Eintracht Frankfurt - Schachtjor Donezk

Massiver Fan-Ärger in Frankfurt

Beamte einer Beweisicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) kontrollieren Fans von Eintracht Frankfurt im Stadtteil Sachsenhausen.

Die groß angekündigte Choreographie der Eintracht-Fans über alle vier Tribünen wird nach Polizeimaßnahmen abgesagt.

Große Aufregung vor dem Spiel des Jahres in Frankfurt: Die groß angekündigte Choreographie der Eintracht-Fans über alle vier Tribünen fand überraschend nicht statt. Am Vormittag hatte der Frankfurter Polizeipräsident Gerhard Bereswill Eintracht Frankfurt darüber informiert, dass es zu „massiven Kontrollen und Durchsuchungen“ kommen werde. Der Grund: In einem sehr emotionalen Video hatte Eintracht-Präsident Peter Fischer in seiner typischen Art gesagt, am Abend werde „das Stadion brennen“. Das hat die Polizei zum Anlass genommen, den Fahnenraum im Unterrang und weitere Räumlichkeiten im Stadion zu durchforsten. 

Die Eintracht-Ultras fassten dies als Affront auf und werteten es als Angriff auf die autarke Fanszene. Eintracht-Vorstand Axel Hellmann, der dreimal mit dem Polizeipräsidenten telefoniert hatte, hielt diese Aktion für „rechtsstaatlich bedenklich“. Er hatte für diese „drastische Maßnahme“ keinerlei Verständnis. Denn die Untersuchung fußte allein auf dem Video des Präsidenten, andere Verdachtsmomente habe es nicht gegeben. „Das war von Peter Fischer sicher keine glückliche Aussage, aber jeder weiß, dass er ein emotionaler Präsident ist. Er meinte natürlich, die Luft müsse brennen und nicht das Stadion. Es war keinesfalls ein Aufruf zur Gewalt oder Ähnlichem.“

Polizei findet weder Pyros noch Waffen 

Allerdings sind die Eintracht-Fans nicht gerade als Kinder von Traurigkeit bekannt. Ohnehin sind die Anhänger wegen Verfehlungen aus der Vergangenheit auf Bewährung unterwegs - und stehen unter besonderer Beobachtung der Uefa.

Die Durchsuchung hatte eine Stunde gedauert und kein Ergebnis zu Tage gefördert: weder Pyros noch Waffen oder Schlagutensilien.

Die Ultras reagierten prompt und fertigten auf die Schnelle ein Transparent, auf dem der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) heftigst attackiert wurde („Beuth, der Ficker fickt zurück“). Dieses Transparent hatte die Polizei, auch unter Schlagstockeinsatz, entfernen lassen. Für die Hardcore-Fans war damit klar, dass sie sich das nicht gefallen lassen würden. Die Choreographie fiel aus, so aufwendig sie auch im Vorfeld organisiert worden war. 72 Stunden werkelten die Anhänger und Helfer an der Show vor dem Anpfiff. Statt der Choreographie stimmte die Kurve lautstarke Gesänge an.

Minuten vor dem Spielbeginn kam es tumultartigen Szenen auf den Tribünen, Sitzschalen wurden herausgerissen, Fähnchen und Papierschnitzel wurden eingesammelt und in den Innenraum geworfen. Die Stimmung drohte zu kippen. Axel Hellmann war „sehr angefasst. Meine starke Fußballfeststimmung hat sich verflüchtigt. Das ist sehr bedauerlich. Ich hätte mir gewünscht, dass vorher mit uns darüber gesprochen worden wäre, zumal wir keinerlei Erkenntnisse hatten, dass Pyro bei diesem Spiel eine Rolle spielen sollte.“

Sicher war der massive Einsatz der Sicherheitskräfte überzogen, aber auch Peter Fischer muss sich über die Tragweite seiner Aussage im Voraus im Klaren sein. Keiner kennt die Befindlichkeiten auf beiden Seiten besser.

Unschöne Szenen vor der Partie

Bereits vor der Partie kam es zu unsportlichen Szenen. Wie die Polizei am späteren Nachmittag mitteilte, war es zu einem Überfall von Eintracht-Anhängern auf ukrainische Fans gekommen. 470 Anhänger von Schachtjor Donezk wollten dieses Spiel vor Ort erleben. Einer von ihnen musste ins Krankenhaus eingeliefert werden. Bei anschließenden Kontrollen von Heimfans wurden unter anderem Schlagringe und Messer gefunden.

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