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Niedergeschlagen: Eintracht-Verteidiger Carlos Zambrano.
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Niedergeschlagen: Eintracht-Verteidiger Carlos Zambrano.

Eintracht Frankfurt

Feuer unterm Dach

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
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Die 1:2-Niederlage bei Mainz 05 setzt Eintracht Frankfurt vor dem brisanten Hessenderby gegen Aufsteiger SV Darmstadt 98 richtig unter Druck.

Nach der erfolglosen Aufholjagd in Mainz hat sich der Vorstand Axel Hellmann nicht gleich in sein Auto gesetzt, um tief enttäuscht nach Hause zu fahren. Stattdessen ist er in die Katakomben des Stadions gestiefelt. Hellmann hatte „Kopfschmerzen“. Nicht allein wegen dieser 1:2 (0:2)-Niederlage gegen den alten Rivalen Mainz 05, in Mainz tut sich Eintracht Frankfurt traditionellerweise sehr schwer. Nein, Kopfschmerzen bereitete Hellmann der Stimmungsboykott der beinharten Fans. Die hatten nämlich mit Beginn der zweiten Halbzeit ihre ansonsten lautstarke Unterstützung aus lauter Frust über die Leistung in den ersten 45 Minuten weitgehend eingestellt. „Das ist Eintracht-untypisch“, urteilte Vorstand Hellmann.

Hellmann kann den stillen Protest tatsächlich teilweise verstehen, bei lediglich einem Sieg aus den letzten zehn Spielen ist die Grundstimmung unter den Anhängern eher mies. Was ihm aber bitter aufstieß, war der Zeitpunkt der Demonstration. Zum einen hätte die Mannschaft just in ihrer Drangperiode nach dem sehenswerten Anschlusstreffer von Haris Seferovic (61.) gerade die Unterstützung von den Rängen benötigt, „um wieder Wind in die Segel zu bekommen“. Das hätte die Mannschaft beflügelt, der zumindest in der zweiten Hälfte in puncto Einstellung, Kampfgeist und Moral, noch dazu in Unterzahl, kein Vorwurf zu machen war.

Zum anderen wollte Hellmann seine Ausführungen aber vornehmlich als Appell verstanden wissen. „Wir haben eines von zwei wichtigen Spielen verloren, das setzt uns unter Druck.“ Das Aufeinandertreffen am kommenden Sonntag gegen den SV Darmstadt 98, das Trainer Armin Veh unmittelbar nach dem Schlusspfiff gleich mal als „Hammerspiel“ bezeichnete, wirft seine Schatten voraus. Für dieses Spiel, nun wahrlich kein normales, müsse man alle Kräfte bündeln. „Der Block muss stehen wie eine Wand“, forderte Hellmann. Einen kleinen Vorgeschmack auf die Brisanz dieses Hessenderbys bekamen die Profis am Samstag beim Gang in die Fankurve, wo ihnen die Ewigtreuen eindringlich vermittelten, die Darmstädter doch, bitteschön, am Sonntag zu schlagen, vielleicht auch in etwas derberen Worten. Die Partie gegen die „Lilien“ ist für viele Fans nämlich das wichtigste Spiel der Saison.

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Durch die Niederlage in Mainz hat das Heimspiel natürlich weiter an Brisanz gewonnen. Der Abwärtstrend der Eintracht, nur kurz unterbrochen von drei ungeschlagenen Spielen am Stück, hält an, sieben Punkte aus den letzten zehn Spielen (bei einem Sieg) ist eine mehr als dürftige Bilanz. Die Eintracht gehört derzeit, neben Augsburg, Bremen und Hoffenheim, zu den schlechtesten Teams der Liga. „Ich würde die Lage noch nicht prekär nennen“, sagte Hellmann, rosig ist sie aber auch nicht. Alexander Meier hält sie, gewohnt knochentrocken, allerdings schon „für gefährlich, da braucht man nur auf die Tabelle zu gucken.“

Gelbe Karte vergessen

Meier hat seiner Mannschaft in Mainz einen Bärendienst erwiesen: Nach 40 Minuten schon musste der Mittelfeldspieler mit Gelb-Rot vom Platz, erst sah er nach einem harmlosen Rempler gegen Danny Latza die Gelbe Karte, dann nach einem dummen Foul gegen Jairo Sampeiro die Ampelkarten. „Ich habe nicht mehr dran gedacht, dass ich schon eine Gelbe Karte habe“, sagte Meier hinterher, die zweite, räumte er ein, gehe in Ordnung.

Nun ist Meier in seiner langen Karriere bei Eintracht Frankfurt nicht gerade als böser Bub aufgefallen. Vor vielen Jahren hat er in einem Uefa-Cupspiel bei Celta Vigo eine Ampelkarte gesehen, dann noch einmal eine in der zweiten Liga gegen Fortuna Düsseldorf, 2011. Das war es auch schon in zwölf Jahren Eintracht Frankfurt. „Alex weiß, dass er Mist gebaut hat, 60, 70 oder 80 Meter vor dem eigenen Tor zu foulen“, sagte Armin Veh. Das war ein Genickschlag, denn zwei Minuten nach der Herausstellung besorgte Yunus Malli das 2:0 (42.) für die Mainzer. „Die Chronologie des Spiels lief gegen uns“, sagte später der Frankfurter Trainer. „Das ist normalerweise tödlich, da ist der Käse gegessen.“ 0:2 zur Pause und einen Mann weniger auf dem Feld: Es gibt bessere Voraussetzungen, um eine erfolgreiche Aufholjagd zu starten.

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Tatsächlich hatte die Eintracht mal wieder nicht richtig in die Partie gefunden. „Wir gehen so scheiße ins Spiel“, schimpfte Slobodan Medojevic hinterher, „dann verliert man auch gegen Zweit- oder Drittligisten“. Haris Seferovic sprach gar davon, dass man „die ersten 20 Minuten geschlafen“ habe. Die Eintracht bekam anfangs keinen richtigen Zugriff, sie lief immer wieder hinter den Mainzern her, kam zu spät oder gar nicht in die Zweikämpfe. Das Problem der Frankfurter war aber auch, dass sie nach dem Ausfall von Marc Stendera, der sich im Training einen Muskelfaserriss im Adduktorenbereich zugezogen hatte, keinen in ihren Reihen hatte, der das Spiel nach vorne hätte aufbauen können. Es war schlicht keiner da, der eine Idee gehabt hätte, der einen schlauen Pass hätte schlagen können. So blieb vieles Stückwerk. Das frühe 0:1 durch Yoshinori Muto (5.) hatte das taktische Konzept von Veh durchkreuzt, die Mainzer kommen zu lassen. Das mussten sie nach der Führung ja nicht mehr. Vielmehr war die Eintracht gezwungen, das Spiel zu machen, und das konnte sie nicht.

Kurioserweise kam die Eintracht nach dem Halbzeitpfiff (und zwei vertanen Großchancen der Mainzer) viel besser ins Spiel. Die Frankfurter versuchten vieles, doch die klare Linie fehlte. „Es fehlte auch der direkte Zug zum Tor. Es gab auch wenig ganz klare Möglichkeiten“, sagte Medojevic, erklären konnte er es aber auch nicht. Auch Veh fand, dass man in der zweiten Halbzeit die Überzahl des Gegners nicht mehr gemerkt habe. „Da waren wir mehr als gleichwertig.“ Kämpferisch und vom Wollen gab es wenig zu mäkeln, die Eintracht bestimmte das Spiel in Unterzahl.

Nun liegt der Fokus auf Darmstadt 98. Eine weitere Niederlage, und es wäre gewaltig Feuer unterm Dach im Stadtwald. Noch mehr als jetzt schon.

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