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Europacup reicht nicht: Eintracht Frankfurt will noch besser werden

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Von: Ingo Durstewitz

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Trainer Oliver Glasner fürchtet keine gestiegenen Erwartungen und will die neue Frankfurter Gruppe schnell zu einer Einheit formen, die auf drei Hochzeiten tanzen kann.

Frankfurt – Die neue Saison eröffnete Oliver Glasner gleich mal mit einer Entschuldigung. Klar, er habe zwar mit Eintracht Frankfurt den Europa-League-Titel nach Frankfurt geholt, den ersten für den Verein seit 42 Jahren und den ersten für einen deutschen Klub nach einem Vierteljahrhundert, doch er habe es nicht geschafft, seine Mannschaft unter die Top Vier der Bundesliga zu bringen.

„Sorry dafür. Da bin ich wohl ein zu schlechter Trainer“, sagte der 47-Jährige grinsend. War nur Spaß, natürlich, denn der Österreicher weiß nur zu gut: „Wir haben Außergewöhnliches geleistet.“ Das habe schon eine ganze Weile gedauert, ehe er den Wirbel und den Hype verarbeitet habe. „Das brauchte ein bisschen Zeit, am Anfang war ich sehr aufgewühlt, habe schlecht geschlafen.“

Die Latte liegt hoch für die Eintracht

Die Latte liegt also hoch für Eintracht Frankfurt, die Ansprüche steigen. Der Coach kennt sich damit aus. „Die Erwartungshaltung war hier doch immer hoch.“ Er habe damit, wie er sagt, gar kein Problem. „Ich gehe damit locker um, denn niemand hat eine höhere Erwartungshaltung an die Mannschaft und an mich als ich selbst.“

Konkrete Ziele nannte der Trainer nicht explizit, aber klar ist, dass ein elfter Platz in der Bundesliga nicht akzeptabel ist. Die Eintracht wird versuchen, die internationalen Startplätze zu attackieren, aber dennoch in der Champions League die Gruppenphase zu überstehen. Glasners Motto, das er fast mantrahaft wiederholte: „Wir wollen besser werden.“

Werkelt an der neuen Eintracht: Trainer Oliver Glasner.
Werkelt an der neuen Eintracht: Trainer Oliver Glasner. © Imago

Eintracht Frankfurt: Ein Drittel des Kaders ist neu

Dazu wird die Mannschaft schnell zusammenwachsen müssen. Das ist gar nicht so leicht, momentan steht der Klub bei acht Zugängen. „Das ist ein Drittel des Kaders“, wirft der Fußballlehrer ein. „Wir müssen wieder eine funktionierende Gruppe herstellen.“ Schließlich sei der höchste Trumpf der abgelaufenen Spielzeit der „Teamspirit“ gewesen.

Glasner attestiert seinem Vorgesetzten Markus Krösche gute Arbeit. „Großes Kompliment an ihn, wie schnell er alles umgesetzt hat.“ Er, der Chefcoach, sei in die Planungen logischerweise involviert gewesen. „Ich habe mit Markus öfter gesprochen als mit meiner Frau“, scherzte er.

Glasner fand die Idee mit Götze dufte

Und irgendwann, ja irgendwann sei der Name Mario Götze gefallen. Eine Idee, die Glasner dufte fand. Zumal die Eintracht nach erfahrenen Kräften mit hoher Qualität fahndete. Er habe lange mit dem früheren Dortmunder telefoniert, ihm „offen und ehrlich“ erklärt, wie er hineinpassen könnte in die Eintracht-Systematik. „Er konnte sich für unser Projekt begeistern, er fand es cool“, erzählt der Trainer.

Für ihn ist wichtig, dass sich die Neuen identifizieren mit dem, was der Klub lebt und vorhat. „Sie müssen uns vermitteln, dass sie von unserem Projekt überzeugt sind, wir müssen das Feuer spüren, dass sie unseren Weg mitgehen wollen.“ Das habe Götze, wie die anderen Zugänge auch, getan. Und an ihm liege es nun, die Fähigkeiten gewinnbringend für die Mannschaft einzusetzen, denn man werde das Spiel gewiss nicht auf einen Spieler ausrichten. „Die Frage ist immer, wie können wir die Stärken in unser System integrieren.“

Talente sollen bei Eintracht Frankfurt eine Chance erhalten

Mario Götze wird logischerweise ein Fixpunkt im Eintracht-Spiel sein, das können nicht alle behaupten. Gerade die jungen Neuen werden ihre Zeit benötigen. „Sie haben sehr großes Potenzial“, berichtet Glasner. Aber ob und wie schnell sie den Sprung in die Bundesliga schaffen, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorhersagen. Doch der Verein haben ja keine andere Möglichkeit, als auch mal auf unfertige Talente zu setzen, die den letzten Schliff benötigen. „Wir können nicht warten, bis sie irgendwo einschlagen.“ Die Eintracht muss früher dran sein, was die Trefferquote nicht erhöht.

Einer wird zum Auftakt definitiv fehlen, Rechtsverteidiger Aurelio Buta, der ablösefrei aus Antwerpen kam, fällt bis September aus. „Bei ihm gab es Probleme bei einer Knie-OP“, sagt Glasner.

Es warten noch mehr Unwägbarkeiten auf den Coach. „Wenn wir so zusammenbleiben, müssen wir nix mehr machen. Dann wäre ich sehr zufrieden, wir hätten uns fantastisch verstärkt“, findet Glasner. Doch genau da schließen sich grundlegende Fragen an: Was, wenn nicht? Was wird aus Filip Kostic und was wird aus Evan Ndicka? Mit Kostic habe er regelmäßigen Kontakt gehabt, bedeutet der Fußballlehrer. Er gehe davon aus, dass der von Juve umworbene serbische Nationalspieler am 7. Juli, dem Tag, an dem auch Kevin Trapp wieder einsteigen soll, in Frankfurt auf dem Platz stehen wird. Doch generell sehe man erst am Ende der Transferperiode klarer. „Vorher weiß man nie, was passiert.“ Zwei lange Monate ist das Wechselfenster noch geöffnet. Eine halbe Ewigkeit.

„Kein konkretes Angebot für Eintracht Frankfurts Ndicka

Ähnliches gilt für Evan Ndicka, noch so ein Wechselkandidat. Der Franzose trainiert schon wieder mit dem Team, und ginge es nach Glasner, dürfte der bärenstarke Verteidiger sofort bis, sagen wir, 2032 verlängern. „Aber es geht nicht nur um die sportliche Sicht, es gibt auch um eine wirtschaftliche.“ Ndickas Vertrag läuft nur noch ein Jahr, da heißt es eigentlich: verlängern oder verkaufen. Zurzeit gebe es aber „kein konkretes Angebot“, und so lange er nichts anderes höre, „gehe ich davon aus, mit Evan in die Saison zu gehen.“ Andernfalls müsste die Eintracht noch mal auf dem Transfermarkt zuschlagen.

Denn in Martin Hinteregger ist schon ein Topverteidiger weg, der Österreicher beendete seine Profikarriere. „Das ist sehr schade, er hat den Eintracht-Weg als Spieler und Typ entscheidend mitgeprägt“, sagt Glasner, hob aber auch die wichtigere Komponente hervor: „Er wirkte auf mich befreit. Wenn es dem Menschen Martin Hinteregger besser geht, ist es die richtige Entscheidung.“ (Ingo Durstewitz)

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