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Schlüsselszene: Schiri Taylor zeigt Ndicka Rot und sorgt für Entsetzen beim Übeltäter sowie den Mitspielern Abraham (li.) und Hasebe (re.).

Europa League

Eintracht Frankfurt unterliegt in Lissabon - und schürt doch Hoffnung

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Die Eintracht spielt in Lissabon lange in Unterzahl, verliert mit 2:4 und hat dennoch eine kleine Chance aufs Weiterkommen - dafür muss im Rückspiel aber eine bessere Leistung her.

Zwei Stadionrunden hat Vitoria nicht geschafft; das war ungewöhnlich. Die Legende besagt ja, dass Benfica Lissabon das Spiel gewinnt, wenn der Weißkopfseeadler, das tierische Maskottchen des portugiesischen Abonnementsmeister, zweimal das Oval des beeindruckenden Estadio da Luz durchflogen hat. Dieses Mal freilich war der Freiheitsgedanke offenbar größer - Vitoria flog aus dem Stadion und ward fürs Erste nicht mehr gesehen. Ein böses Omen war das für Benfica nicht, eher für Eintracht Frankfurt: Der Bundesligist unterlag gegen die Portugiesen mit 2:4 (1:2) (Hier geht‘s zum Liveticker in der Nachlese und zur Eintracht-Kolumne Ballhorn).

Die Hessen mussten dabei mehr als 70 Minuten in Unterzahl spielen, weil Evan Ndicka in der 20. Minute die Rote Karte gesehen hatte. Dennoch hatte sich die Eintracht zu einer unglaublichen Energieleistung aufraffen können und das Ergebnis zumindest in Grenzen halten können. Zeitweise sah es richtig übel aus für den letzten verblieben deutschen Europapokalteilnehmer.

Und damit hat Eintracht Frankfurt, deren Adler Attila zu Hause geblieben war, auch verpasst, einen europäischen Rekord einzustellen und 15 Mal nacheinander saisonübergreifend in der Europa League nicht zu verlieren. Diesen Rekord hält weiterhin Atletico Madrid.

Adi Hütter wählt gegen Lissabon defensivere Variante

Der Frankfurter Trainer Adi Hütter hatte für das Viertelfinalhinspiel eine deutlich defensivere Variante gewählt als sonst und den etatmäßigen Libero Makoto Hasebe neben Gelson Fernandes und Sebastian Rode ins Mittelfeld beordert, für den Japaner, seit Wochen in überragender Form, rückte Martin Hinteregger, der wegen seines Mittelhandbruchs mit einer Schiene spielen konnte, auf die zentrale Position. Evan Ndicka (links) und David Abraham (rechts) verteidigten an seiner Seite. „Wir müssen unglaublich aufpassen“, hatte der Fußballlehrer vor der Partie noch vor den torgefährlichen Portugiesen gewarnt, bei denen erstaunlicherweise der ehemalige Frankfurter Haris Seferovic nicht in der Startelf stand. Der Schweizer ist mit 18 Ligatreffern bester Torschütze von Benfica. Beide Trainer begannen diese Partie also eher vorsichtig. Erwartungsgemäß gehörte Sebastien Haller nicht zum Aufgebot, seine Bauchmuskelzerrung ließ einen Einsatz nicht zu. Die Frankfurter spielten mit den beiden Angreifern Luka Jovic und Ante Rebic, der dritte Angreifer, Goncalo Paciencia, saß auf der Bank.

Dessen ungeachtet begann die Eintracht stark, sie nahm sofort das Heft des Handelns in die Hand. Fünf Minuten waren erst gespielt, da lief Jovic, von Ndicka auf die Reise geschickt, schon allein auf das Lissabonner Tor zu, doch der Angreifer entschloss sich zu spät zum Schuss, Alex Grimaldo konnte ihm den Ball gerade noch wegspitzeln. Die Hessen, unterstützt von 3500 Fans, waren zu Beginn gleich gut im Spiel.

Benfica spielerisch eine Augenweide, Joao Felix ist „Jahrhunderttalent“

Doch Benfica entpuppte sich alsbald als ausgesprochen spielstarker, eminent schneller Widerpart, und spielerisch war das zeitweise eine Augenweide. Überragend bei den Portugiesen war der erst 19 Jahre alte Joao Felix, von Hütter als „Jahrhunderttalent“ geadelt, der immer wieder Nadelstiche setzte. Und er war auch an einer das Spiel veränderten Schlüsselszene beteiligt, denn er schickte den Brasilianer Gedson Fernandes auf die Reise, den der junge Ndicka im Strafraum zu Boden rempelte. Schiedsrichter Anthony Taylor (England) entschied sofort auf Elfmeter und stellte den Franzosen wegen der Vereitelung einer Großchance vom Feld. Taylor hatte bereits im Spiel gegen Schachtjor Donezk gegen die Frankfurter einen fragwürdigen Strafstoß gegebene, dieser aber war berechtigt. Joao Felix ließ Torwart Kevin Trapp keine Chance (21.). Damit waren die Karten neu gemischt, 70 Minuten mussten die Hessen fortan in Unterzahl agieren, das erschwerte das Unterfangen natürlich um ein Vielfaches. Zumal Benfica einen klugen Angriff nach dem nächsten inszenierte. Die Frankfurter schwammen zeitweise bedenklich. Dabei hieß es, Benfica setze seine oberste Priorität auf die Meisterschaft, will auf alle Fälle die Liga vor dem FC Porto gewinnen. Und es dauerte eine Weile, bis sich die Gäste, bei denen nun wieder Hasebe die Libero-Position übernahm, wieder gefangen hatten.

Es war Sebastian Rode, erneut mit einer starken Leistung, der nach 41 Minuten Ljubomir Fejsa beim Spielaufbau den Ball abluchste und Ante Rebic ins Spiel brachte. Der Kroate bediente den mitgelaufenen Jovic, der keine Mühe hatte, den Ausgleich zu erzielen. Damit war den Hessen kurz vor der Pause das so eminent wichtige Auswärtstor gelungen.

Kostics Treffer wird kassiert - da Costa im Abseits

Doch das Remis brachten die Frankfurter nicht in die Halbzeit. Felix (43.) war es erneut, der die Portugiesen in Front schoss, und zwar mit einem satten Schuss aus 20 Metern, der nicht unhaltbar war. Pech hatten die Gäste freilich, als ihnen praktisch mit dem Halbzeitpfiff der 2:2-Ausgleich wegen Abseits aberkannt wurde. Beim Schuss von Filip Kostic soll da Costa im Abseits gestanden haben. Sehr knapp, sehr strittig.

Das brachte Manager Bruno Hübner so auf die Palme, dass er auf die Tribüne verbannt wurde, „Unsere Stürmer müssen extrem viel arbeiten, das kostet Kraft. Wir wollen stabil stehen, aber weiter nach vorne spielen“, sagte er vor den Fernsehkameras.

Nach der Pause freilich wurde es ganz bitter für die Eintracht: Binnen vier Minuten kassierten sie gegen die wie entfesselt aufspielenden Portugiesen zwei Tore, bei beiden sah Torhüter nicht sonderlich glücklich aus: Beim 1:3 (50.) agierte er nach Ecke zu zögerlich, Joao Felix verlängerte den Ball und Ruben Dias hatte keine Mühe einzuköpfen. Beim 1:4, erneut durch den alle überragenden Joao Felix, ließ er den Schuss durch die Beine passieren. Jetzt drohte Eintracht Frankfurt regelrecht zusammenzubrechen, nur noch ein Spielball der begeisternd aufspielenden Lissabonner. Um Schlimmeres zu verhindern, schickte Hütter Mittelfeldmann Jonathan de Guzman nach einer Stunde für Jovic ins Spiel. Kurz darauf kam noch Paciencia. Und diese beiden sorgten im Zusammenspiel wenigstens für einen Hoffnungsschimmer: Die Ecke von de Guzman köpfte Paciencia per Bogenlampe zum 2:4 ins Tor. Der Eintracht würde somit ein 2:0 im Rückspiel reichen. Dennoch wird es verdammt schwer werden, im Rückspiel am Gründonnerstag den Traum vom Halbfinale weiter träumen zu können.

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