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Geballte Freude, die raus muss: Andre Pierre Cignac (r.) und Carlos Salcedo von Tigres UANL.
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Geballte Freude, die raus muss: Andre Pierre Cignac (r.) und Carlos Salcedo von Tigres UANL.

Ex-Frankfurter gegen Bayern

Carlos Salcedo: Der Feuerkopf

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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Erstmals steht im Klub-WM-Finale ein Vertreter Mittelamerikas: Tigres UANL kann sich dank Carlos Salcedo und André-Pierre Gignac Chancen ausrechnen.

Ehe sich Carlos Salcedo im Frühsommer 2018 mit der mexikanischen Nationalmannschaft zum Turnier in Russland aufgemacht hat, hat er noch schnell eine Wette mit seinem damaligen Trainer Niko Kovac geschlossen. Es ging um ein Abendessen, und der Verteidiger hatte kühn auf einen mexikanischen Sieg im Eröffnungsspiel gegen den bald schon entthronten Weltmeister Deutschland gesetzt. Auf Kerzenlicht und leise säuselnde Musik hat Carlos Salcedo, 27, beim Dinner seinerzeit verzichtet, er ist eher so der Mann fürs Grobe, sein Spitzname: „El Titan“.

Der Mann, der jetzt mit Tigres UANL aus Monterrey in Katar im Klub-WM-Finale steht, weiß darüber hinaus, wie man die Bayern schlägt. Vor seiner Abreise nach Moskau hat er mit Eintracht Frankfurt (2017 bis 2019, 26 Spiele) noch schnell den DFB-Pokal gewonnen, 3:1 im Finale, Kimmich, Süle, Alaba, Müller, Lewandowsky, Coman und Tolisso, die am Donnerstagabend (19 Uhr/Dazn) auf dem Rasen stehen, werden sich dunkel erinnern. Auch an ihm, den feurigen Abwehrmann mit mittlerweile rot gefärbten Haaren, prallten die wütenden Angriffe der Bajuwaren seinerzeit ab. Der Stopper mit den vielen Tattoos ist ein unverwüstlicher Brocken, ein Manifest an Härte, ein Bollwerk an Widerstandskraft.

Salcedo wirkt immer noch so, als habe er schon vieles durchgestanden im wilden Fluss, der sein Leben ist: zweifacher Familienvater, biestiger Unterhaltsstreit mit der Ex-Partnerin, Zerwürfnis mit seinem Vater, die eine oder andere rauschende Partynacht zu viel. Doch Salcedo, seit 2019 wieder bei seinem Jugendverein in San Nicolas de los Garza bei Monterrey, der Gemeinde mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen Mexikos, zu dem er einst mit 13 Jahren kam, steckte das alles weg. Er ist einer, der auf dem Platz keine Gefangenen macht, eisenhart, kompromisslos, unerbittlich, ein Titan halt. Und kicken kann er noch dazu. Selbst wenn ihm nach der Jugend der Sprung in die erste Mannschaft von Tigres nicht direkt gelungen war.

Salcedo, in Guadalajara groß geworden, wechselte deshalb in den Norden, ins Land der begrenzten Unmöglichkeiten und spielte bei Real Salt Lake in den USA. Zwei Jahre später kehrte er zurück, war beim Renommierklub Chivas am Ball, wurde nach Florenz ausgeliehen und ging 2017 für fünf Millionen Euro Ablöse zur Eintracht, die ihn später für die doppelte Summe zurück in die Heimat verkaufte. Ein gutes Geschäft. „Ich mag die deutsche Mentalität“, sagte er mal der FR.

Nun steht er mit UANL, für die früher auch mal der Ex-Bayernprofi Emil Kostadinow, der Ex-Bremer Ailton oder der Uruquayer Francisco Fonseca gespielt haben, im Finale von Ar-Rayyan unweit von Doha. Und das ziemlich überraschend. Ohnehin ist es das erste Mal in der Geschichte dieses Klubwettbewerbes, dass eine mexikanische Mannschaft in diesem Endspiel steht, es ist sogar das erste Mal, dass ein Vertreter des Kontinentalverbands Concaf (Mittelamerika und Karibik) im Finale dabei ist, in aller Regel machen das der europäische und der südamerikanische Vertreter unter sich aus. Noch dazu die „Tiger“, die ja selbst in dem mittelamerikanischen Land nicht die erste Adresse darstellen. In Mexiko stehen die Tigres de la Universidad Autonoma de Nuevo Leon (daher UANL) traditionell im Schatten des Rekordmeisters America oder des Stadtrivalen CF Monterrey.

Gesponsert wird der seit 2010 vom Brasilianer Ricardo „Tuca“ Ferretti trainierte Klub aus dem Nordosten Mexikos von „Cemex“, dem zweitgrößten Baustoffhersteller der Welt, Finanzmittel sind also vorhanden. Auch in Mexiko verdienen die Profis gutes Geld.

Das war sicherlich auch ein Grund, warum vor knapp sechs Jahren der französischen Nationalspieler André-Pierre Gignac nach Tigres wechselte. Immerhin spielte der damals 30-Jährige bei Olympique Marseille, davor beim FC Toulouse. Und um Haaresbreite wäre er im Pariser EM-Finale von 2016 zum Helden geworden, doch sein Schuss kurz vor Schluss prallte an den Pfosten, so dass Portugal den Titel gewann. Mit drei Treffern, davon zwei Elfmeter, gegen Palmeiras Sao Paulo (1:0) und Ulsan Hyundai aus Südkorea (2:1) hat Gignac, der mittlerweile die mexikanische Staatsbürgerschaft angenommen hat, den siebenmaligen Meister fast im Alleingang ins Finale geschossen. Schon die Qualifikation für Katar besorgte der Rekordtorschütze (147 Treffer in 246 Spielen) mit seinem Siegtor zum 2:1 gegen den FC Los Angeles höchstpersönlich.

In Frankreich dagegen hatte es der mittlerweile 35-Jährige nicht immer einfach. Wegen seiner zwischenzeitlichen Gewichtsprobleme wurde er immer wieder von den gegnerischen Fans verhöhnt. „Un Big Mac pour Gignac“ („Ein Big Mac für Gignac“) schallte es zuweilen von den Tribünen.

Sein damaliger Trainer in Marseille, Didier Deschamps, schickte ihn einmal gar zum Abspecken in ein Camp nach Italien. Auch jetzt hat der Stürmer, der gemeinsam mit dem jungen, talentierten Carlos Gonzalez im Angriff spielt, auch schon wieder 17 Treffer in 23 Spielen erzielt. Die Bayern dürften gewarnt sein. So oder so.

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