1. Startseite
  2. Eintracht

Finanzdaten der Eintracht: Ein ganz schön blaues Auge

Erstellt:

Von: Ingo Durstewitz, Daniel Schmitt

Kommentare

Der Europapokalsieg hat seinen Preis: Finanzchef Oliver Frankenbach (li.)weiß das nur zu gut.
Der Europapokalsieg hat seinen Preis: Finanzchef Oliver Frankenbach (li.)weiß das nur zu gut. © Jan Huebner/Imago

Die Eintracht fährt ein dickes Minus ein, türmt Schulden auf und verwaltet kaum Eigenkapital – doch der Trend soll umgekehrt werden.

All jenen, die noch immer glauben, Eintracht Frankfurt stünden nun als Europa-League-Sieger und Champions-League Teilnehmer alle Türen offen und der Verein sei wirtschaftlich auf Rosen gebettet, er könne also quasi jeden Cent in die Mannschaft stecken, hält Oliver Frankenbach ein paar Grafiken unter die Nase. Und untermalt die Diagramme mit prägnanten Ausführungen. „Wir schwimmen nicht im Geld“, sagt der Finanzvorstand. Das Gegenteil ist der Fall. Die Eintracht wird den Gürtel eng schnallen müssen. Durch die Pandemie sei sie gerade mal mit „einem blauen Auge“ gekommen.

Und doch habe der Bundesligist seine Mannschaft im Rahmen der Möglichkeiten sogar ganz erheblich verstärkt, findet der 54-Jährige. „Wenn ich mir ansehe, wer in Magdeburg auf dem Feld stand und noch auf der Bank saß, dann kann ich mich nicht daran erinnern, wann wir das letzte Mal einen solchen Kader hatten.“ Einen solch qualitativ hochwertig besetzten.

80 Millionen futsch

Die sportliche Leistungsfähigkeit hat einen ziemlich hohen Preis, das verdeutlichen die Zahlen, die der Finanzfachmann am Dienstag vorstellte. Demnach hat die Eintracht zwar auf vielen Feldern deutlich zugelegt, doch auch jetzt wieder einen Verlust von fast 32 Millionen Euro eingefahren. Summiert man das zu den Miesen aus den beiden Vorjahren (36 Millionen und neun Millionen), so wird schnell deutlich: Corona mit all den Auswirkungen hat fast 80 Millionen Euro zunichte gemacht. Unwiederbringlich.

Zudem: In zwei wichtigen Segmenten ist eine erhebliche Schieflage zu verzeichnen. Zum einen ist das Eigenkapital auf ein fast schon dramatisch niedriges Niveau geschrumpft, von 39 Millionen in der Saison 2020/21 auf 5,9 Millionen in der abgelaufenen. „Das Eigenkapital ist sehr gering, es ist stark abgeschmolzen“, sagt Frankenbach. Die Schulden sind dafür gestiegen, von 46,3 Millionen auf 62,9 Millionen – davon sind allerdings mehr als die Hälfte langfristiger Natur durch den Neubau des Proficamps. „Wir haben uns in der Pandemie verschuldet, um die Liquiditätssituation stabil zu halten“, führt er aus. Und um sportlich mithalten zu können.

Der Betriebswirt glaubt nicht, dass das Thema Corona schon ad acta gelegt ist, doch der Verein werde alles daran setzen, um das Pendel wieder in die richtige Richtung ausschlagen zu lassen. Durch die Einnahmen in der Champions League „werden wir versuchen, die Verschuldung zurückzuführen“, betont er. In der Königsklasse seien die Erlösmöglichkeiten ungleich höher als in den anderen europäischen Wettbewerben. Allein 30 Millionen Euro gebe es fix durch die TV-Vermarktung. „Dazu müsste man in der Europa League schon das Halbfinale erreichen.“

Zudem wird der Klub eine erneute Kapitalmaßnahme auflegen, um das Eigenkapital zu stärken. Noch in diesem Jahr sei mit einem entsprechenden Finanzierungsmodell zu rechnen. Wie wichtig frisches Geld ist, legte der erfahrenen Funktionär dar. Nur durch die Eigenkapitalmaßnahme im April 2021, einer Zufuhr von knapp 22 Millionen, habe die Eintracht wettbewerbsfähig bleiben, einen solchen Kader aufstellen und finanzieren können. „Auch dadurch konnten wir Europa-League-Sieger werden“, befindet Frankenbach. 2018 habe eine ähnliche Finanzspritze den Pokalsieg gebracht. „Wir haben der Fußball-AG in den letzten vier Jahren 40 Millionen Euro zugeführt, ohne dass es zu eine Verwässerung des Vereins gekommen ist. Aber wir haben dadurch in vier Jahren zwei Titel geholt. Das ist bemerkenswert.“ Was Frankenbach auch meint: Der Mutterverein hält nach wie vor 67,89 Prozent der Anteile an der Fußball AG und bleibt damit Mehrheitsgesellschafter.

Europa kostet auch Geld

In vielen Sparten nähert sich die Eintracht den Vor-Pandemie-Zeiten an. Der Umsatz ist von 160,4 Millionen Euro auf 248,4 Millionen gestiegen, liegt aber hinter dem Rekordjahr 2019/2020 zurück (278,1 Millionen Euro) – damals aber noch weitgehend ohne Corona-Einschnitte. Die haben auch jetzt eine deutlich bessere Bilanz verhagelt, 17 von 23 Heimspielen konnten nur mit eingeschränkter Kapazität stattfinden. Das kostete Millionen. Dafür hat der Europa-League-Triumph die Eintracht nach vorne katapultiert: Einnahmen für Merchandising (17,6 Millionen), Publikum (31,2), Marketing (38,2) sind deutlich gestiegen, auch bei den Medienrechten hat die Eintracht zugelegt, nach 80,8 Millionen Euro im Vorjahr waren es nun 106,2 Millionen – davon entfielen allein 36,8 Millionen auf internationales TV-Geld. Auch auf dem Transfermarkt lief es ganz gut, 37,8 Millionen flossen für ihre Spieler, den Löwenanteil brachte André Silva (25 Millionen).

Oliver Frankenbach ist der Überzeugung, dass die Eintracht auch finanziell wieder auf dem Vormarsch ist, strebt einen Umsatz von mehr als 250 Millionen Euro und ein Vordringen in die „leichte Gewinnzone“ an. Die einfach Gleichung: „Steigende Umsätze, aber niedrigere Ausgaben.“ Denn was kaum jemand sieht: „Der Europa-League-Sieg hat auch viel Geld gekostet.“ 20 Prozent von den Einnahmen gingen allein für Erfolgsprämien drauf. Die Eintracht, resümiert der Vorstand, sei durch Corona schwer gebeutelt, mehr als andere. „Aber wir werden jetzt auch wieder überproportional wachsen und ein Profiteur der Zukunft sein.“

Auch interessant

Kommentare