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Frankfurts Sturmtalent Fabio Blanco
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Fabio Blanco verlässt Eintracht Frankfurt.

Zwei Verlierer

Eintracht Frankfurt: Sturmtalent Fabio Blanco wechselt zum FC Barcelona

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt und das Missverständnis Fabio Blanco – ein Beispiel, wie ein Talent aus der Bahn geworfen wird. Der Wechsel zum FC Barcelona steht nun fest.

Update vom Samstag, 08.01.2022, 13.30 Uhr: Nun ist es auch offiziell. Was sich schon zu Beginn der Woche angedeutet hatte (siehe Erstmeldung), ist jetzt endgültig spruchreif: Eintracht Frankfurt und Sturmtalent Fabio Blanco gehen ab sofort getrennte Wege.

Der 17 Jahre alte Spanier wechselt zum spanischen Spitzenclub FC Barcelona, wie die Hessen am heutigen Samstag mitteilten. Zu den Details des Transfers machte die Eintracht keine Angaben. Blanco war erst im vergangenen Sommer aus Valencia gekommen und hatte in Frankfurt einen Vertrag bis Juni 2023 unterschrieben.

Eintracht Frankfurt: Fabio Blanco zwischen den Mühlsteinen

Erstmeldung vom Montag, 03.01.2022: Frankfurt – Angenommen, Eintracht Frankfurt hätte im Frühsommer einen talentierten Jungmann aus Spanien unter Vertrag genommen, gerade 17 geworden, hätte ihm die Möglichkeit eröffnet, mit der Bundesligamannschaft zu trainieren und im höchsten Jugendteam zu spielen. Angenommen, das Projekt hätte sich nicht so entwickelt wie erhofft, beide Seiten wären nicht zufrieden und man hätte entschieden, dass der Spieler ein paar Monate später wieder in die Heimat zurückkehrt. Nun ja, dann hätte die breite Öffentlichkeit vermutlich gar keinen Wind davon bekommen oder nur am Rande, der Abgang wäre nicht mal kommuniziert worden. Der Bursche wäre gegangen, und tschüss, aus den Augen, aus dem Sinn.

Bei Fabio Blanco Gomez ist das etwas anderes, denn Fabio Blanco Gomez ist in Frankfurt im Mai 2021 fast wie der junge Messi empfangen worden. Ein Heilsbringer mit wallender Lockenpracht. The next big thing, ein neuer Stern am Firmament.

Eintracht Frankfurt: Pädagogisch nicht wertvoll

„Er war von einigen Topvereinen Europas stark umworben, seine technischen Fertigkeiten sind außergewöhnlich, seine Art Fußball zu spielen und Situationen zu antizipieren herausragend.“ So ließ sich sein Entdecker zitieren, Ben Manga, der Direktor Profifußball, der aber im Grunde seines Herzens Chefscout geblieben ist. Selbst Vorstandssprecher Axel Hellmann sah sich bemüßigt, den aus Valencia losgeeisten Akteur mit salbungsvollen Worten willkommen zu heißen. „Die Verpflichtung von Fabio Blanco Gómez zeigt den gewachsenen Stellenwert von Eintracht Frankfurt.“ Heute, ein halbes Jahr später, ist der Offensivspieler längst zu einem Politikum geworden, ein großes Missverständnis sowieso. Es ist alles so gekommen, wie es nicht geplant war. Für beiden Seiten.

Der Rechtsaußen, am 18. Februar 18 Jahre alt, wird Deutschland nach wenigen Monaten schon wieder verlassen, voraussichtlich wird er sich dem großen FC Barcelona anschließen, wo er in der zweiten Mannschaft reifen soll. Aus Frankfurt scheidet er im Unfrieden.

Für die Eintracht bleibt mehr als eine halbe Million Euro hängen, aber um Geld geht es hier nicht wirklich. Fabio Blanco ist ein gutes Beispiel dafür, wie ein junger Kerl, den alle als freundlich, aufgeschlossen und lernwillig bezeichnen, zwischen die Mühlsteine geraten und im gnadenlosen Millionenspiel quasi zermürbt und zerrieben werden kann; es ist ein Spiel mit Träumen, Verlockungen, Versprechungen und Klüngelei – auf dem Rücken eines nicht mal Volljährigen. Es ist die Tücke der Erwartungen.

Eintracht Frankfurt: Oliver Glasner hält Blanco zurzeit für nicht tauglich

Im höchst komplexen „Fall Blanco“ sind die harten Fakten so, dass Profitrainer Oliver Glasner den begabten, aber unfertigen Spieler zurzeit für nicht tauglich hält, um im deutschen Profifußball mitzuhalten. Diese Einschätzung hat der 47-Jährige beileibe nicht exklusiv, aus der Mannschaft, von ständigen Beobachtern, am Riederwald – überall ist Ähnliches zu hören: veranlagter Spieler mit Potenzial, aber noch weit weg von Erwachsenenfußball auf diesem Niveau. In diesem Alter auch keine große Überraschung. Es ist übrigens ein Urteil, das dem Chefcoach nicht nur zusteht, sondern eines, das er seiner Überzeugung nach auch so treffen muss – zumindest dann, wenn die Leistungsunterschiede zu den übrigen Spielern im Kader zu groß sind. Andernfalls würde er an Glaubwürdigkeit innerhalb der Mannschaft verlieren.

Und doch hätte es sicher andere Wege gegeben, Blanco ein bisschen mehr Aufmerksamkeit und Wertschätzung entgegenzubringen, ihn ein bisschen zu streicheln, so wie es junge Spieler manchmal brauchen. Dass er manchmal im Trainingsspiel nicht mittun, sondern Runden laufen musste, oder zeitweise gar nicht mehr für die Einheiten der Profis berücksichtigt wurde, zeigt nicht von großem pädagogischem Geschick im Umgang mit einem juvenilen Menschen. Blanco hat es als Demütigung empfunden. Aber so ist das harte Profigeschäft, in dem nur das Leistungsprinzip zählt, das Gesetz des Stärkeren.

Blanco: Krach mit Markus Krösche

Die Eintracht wiederum erhoffte sich von dem Spieler und seinem Anhang einfach mehr Geduld und Verständnis. Sportvorstand Markus Krösche ließ öffentlich keine Gelegenheit aus, den im andalusischen Almeria geborenen Rechtsfuß zu loben. Er habe sich schon gut entwickelt und verbessert und werde seinen Weg bei der Eintracht gehen. Aber eben nicht sofort, sondern auf Sicht gesehen. Vorher solle er sich Wettkampfpraxis in der A-Jugend holen, mehr geht ja nicht, eine zweite Mannschaft kann die Eintracht nicht anbieten.

Blanco, der es nicht einmal in den Profikader schaffte, ging das nicht schnell genug – vor allem seiner komplett nach Frankfurt mit umgezogenen Familie und seinen Beratern nicht, die einen klaren Karriereplan im Kopf haben, vom ersten Tag an Druck ausübten und das Unverständnis über die Situation ihres Schützlings zum Ausdruck brachten. Der erste Konflikt ploppte auf, als die Sportliche Leitung den Neuzugang nicht für den Europa-League-Kader nominierte, daraufhin erreichte der Zoff stets neue Eskalationsstufen. Zwischen den Agenten und Sportchef Krösche soll es nicht nur einmal gekracht haben, auch schriftliche Beschwerden gingen beim Vorstand ein.

Fabio Blanco war die Eintracht-Welt rosarot gemalt worden

Nicht mal unverständlich, weil sich der Spieler im Frühjahr gegen die tatsächlich vorhandenen Offerten einiger Spitzenvereine und für die Eintracht entschieden hatte. Aus gutem Grund: Ihm war die Eintracht-Welt rosarot gemalt worden, gerade Förderer Ben Manga zeigte der Familie und den Beratern Perspektiven auf, die verlockend klangen. In Frankfurt sollte er in Ruhe zu einem Topstar reifen können, dafür sei die Eintracht die genau richtige Adresse. Auch aus diesem Grund ist in den Vertrag des Fußballers eine Klausel eingearbeitet worden, wonach er nicht mit den Jugendmannschaften trainieren müsse – obwohl das altersgerecht wäre. Das Problem: Damals waren Trainer Glasner und Sportvorstand Krösche noch gar nicht da – und sie bewerten den Spieler, der selbst in den acht Spielen für die A-Jugend (zwei Tore, eine Vorlage) nicht herausragte, eben anders. Das gilt es zu akzeptieren.

Für Fabio Blanco, den auf den Boden geholten Überflieger, wird das vielleicht schlimmste halbe Jahr seiner jungen Karriere bald zu Ende gehen, die Eintracht ist eine stetige Unruhequelle los. Verloren haben dennoch beide. (Ingo Durstewitz)

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