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Es war allen eine Ehre

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Von: Thomas Kilchenstein

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Gedenkfeier für Jürgen Grabowski in seinem Stadion. Foto: Jan Hübner
Gedenkfeier für Jürgen Grabowski in seinem Stadion. © Armando Babani/Jan Huebner

Eintracht Frankfurt und Fans nehmen in einer stilvollen Gedenkstunde Abschied von Klub-Legende Jürgen Grabowski in seinem Waldstadion.

Dort, wo zwei Tage zuvor noch Tränen des Glücks nach dem Last-Minute-Tor gegen Sevilla rollten, verdrückte an diesem sonnigen Samstagmorgen so mancher Fan eine Träne aus tiefer Trauer: Knapp 3000 Menschen waren ins Frankfurter Waldstadion gekommen, um persönlich Abschied zu nehmen von einer Eintracht-Legende, einer Ikone zu Lebzeiten oder, wie ihn der eigens aus Köln angereiste Wolfgang Overath, 78, Freund und Nationalmannschaftskollege von 1966 bis 1974, nannte, „ein feiner Kerl“: Eintracht Frankfurt gedachte in einer Trauerstunde im Stadion Jürgen Grabowski, dem größten Fußballer, der je für diesen Klub spielte, und der am vorvergangenen Donnerstag im Alter von 77 Jahren verstorben war. Es war eine sehr angemessene Gedenkfeier für „einen unserer großen Nationalspieler, sportlich wie menschlich“, wie der neue DFB-Präsident Bernd Neuendorf sagte, „jürgenwürdig“, wie Eintracht-Präsident Peter Fischer in der ihm eigenen Art meinte. Die Gedenkreden waren untermalt von Musikstücken, die Grabowskis Ehefrau Helga ausgewählt hatte, „local hero“ von Dire Straits etwa, oder „Highwaymen“ von Johnny Cash und „You’ll never walk alone“ in der Fassung von Elvis Presley.

Nicht nur Fans, auch viele Weggefährten hatten den Weg in den Stadtwald gefunden, Rudi Völler etwa, Geschäftsführer von Bayer Leverkusen, Dieter Kürten, ZDF-Schlachtross, Dragoslav Stepanovic, Bernd Hölzenbein, Charly Körbel, Ronny Borchers, nahezu die komplette Eintracht-Familie mit den Profis samt Trainer Oliver Glasner

„Alles hat seine Zeit“, rief der evangelische (Stadion-)Pfarrer Eugen Eckert zu Beginn der Zeremonie, es gebe „eine Zeit zum Weinen“. Mike Josef, der Frankfurter Sportdezernent, hob das soziale Engagement des Trägers des Silbernen Lorbeerblattes hervor und nannte Grabowski „einen echten Botschafter dieser Stadt“.

Neuendorf ließ Grabowskis Karriere in der deutschen Nationalmannschaft Revue passieren, für die er 44 Spiele absolvierte, an drei Weltmeisterschaften teilnahm sowie Welt- und Europameister wurde. Unter anderem mit Wolfgang Overath, der, wie er sagte, vieles gemein hatte mit Grabi: „Wir beide haben nie den Verein verlassen“, und beide hatten es gehasst, im unter Fußballern so beliebten Spielchen „vier gegen zwei“ in der Mitte zu sein. Auch über seine Autoleidenschaft hätten er und Grabi oft gesprochen, „Jürgen hat mich angerufen und mir Details zu seinem neuesten Wagen erzählt, dabei hatte ich von Autos keine Ahnung“. Für seine Worte erhielt der Kölner Alt-Internationale und Ex-FC-Präsident im Stehen dargebrachte Ovationen von den Fans.

Barca hätte ihm gefallen

Peter Fischer wiederum, der als Einziger frei redete, hätte es sich gewünscht, Grabowski noch einmal mit zum großen Kräftemessen an Gründonnerstag im Camp Nou gegen den FC Barcelona dabei gehabt zu haben. Das hätte er verdient, wie auch diese stilvolle Feierstunde: „Für wen sonst, wenn nicht für den Grabi.“ Und Fischer verriet, was Grabowski bis heute geärgert habe. Dass er 1980 bei seinem Abschiedsspiel nicht in die Kurve gegangen sei, um sich bei den Treuesten der Treuen zu bedanken und zu verabschieden. „Das hat ihm bis heute gestunken“, aber die Zeiten seien halt andere gewesen. Zudem sei sich Fischer sicher, dass die Eintracht in nächster Zeit ein „Erinnerungstrikot“ herausgeben werde. Wobei das eigentlich nicht nötig ist: „Der Grabi wird für immer in unserer Erinnerung bleiben.“

Und am Ende wurde natürlich „sein“ Lied gespielt: „Wir haben die Eintracht im Endspiel gesehn, mit dem Jürgen, mit dem Jürgen, sie spielte so gut und sie spielte so schön mit dem Jürgen Grabowski.“

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