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Fredi, der Baumeister: Eintracht-Sportchef Bobic ist zufrieden mit dem Januar-Geschäft.
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Fredi, der Baumeister: Eintracht-Sportchef Bobic ist zufrieden mit dem Januar-Geschäft.

Bundesliga

Der Transfermarkt steht fast still

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Die Einbrüche zeigen deutlich die Auswirkungen der Pandemie, denn außer Leihgeschäften geht fast nichts.

Martin Schmidt hat in seinem Leben schon Kühe und Schafe in den Schweizer Bergen gehütet, Autos für die Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft zusammengeschraubt oder ein Modeunternehmen gegründet. Wer sein berufliches Wirken so vielfältig gestaltet, der hat mit dem Rollentausch vom Trainer über den Fernsehexperten zum Sportdirektor kein Problem. Zumal es letztlich um dieselbe Fragestellung geht: die Bewertung von Fußballern. „Jeden Tag werden X Spieler angeboten“, erzählt der neue Sportchef des FSV Mainz 05. „Nach mehr als einem Monat ist man tief drin in der Arbeit als Sportchef – und das macht auch viel Spaß.“ Doch selten waren Veränderungen so schwierig wie in dieser Wintertransferperiode. Mit der Corona-Krise sind selbst jenen Bundesligisten Daumenschrauben angelegt, die fußballerische oder zwischenmenschliche Mängel ihrer Kader gerne korrigiert hätten.

Selbst am letzten Tag passierte recht wenig, wie Fredi Bobic, Sportvorstand von Eintracht Frankfurt, bei Sky Sport News HD feststellte: „Es ist sehr wenig Geld im Umlauf, das spürt man. Es gibt viele Leihgeschäfte, gefühlt auch Tauschgeschäfte. Jeder ist vorsichtig, schaut genau drauf.“ Die Pandemie hat tiefe Furchen gezogen. Vom langweiligsten Deadline Day, „den ich je erlebt habe“, sprach Trainer Florian Kohfeldt von Werder Bremen, der abermals für Stürmer Milot Rashica keine passende Offerte empfing. Wenn schon für Perspektivprofis keine passenden Angebote eingehen, fehlen sie für Ladenhüter vollends.

Bis kurz vor Transferschluss hatte die Bundesliga gerade mal knapp über acht Millionen Euro eingenommen und keine 50 Millionen ausgegeben, davon jene 20 Millionen, die sich RB Leipzig den talentierten Ungar Dominik Szoboszlai vom Schwesterverein aus Salzburg kosten ließ. Im Vorjahr wechselte Erling Haaland für diesen Betrag zu Borussia Dortmund, damals investierte die Bundesliga insgesamt rund 197 Millionen. Jetzt gab BVB-Sportchef Michael Zorc zu, dass es nicht möglich sei, nachzujustieren: „Es ist kein Wunschkonzert, Weihnachten ist vorbei.“

Leihen als letztes Mittel

Selbst bei Hertha BSC, das sich vor einem Jahr noch neue Spieler für 77 Millionen leistete, sitzt das Geld nicht mehr so locker. Ob Weltmeister Sami Khedira wirklich als Soforthilfe taugt, muss sich zeigen. Auch die Rückholaktion von Altstar Klaas-Jan Huntelaar zum FC Schalke 04 wirkt wie ein Eingeständnis fehlender Möglichkeiten. Zu viel ist in (finanzielle) Schieflage geraten.

DFL-Chef Christian Seifert bezifferte die Einbußen auf dem Transfermarkt auf 250, 350 Millionen Euro. Völlig utopisch, dass die Bundesliga noch einmal auf 675 Millionen an Transfereinnahmen aus der Saison 2018/2019 kommt. Leihgeschäfte sind das letzte probate Mittel. „Es hätte ja keinen Sinn, dass wir einen jungen Spieler holen, der Potenzial hat, aber noch ein halbes Jahr braucht“, erklärt Schmidt. „Für Direkthilfe braucht es Qualität. Tendenziell sind solche Spieler bei einem größeren Verein und vielleicht dort nur Backup.“ So gelang es, Danny da Costa und Dominik Kohr aus Frankfurt auszuleihen.

Die Hessen haben mit diesen Leihgeschäften, mit dem Abgang von David Abraham und dem Verkauf von Mittelstürmer Bas Dost, der an Heiligabend für vier Millionen Euro zum FC Brügge transferiert wurde, ihren Gehaltsetat um fast fünf Millionen entlastet. Bobic sprach am Montag von einem „überragenden Corona-Januar“, die Frankfurter gelten als Transferkönige des Winters. Das Paket für den leihweise zurückgekehrten Luka Jovic soll bei weniger als 1,5 Millionen Euro liegen: „Wir haben zum richtigen Zeitpunkt mit dem Spieler und Real Madrid eine Konstellation gefunden.“

Ob der in Frankfurt so wundersam treffsichere Serbe über die Rückrunde hinaus bleiben kann, stehe aber in den Sternen: „In den schwierigen Zeiten kann man für den Sommer wenig planen.“ Das ist seine größte Befürchtung: Dass die Blockade sich bis in den Sommer zieht.

Deshalb würde sich der Frankfurter Baumeister im Frühjahr „Licht am Ende des Tunnels“ wünschen. „Ich hoffe, dass wir am Ende der Saison, die letzten zwei, drei Spieltage, einen Teil an Zuschauern zulassen können. Müssten wir noch mal eine solche Saison spielen, weiß ich nicht wie das funktionieren soll. Puh. Dann werden einige in die Knie gehen.“

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