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„Fifty-fifty“

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Von: Jan Christian Müller

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Daichi Kamada (re.) ist vor Stefan Bell zuerst am Ball. Foto: dpa
Daichi Kamada (re.) ist vor Stefan Bell zuerst am Ball. © dpa

Der Mainzer Trainer Bo Svensson äußert sich nach dem 2:2-Sommerkick zu den Chancen von Eintracht Frankfurt gegen Glasgow Rangers.

Zur Seriosität, die sich der angelsächsische Journalismus nach wie vor auferlegt, gehört es, dass die Reporter aus ihren Redaktionen von der britischen Insel losgeschickt werden, um sich vor Ort einen Eindruck zu verschaffen und somit ihre Texte nicht nur aus dem Büro oder Homeoffice im Internet oder am Telefon recherchieren. So kam es, dass anlässlich des sportlich belanglosen 2:2 zwischen Mainz 05 und Eintracht Frankfurt fünf Medienvertreter aus Schottland und England zur Gegnerbeobachtung der Glasgow Rangers im Vorfeld des Europa League-Finales am Mittwochabend vor Ort waren.

Und so kam es außerdem, dass der Mainzer Coach Bo Svensson seine mehr als leidlichen Englischkenntnisse präsentieren konnte. Der Däne wurde im astreinen schottischen Akzent gefragt (und verstand die Frage sofort), wie er die Chancen in Sevilla zwischen der Frankfurter Eintracht und den Rangers verteilt sieht. Da vermied es Svensson, wohl auch mit Rücksicht auf den langen Anfahrtsweg des Fragestellers, eine klassische Trainerantwort zu geben und darauf zu verweisen, dass er nur über seine Mannschaft rede.

Stattdessen führte er aus, dass er ein ganz enges Finale erwartet, es hätten sich zwei Teams durchgesetzt, die man am Anfang sicher nicht im Endspiel erwartet hätte, und tja, er schätze die Chancen tatsächlich auf „fifty-fifty“. Und er könne versprechen: „I´m gonna watch it.“ Er wird sich die Partie also anschauen.

Das gerechte Unentschieden in einem lebhaften Frankfurter Vorbereitungsspiel mit einigen spätsaisonalen Nachlässigkeiten bedeutet, dass die Eintracht in der Bundesliga-Abschlusstabelle drei Plätze und vier Punkte hinter den Nullfünfern rangiert. Ein Ergebnis, mit dem man bei Mainz 05 derart zufrieden ist, dass Sportdirektor Martin Schmidt großzügig eine Note zwischen eins minus und zwei plus für das gesamte Spieljahr verteilte. Dass die Rheinhessen individuell besser besetzte Teams wie die Eintracht, Hoffenheim, Wolfsburg und Mönchengladbach hinter sich lassen konnten, ist gewiss keine Selbstverständlichkeit.

Zum Saisonabschluss mit Toren von Marcus Ingvartsen (2) sowie Tuta und Rafael Borré wurde auf beiden Seiten gefeiert: Die Eintracht-Fans taten das mit dem Blick nach vorn auf Mittwoch, die der Mainzer im Blick zurück auf eine Saison, die ja auch von zwei schweren Corona-Ausbrüchen bei den Rheinhessen geprägt war und das Endresultat umso respektabler erscheinen lässt, und auf die Verabschiedung des treuen Rechtsverteidigers Daniel Brosinski nach acht und des technisch hochbegabten Mittelfeldspielers Jean Paul Boetius nach vier Jahren. Es flossen reichlich Tränen, es gab von Wehmut erstickte Stimmen.

Und hinterher, bei der After-Season-Party mit Livemusik hinter der Haupttribüne der zuvor nicht ganz ausverkauften Mainzer Arena, sah man reichlich Frankfurter und Mainzer Fans in freundschaftlicher Atmosphäre. Geht doch!

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