1. Startseite
  2. Eintracht

Fingerspitzengefühl gefragt

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Ingo Durstewitz

Kommentare

Darf er bleiben? Eigengewächs Marc Stendera.
Darf er bleiben? Eigengewächs Marc Stendera. © rtr

Die Eintracht strebt nach mehr Qualität in der Tiefe des Kaders und wird sich noch von ein paar Akteuren trennen.

Zurzeit urlaubt Fredi Bobic noch am Golf von Mexiko, an den Puderzuckersandstränden von Naples, Florida, lässt es sich der Eintracht-Sportvorstand gut gehen. Ein paar Tage Zerstreuung und Laissez-faire hat er sich verdient, der umtriebige Sportchef, gar keine Frage. Ganz entspannt auf der Sonnenliege hat der 46-Jährige daher auch die Kür zum „Manager des Jahres“ entgegengenommen. Das Magazin „11 Freunde“ zeichnete Bobic mit diesem Preis aus, weil „wir gelernt haben, dass nicht nur große Namen und viel Geld erfolgreiche Teams machen, sondern vor allem Menschen.“

Der Eintracht-Vorstand bedankte sich umgehend via Facebook: „Es erfüllt mich mit Stolz, wenn ich die Zusammensetzung der Jury beachte“, schrieb er. Darin saßen unter anderem Joachim Löw, Oliver Kahn, Volker Finke oder Stefan Reinartz. Fachleute, die Bobic auf Augenhöhe sieht und die er ernst nimmt.

Ein paar Tage wird er noch in den Staaten verweilen, ehe er in der kommenden Woche wieder am Sachsenhäuser Mainufer aufschlagen wird. Vermutlich werden erst dann die nächsten Zugänge präsentiert. Bisher hat die Eintracht Torhüter Frederik Rönnow, Ersatzkeeper Felix Wiedwald und Rechtsaußen Nicolai Müller geholt. Damit sind die Aktivitäten natürlich nicht abgeschlossen, es werden noch einige Neue anheuern, am Ende wird der Kader eine Stärke von 24 bis 26 Feldspielern plus drei Torhüter haben.

Damit sieht sich der Klub für die Liga, den Pokal und mindestens sechs Europa-League-Partien breit genug aufgestellt. Insgesamt soll das Aufgebot aber an Qualität in der Tiefe gewinnen. Dass die Eintracht anders wahrgenommen wird, hat die Sportliche Leitung selbst gespürt, es werden Spieler angeboten, die vor zwei Jahren nicht mal im Entferntesten daran gedacht hätte, in Frankfurt anzuheuern. Auch solche, die zurzeit bei der WM in Russland aktiv sind und dort schon das Achtelfinale sicher erreicht haben.

Drei, vier größere Transfers

Die Frankfurter wären wirtschaftlich mittlerweile dazu in der Lage, drei, vier größere Transfers mit einem Volumen von je sechs bis zehn Millionen Euro zu stemmen. Jeder einzelne Deal will aber gut überlegt und auf Herz und Nieren geprüft sein. Denn viele Fehler können sich die Frankfurter nicht erlauben, so viele Fehler sind ihnen in den vergangenen zwei Jahren auch nicht unterlaufen.

Doch auch vor der kommenden Saison gilt: Sportvorstand Bobic, Manager Bruno Hübner sowie Chefscout und Kaderplaner Ben Manga werden wieder liefern und die eine oder andere Überraschung aus dem Hut zaubern müssen. Dass sie das können, haben sie bewiesen.

Der Fokus liegt nicht nur, aber doch hauptsächlich auf dem südamerikanischen und spanischen Raum. In Südamerika sind talentierte Profis noch halbwegs erschwinglich, in Spanien nahezu perfekt ausgebildet. Und es ist auch nicht auszuschließen, dass der neue Trainer Adi Hütter noch einen Akteur aus seinem alten Verein, Young Boys Bern, mit nach Frankfurt bringen wird.

Der Konkurrenzkampf soll noch weiter geschürt werden, die Qualität in den einzelnen Mannschaftsteilen wachsen, denn natürlich wissen die Verantwortlichen, dass der Eintracht eine knifflige Saison bevorsteht: Ein neuer Trainer mit anderen Ideen und Vorstellungen, die Integration der neuen Spieler, die internationalen Auftritte mit den dazugehörigen Reisestrapazen, dadurch schwierigere Rahmenbedingungen mit wenig geregeltem Training und auch eine Erwartungshaltung, die durch die lange Zeit gute Bundesligasaison und den großen Pokalsieg als i-Tüpfelchen befeuert wird.

In diesem Feld bewegt sich die Eintracht in den kommenden Monaten, da wird viel Fingerspitzengefühl und Stabilität auf allen Ebenen gefragt sein. Hektik und Aufgeregtheit werden schlechten Ratgeber sein, eher Vertrauen in die handelnden Personen und in die eigene Arbeit. Ein guter Start würde, klar, vieles vereinfachen.

Zum großen Ganzen gehört auch, dass noch einige Spieler den Verein werden verlassen müssen. Branimir Hrgota wird zu Hannover 96 wechseln, zumindest dann, wenn er verantwortungsvoll seiner eigenen Karriere gegenübersteht. Die Vereine sind sich längst handelseinig. Danny Blum, der auch nach zwei Jahren den Durchbruch nicht mal annähernd geschafft hat, sollte sich ebenfalls dringend nach einem neuen Verein umsehen. Ein Tapetenwechsel wäre angezeigt, er sollte auch einfach mal raus aus dem hiesigen Umfeld. Auch Taleb Tawatha könnte den Verein verlassen, wenn er denn einen neuen Klub finden würde. Das sollte möglich sein.

Stendera will nicht weg

Und was wird aus Marc Stendera, dem Techniker aus den eigenen Reihen? Er würde gerne einen neuen Anlauf in Frankfurt nehmen, der neue Trainer Adi Hütter wird dies bewerten müssen. Den 22-Jährigen zieht es nicht unbedingt fort, er gehört zu den Profis, die nicht schlecht entlohnt werden. Zweifelhaft, ob er andernorts so viel Gehalt einstreichen könnte.

Und es stellt sich die Frage, ob Coach Hütter den jungen Perspektivspielern Daichi Kamda oder auch Marijan Cavar das Vertrauen schenkt und etwas in ihnen sieht, was für die Zukunft vielversprechend sein könnte. Von ihnen wird sich der Österreicher sicher erst einmal ein eigenes Bild machen, ab dem 2. Juli – dann, in zehn Tagen schon, nimmt der Pokalsieger das Training wieder auf.

Auch interessant

Kommentare