ich bin froh, Herri, dass es nicht Alex Meier getroffen hat“, so Fischer.

Da wusste er noch nicht, dass er bis Punkt 20 Uhr warten musste, ehe feststand, dass er weitere drei Jahre dem Gesamtverein Eintracht Frankfurt vorstehen wird. Denn um genau acht Uhr am Abend zog Herausforderer Reiner Schäfer seine Kandidatur zurück. Der 70-Jährige hatte einen fast schon bemitleidenswerten Auftritt hingelegt, im Laufe seiner wirren Ausführungen hatte er sich um Kopf und Kragen geredet. Sein Rückzug kurz vor der geheimen Abstimmung war nur konsequent. In der anschließenden Akklamation erreichte Peter Fischer von 1308 stimmberechtigten Stimmen sage und schreibe 1297, zwei Mitglieder votierten gegen ihn, elf enthielten sich. „100 Prozent – was soll ich sagen?“, sagte ein völlig losgelöster Präsident. In Wahrheit waren es „nur“ 99 Prozent der Stimmen. Doch um Promillezahlen ging es da schon lange nicht mehr.

Es ist eines der besten Ergebnisse, das der gebürtige Licher je erzielt hat. Am Ende ging es in der voll gepackten Wolfgang-Steubing-Halle im Riederwald fast zu wie in einem Fußballstadion: Der alte und neue Präsident wurde nicht nur mit im Stehen dargebrachten Ovationen, sondern mit Sprechchören gefeiert.

Doch es war im Laufe des langen Tages abzusehen, dass es am Ende nur einen Sieger geben konnte: Peter Fischer. Es ist seine fünfte Amtszeit. Seit August 2000 amtiert er bei Eintracht Frankfurt am Riederwald. Er wird es weitere drei Jahre tun.

Mit Spannung erwartet

Herausforderer Reiner Schäfer schaffte es in seiner langatmigen Wahlrede niemals, eine gewisse Aufbruchstimmung im Saal zu vermitteln. Stattdessen verzettelte er sich in seiner Rede in tausenden von Kleinigkeiten, die kaum einen interessierten. Er drang bis in die letzten Verästelungen steuerliche Angelegenheiten des Vereins ein. Er sah sich als Opfer einer Schlammschlacht, sprach „von permanentem Gegenwind“, dem er sich seit seiner Kandidatur ausgesetzt fühlte. „Ich bin keine Marionette der AG.“ Schäfer hinterließ vor den Mitgliedern einen denkbar schlechten Eindruck, es war eine Darbietung, die ungläubiges Kopfschütteln im Auditorium hervorrief.

Von einem Konzept war wenig zu hören, Schäfer blieb alles schuldig, was man von einem Präsidenten oder einem, der dieses Amt anstrebt, erwarten dürfte. Spätestens nach dieser wirren Rede dürften auch wankelmütige Mitglieder umgeschwenkt haben. Zu allem Überfluss ist Schäfers Mitstreiter Christian Geiser von dem Mitgliedern aus dem Verwaltungsrat abgewählt worden, weil er den Gremien verheimlicht habe, dem Küchenkabinett Schäfers anzugehören.

Diese Mitgliederversammlung, die um 12.50 Uhr begann und sich bis in den späten Sonntagabend zog, war mit Spannung erwartet worden. Erstmals musste sich Peter Fischer einem Herausforderer stellen. Reiner Schäfer, einst Geschäftsführer, wollte ihn beerben. Von der Bundesligamannschaft waren Stefan Aigner, Marc Stendera, Marco Russ und Alex Meier am Riederwald; auch Trainer Thomas Schaaf sowie Sportdirektor Bruno Hübner waren vor Ort. Beide harrten bis zum Schluss aus.

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Fischer war in bester Form, der 58 Jahre alte Präsident des eingetragenen Vereins. Er spielte bei seinem Bericht vor knapp 1000 anwesenden Mitgliedern (stimmberechtigt waren am Ende 1308 Mitglieder inklusive 350 Vollmachten) in der brechend vollen Wolfgang-Steubing-Halle all seine Stärken aus, streute immer mal wieder eine private Anekdote ein, lobte Mitarbeiter über den grünen Klee und manchmal auch sich selbst. Er traf oft den richtigen Ton. Und er wusste auch, wem er besonders danken musste: den Anhängern des Bundesligisten. „Ich bin so stolz, einer von Euch zu sein“, rief er in den Saal und erntete tosenden Applaus: „Die Fans sind unser Aushängeschild.“ Fischer sprach von „historischen Erfolgen“ und meinte das Anwachsens des Vereins auf aktuell 30 533 Mitgliedern. Als Peter Fischer vor 15 Jahren erstmals sein Präsidentenamt antrat, sei er für seine Vision von 10 000 Mitgliedern ausgelacht worden. „Nach zwei schwierigen Jahren befinden wir uns jetzt im Aufschwung.“ Fischer erntete nach seinem fast einstündigem Vortrag lang anhaltenden Beifall.

In der Tat hat sich die zuletzt doch arg angespannte Finanzlage beim eingetragenen Verein im Geschäftsjahr 2013/2014 leicht entspannt. Demnach hat der Verein im zurückliegenden Jahr sogar einen Überschuss von etwa 350 000 Euro erwirtschaftet. Im Jahr davor betrug der Fehlbetrag noch eine knappe Million Euro. Auch die Höhe der Verbindlichkeiten hatte Schatzmeister Thomas Förster auf etwa 10,5 Millionen Euro drücken können. Im Geschäftsjahr 2012/13, als eine „Bilanz des Schreckens“ (FR) unterbreitet wurde, beliefen sich die Verbindlichkeiten auf erstaunliche 13,5 Millionen Euro. Vor einem Jahr musste der Verein, um liquide zu bleiben, sogar fünf Prozent der Aktien der Eintracht Frankfurt Fußball AG veräußern. 1,25 Millionen Euro brachte der Verkauf von 156 250 Aktien ein; inzwischen konnten 31 500 Aktien zurückgekauft werden.

Ansehen beschädigt

Allerdings ist es Förster nicht gelungen, alle fälligen Darlehen zu bedienen. Das zum Ende des vergangenen Jahres fällige Darlehen in Höhe von einer Million Euro konnte um ein Jahr bis Ende 2015 verlängert werden. Aufgrund des positiven Jahresergebnisses erhöhte sich die Eigenkapitalquote von zwei Prozent im Vorjahr auf knapp fünf Prozent im Berichtsjahr und beläuft sich aktuell auf 735 000 Euro. Von der AG flossen für Namens- und Lizenzrechte sowie den Unterhalt des Leistungszentrums rund 4,2 Millionen Euro an den Riederwald. Die Steuernachforderungen des Finanzamtes wegen geänderter Beurteilung belaufen sich auf 3,8 Millionen Euro. Bislang hat die Eintracht nach den Worten Försters 2,7 Millionen Euro entrichtet.

Fischer wies die Vorwürfe zurück, man hätte in den Steuerfragen anders reagieren können.
Förster erklärte weiterhin, dass Peter Fischer für seine Präsidententätigkeit in Tochtergesellschaften inklusive seiner Aufgaben als Aufsichtsratsmitglied 6000 Euro erhalten hatte, derzeit belaufen sich seine Bezüge auf 4000 Euro. An Auslagen hatte er 9000 Euro im Jahr. Eintracht-Mitglied Sylvia Schenk, die mehr Transparenz in dieser Frage gefordert hatte, zog daraufhin ihren Antrag zurück. Mit Präsidentschaftskandidat Schäfer rechnete Förster ebenso ab, er wies die Vorwürfe der „Misswirtschaft“ weit von sich. Reiner Schäfer habe das Ansehen der Eintracht durch seine falschen Äußerungen in der Öffentlichkeit über die finanziellen Angelegenheiten „beschädigt und dafür muss er abgestraft werden“. Schäfer habe sich „unredlich“ verhalten.

Derweil hat die Versammlung den Antrag des Präsidiums angenommen, das Leistungszentrum aus dem Verein auszugründen und in eine eigene GmbH über zu führen. Die Mitglieder entlasteten den alten Vorstand und den 2013 verstorbenen Schatzmeister Fred Moske. Das langjährige Präsidiumsmitglied Klaus Lötzbeier, der ausscheidet, ist zum Ehrenmitglied ernannt worden.

Heribert Bruchhagen, der Vorstandsvorsitzende der Fußball-AG, nannte die Saison 2013/2014 die „tollste, die ich je bei Eintracht Frankfurt erlebt habe“: Es war die Runde, in der die Eintracht in der Europa League spielte. Es war das umsatzstärkste Jahr in der Geschichte der Eintracht, knapp 100 Millionen Euro setzte der Klub um, der Gewinn pendelte sich bei neun Millionen Euro ein. Man wolle das eigene Licht nicht unter den Scheffel stellen, aber „wir haben nicht alles falsch gemacht“. Seine aktive Fußballkarriere hat der 66-Jährige indes beendet.

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