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Marco Russ wird die Mannschaft heute als Kapitän anführen.

Marco Russ

"Feeling wie auf dem Bolzplatz"

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Der Innenverteidiger der Frankfurter Eintracht , Marco Russ, spricht über ganz besondere Momente in der Europa League.

In Frankfurt gilt Marco Russ als Mister Europacup, dabei hat der 33 Jahre alte Verteidiger „erst“ zehn internationale Auftritte vorzuweisen. Damit liegt er hinter Kevin Trapp, Gelson Fernandes und Jonathan de Guzman, der auf insgesamt 37 Europapokaleinsätze kommt. Russ spielt in den Planungen von Trainer Adi Hütter eine große Rolle. „Er hat gegen Hannover gezeigt, dass er der Mannschaft mit viel Klasse und Erfahrung helfen kann“, sagte der Coach. Vor der Heimpremiere in der Europa League gegen Lazio Rom sprach der belobigte Marco Russ über...

... seinen Spitznamen: Mister Europacup? Das halt ich für zu hoch gegriffen. Johnny hat mehr Spiele auf dem Buckel, Gelson ist auch weit vorne mit dabei. Aber klar ist es die Aufgabe der älteren Spieler, die Jungen so ein bisschen an die Hand zu nehmen und ihnen zu sagen, dass sie alles aufsaugen und genießen sollen. Das Drumherum sind sie ja nicht gewöhnt. 

... die Bedeutung der internationalen Partien: Für uns alle sind das Highlights. Wir haben ja auch viele Spieler, die keine internationale Erfahrung haben oder sich auf dieser Bühne noch nicht präsentieren konnten. Wir werden das Spiel voll genießen, und mit den Fans im Rücken haben wir die Chance, gegen diesen großen Gegner etwas hier zu behalten. 

... die Eintracht-Anhänger, die wieder eine große Choreographie planen und die Europapokalspiele zu besonderen Glanzlichtern machen: In der letzten Europa-League-Saison gab es zu Hause bei jedem Spiel eine Choreo, auch auswärts mal. Wenn du aus dem Spielertunnel kommst und das siehst, dann ist das etwas ganz Besonderes. Allein am Mittwoch waren die Fans ja schon den halben Tag mit dem Aufbau beschäftigt, das bekommen wir natürlich mit. Und diese Bilder, als etwa 12 000 Frankfurter in Bordeaux waren, alle in orange, die vergisst man nicht. Gerade vor den Europapokalspielen stößt man immer wieder auf diese Bilder, egal ob online oder sonstwo. Und dann kommt alles wieder hoch. Das sind Sachen und Bilder, die sich fürs Leben einprägen, die vergisst man einfach nicht. 

... den Gegensatz zum Geisterspiel in Frankreich, als alle Fans ausgesperrt waren: In Marseille war das Feeling wie auf dem Bolzplatz. Das gehört nicht zum Fußball dazu. Zum Fußball gehören Zuschauer, und gerade unsere Fans pushen uns zu Hause ja bis zum Umfallen. 

... seinen Status in Frankfurt und dass er nach dem Ausfall von David Abraham mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit die Kapitänsbinde tragen wird: Ich habe die Mannschaft auch vor fünf Jahren gegen Nikosia schon als Kapitän aufs Feld geführt, auch in der Bundesliga   das eine oder andere Mal. Ich werde das also, wenn es so kommen sollte, ganz professionell angehen. Nichtsdestotrotz ist es eine Ehre für mich, die Mannschaft als Kapitän anzuführen. Aber ich werde das Spiel genießen, egal ob als Kapitän, als Spieler ohne Binde oder auch, wenn ich nur auf der Bank sitzen sollte. Nach meiner Krankheit (bei Marco Russ wurde im Mai 2016 eine Krebserkrankung diagnostiziert; Anm. d. Red.) ist viel passiert, es sind viele tolle Erlebnisse dazugekommen, zweimal hintereinander im Pokalfinale gewesen zu sein etwa. Und auch die Europapokalspiele jetzt sind, wie gesagt, Highlights für uns alle. 

Aufgezeichnet: Ingo Durstewitz

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