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Goncalo Paciencia freut sich über sein Tor gegen Flora Tallinn.

Europa League

Eintracht Frankfurt und Europa: Nächste Runde Liechtenstein

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Die Frankfurter Eintracht zieht mit ihrem 2:1-Erfolg über Flora Tallinn in die dritte Qualifikationsrunde der Europa League ein.

Frankfurt - Als noch gar keiner der fußballspielenden Profis den Rasen betreten hatte, als die grüne Wiese nur von einem Werbebanner bedeckt war, brandete dennoch das erste Mal ein riesiger Jubel im ausverkauften Stadion im Stadtwald auf. Die fast ausschließlich in weiß gekleideten 48.000 Anhänger des Bundesligisten Eintracht Frankfurt erhoben sich einer Viertelstunde vor Anpfiff des Rückspiels in der Europa-League-Qualifikation gegen die Esten vom FC Flora Tallinn, das die Eintracht dank zwei Toren von Goncalo Paciencia mühsam mit 2:1 (1:1) gewann und damit kommende Woche nach Liechtenstein zum FC Vaduz reisen wird, von ihren Plätzen. „Es war natürlich nicht einfach. Die Fans haben es zu einem besonderen Erlebnis gemacht“, sagte Sportvorstand Fredi Bobic.

Sie überschütteten einen Mann mit ihrer Zuneigung, der wenig später nicht einmal mitkicken durfte. „Hinti, Hinti, Hinti“ hallte es durch die Arena, begleitet von einer Menge Applaus und einem ungläubig kopfschüttelnden Fußballspieler. „Überragend“, „unglaublich“, „geil“ – viel mehr Worte fielen Martin Hinteregger kurz darauf nicht mehr ein. Da war jemand völlig geplättet. „Ich bin wieder zu Hause“, sagte Hinteregger noch.

Martin Hinteregger unterschreibt einen Vertrag bis 2024 – Fans feiern den Österreicher vor dem Spiel

Nach langem Geschacher hatten sich die Hessen mit dem FC Augsburg darüber geeinigt, den zuletzt ausgeliehenen Innenverteidiger fest zu verpflichten. Etwas mehr als zehn Millionen Euro soll der Deal die Frankfurter gekostet haben, für fünf Jahre unterschrieb der österreichische Nationalspieler in der Stadt am Main. 

„Die Vertragslaufzeit ist ein klares Signal: Wir wollen unseren Kader nachhaltig gestalten“, sagte Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic. Hinteregger, zuletzt ja nicht gerade positiv in die Schlagzeilen getorkelt, ergänzte: „Das vergangene halbe Jahr war unglaublich. Die Eintracht ist mir sehr ans Herz gewachsen.“ Umgekehrt, das war zu hören, zu sehen und vor allem zu spüren, ist das mindestens genauso.

Das Spiel betrachtete Hinteregger schließlich von der Tribüne aus, er kann erst für die nächste Runde kommenden Donnerstag nachgemeldet werden. Der Blondschopf bekam dann eine dürftige Leistung seiner alten, neuen Teamkollegen zu sehen, die zwar mehr Ballbesitz hatten, sich auch mehr Torchancen erspielten und dennoch seltsam uninspiriert auftraten. Da war noch viel Leerlauf im Spiel der Frankfurter.

Adi Hütter tauscht auf drei Positionen – Kamada, Toure und Joveljic für Abraham, Gacinovic und Rebic

Dabei hatte Trainer Adi Hütter neue Reize gesetzt und im Vergleich zum Hinspiel drei Position in seiner Startformation verändert. Für den angeschlagenen Ante Rebic, der wegen anhaltender Rückenbeschwerden überhaupt nicht im Kader stand, spielte der Siegtorschütze der vergangenen Woche, Angreifer Dejan Joveljic. Im offensiven Mittelfeld entschied sich der Frankfurter Fußballlehrer zudem für den formstarken Japaner Daichi Kamada anstatt des schwächelnden Serben Mijat Gacinovic. In der Dreierabwehrkette erhielt Kapitän David Abraham eine Pause, für ihn lief der Franzose Almamy Touré auf.

Unser Live-Ticker zum Nachlesen: Doppepack Paciencia: Eintracht Frankfurt in der nächsten Runde der Europa League

Alle drei Neuen hatten in der ersten 45 Minuten dann auch einen recht großen Anteil daran, dass es mit einem Unentschieden in die Kabinen ging. So marschierte der motivierte Joveljic vorne reichlich hin und her, zielte bei einem Drehschuss (19.) zu hoch und bekam ein eigentlich reguläres Tor wegen einer irrtümlich gepfiffenen Abseitsstellung nicht anerkannt (11.). Der deutlich formverbesserte Sturmpartner Paciencia traf zudem in der 37. Minute zur verdienten Frankfurter Führung - sein sechster Treffer im Dress der Eintracht, der sechste mit dem Kopf. Das kann der Mann aus Portugal. Danny da Costa hatte mit einer schönen Flanke von der rechten Seite den Treffer perfekt vorgelegt.

Eintracht Frankfurt wirkt nicht richtig konzentriert beim Abspielen

Weniger erfreulich war dagegen der Tiefschlaf von Touré fünf Minuten vor dem Halbzeitpfiff. Einen weiten Ball unterschätzte der französische Innenverteidiger völlig, bekam den ihm enteilten Vlasiy Sinyavskiy nicht mehr zu rechtzeitig fassen und musste mitanschauen, wie dieser den Ball herrlich ins lange Eck schlenzte. Bonjour, Monsieur Touré.

Auch nach dem Seitenwechsel wirkte die Eintracht irgendwie fahrig, nicht richtig konzentriert bei ihren Abspielen, auch noch nicht auf einem körperlich ausreichend guten Niveau, was in dieser frühen Phase der Saison aber auch nicht überraschen sollte. Und dennoch, bis zum Bundesligastart Mitte August sollte sich da bestenfalls noch einiges zum Positiven entwickeln.

Da Costa und Paciencia sorgen für den Sieg von Eintracht Frankfurt

Zum letztlich doch ungefährdeten Sieg gegen maximal zweitklassige Esten reichte es deshalb, weil beim 2:1 wieder jene Protagonisten in Szene traten, die auch die erste Führung herausgespielt hatten. Da Costa zog aus der Distanz einfach mal ab und traf dabei den Arm des Gästespielers Henri Järvelaid – Elfmeter. „Das ist für mich kein Handspiel“, sagte Bobic. Paciencia schnappte sich an seinem 25. Geburtstag die Kugel und verwandelte zum 2:1 ins rechte untere Eck (53.). In London, beim bitteren Aus im Europa-League-Halbfinale der vergangenen Saison, hatte Paciencia den entscheidenden Elfmeter gegen den FC Chelsea noch verschossen. Geglückte Vergangenheitsbewältigung.

In der Schlussphase wechselte Trainer Hütter dann noch ein bisschen durch, brachte Mijat Gacinovic, Gelson Fernandes und Erik Durm, um ein wenig Kräfte bei seinen Jungs zu schonen. Selbiges taten denn auch seine Profis auf dem Rasen, sie ließen das Spiel locker austrudeln und wurden anschließend von ihren Fans in weiß kräftig gefeiert. Auch die Spieler von Talinn wurden nach allen Regeln der Kunst abgefeiert, Kapitän Henri Järvelaid warf sogar seine Binde und sein Trikot in den Fanblock, ehe das eigene Team wieder besungen wurde.

Von Daniel Schmitt und Jörg Hanau

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