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„Es ist alles sehr positiv“: Mario Götze fühlt sich wohl bei Eintracht Frankfurt

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Von: Ingo Durstewitz

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Starspieler Mario Götze fühlt sich pudelwohl bei Eintracht Frankfurt und blickt zufrieden zurück aufs erste Halbjahr. Nur die WM in Katar war für ihn „sehr enttäuschend“.

Dubai – Dieser Tage im mollig-warmen Wüstenemirat Dubai hat Mario Götze ein paarmal die Ärmel hochgekrempelt. Im übertragenen und im eigentlichen Sinne. Am Dienstag zum Beispiel nach der Vormittagseinheit waren die Eintracht-Kollegen schon in die Eistonne geklettert, um die Muskulatur wieder auf Vordermann zu bringen, da stand der Starspieler gemeinsam mit Djibril Sow noch immer auf dem Trainingsplatz. Kein Mensch sonst war mehr da, nur die beiden, und sie warteten auf das Kommando der Trainer. Ein kurzes Signal, und - zack - ab ging es, noch einen letzten Sprint übers ganze Feld, Seite an Seite, und dann endlich durfte auch Mario Götze Schluss machen. Feierabend in der Mittagshitze von Dubai, knapp 30 Grad, kein Wölkchen am Himmel.

Mario Götze lächelte, als er vom Trainingsplatz stiefelte. Dann kraxelte er in den Bus. Abfahrt ins Hotel. Ausgepumpt. Aber zufrieden. „Ich bin schon ziemlich müde“, sagt er anderntags in einer Medienrunde in Dubai. Das Trainingslager schlaucht ganz schön. „Es ist sehr intensiv, ist nicht so ohne alles.“ Er sieht trotzdem nicht so aus, als würde ihm das besonders viel ausmachen.

Immer mit der Ruhe: Mario Götze in Dubai.
Immer mit der Ruhe: Mario Götze in Dubai. © Jan Huebner

Eintracht Frankfurt: Mario Götze blickt auf ereignisreiche Wochen zurück

Das mit der Intensität lässt sich auf das gesamte letzte halbe Jahr projizieren. Es waren ereignisreiche, prägende, anstrengende Monate im Leben des Mario Götze und, wenn man so will, auch die sportliche Auferstehung eines Gefallenen. So weit würde der 30-Jährige nicht gehen, das ist ihm zu hochtrabend, zu weit hergeholt. Bei Mario Götze klingt seine persönliche Zustandsbeschreibung so: „Im Großen und Ganzen ist alles sehr positiv gelaufen. Es fühlt sich gut an.“ Da hat einer seine Balance gefunden, das ist deutlich zu spüren.

Dabei war sein Engagement in Frankfurt nach zwei Jahren in Eindhoven auch so etwas wie eine Reise ins Ungewisse. Schafft er es noch mal in der Bundesliga? Wie ist sein persönliches Befinden? Wie steht es um seine Fitness? Hält er dem Druck stand? Kommt er klar im neuen Verein? Viele Unwägbarkeiten. „Man weiß vorher nie, was passiert. Ein neues Umfeld birgt auch gewisse Gefahren“, sagt der Ex-Dortmunder und gibt ein kleines Lebensmotto preis: „Ich bin Fan davon, nicht so viele Erwartungen zu haben.“ Die wären allerdings sowieso alle bei weitem übertroffen worden, dass er die Bundesliga rocken und im Sturm nehmen würde, nein, das war eher nicht abzusehen. „Es hat sehr gut funktioniert, ich fühle mich superwohl. Es ist alles sehr positiv. Das Gesamtpaket ist super, ich bin sehr, sehr happy.“

Eintracht Frankfurt auch durch Götze in der Hinrunde so erfolgreich

Der frühere Bayern-Profi, ein bescheidener, kluger Bursche, hat entscheidenden Anteil daran, dass die Eintracht in allen Wettbewerben noch dabei ist und eine hervorragende Rolle gespielt hat. „Das Komplettpaket, das wir abgeliefert haben, war sehr beeindruckend“, betont er. „Dass wir uns in der Champions League in einer schwierigen Gruppe durchgesetzt haben, war gigantisch.“

Der Nationalspieler geht auf dem Platz voran, ist unersetzlich, ein Fixpunkt. Er prägt das Spiel, nicht nur durch seine fußballerische Klasse, sondern auch durch eine erstaunliche Laufleistung. Götze ist einer der laufstärksten Akteure der gesamten Bundesliga, auch derjenige, der die meisten intensive Läufe abreißt. „Ich weiß nicht, warum das so ist“, sagt er. „Ich fühle mich gut, bin gesund, lege den Fokus auf Recovery. Das spiegelt sich in den Zahlen wider, es fühlt sich gut an.“ Kein Geheimnis ist, dass er extrem auf ausgewogene Ernährung achtet, auf Yoga schwört. Kleine Faktoren im großen Gesamtbild.

Eintracht-Sportvorstand Krösche sieht Götze an der Bundesliga-Spitze

Fußballerisch ist der Routinier über jeden Zweifel erhaben. „Mario ist ein außergewöhnlicher Spieler mit herausragenden Fähigkeiten, er hebt unser Spiel auf ein anderes Level, gibt ihm eine andere Note“, sagt Sportvorstand Markus Krösche in Dubai. „Er ist, gerade was die letzten Bälle angeht, einer der besten Spieler der Bundesliga, die anderen profitieren von ihm. Er hat großen Anteil an unserem Erfolg, ist ein wichtiger Teil der Mannschaft.“

Seine Kreativität, sein Instinkt und seine Geistesblitze heben ihn von anderen Spielern ab, auch von guten Spielern. Dabei ist der Allgäuer nicht der Schnellste und Dribbelstärkste, zudem nicht besonders torgefährlich, aber durch seine Erfahrung, Ruhe und Cleverness weiß er sich dennoch im Zweikampf zu behaupten, Fehlpässe unterlaufen ihm fast nie. Er spielt nicht spektakulär, aber er macht die kleinen Dinge perfekt, lässt das Schwierige kinderleicht aussehen. Er macht den Unterschied, ist das zuvor fehlende Mosaiksteinchen. „Ich versuche, das Puzzleteil zu sein, um der Mannschaft mit meiner Erfahrung zu helfen. Das ist bisher gelungen“, sagt er, fügt aber an: „Im Fußball kann es schnell in die andere Richtung gehen.“ Das gilt es zu vermeiden. Platz vier ist das erklärte Ziel. Ist es auch realistisch? „Ist es schon“, antwortet Götze. „Aber es ist auch schwierig, da zu bleiben. Wir müssen bis Ende Mai auf diesem Niveau spielen. Das wird nicht leicht.“ Ist aber machbar. Wenn auch er so weitermacht wie bisher.

Starke Leistungen bei Eintracht Frankfurt bringen Götze zurück ins Nationalteam

Seine exzellenten Darbietungen haben ihn im November auch wieder in den Kreis der Nationalmannschaft gebracht, die Einladung zur WM nahm er gerne an. Es war eine Ehre für ihn, er hat auch nicht überlegen müssen, ob er das machen sollte oder lieber nicht. Die Diskussion wurde extern geführt, für ihn war immer klar, dass er dem Ruf folgen werde. Das Turnier als solches lief dann freilich wenig zufriedenstellend – sowohl für die DFB-Elf als auch für ihn persönlich, für Götze hat es nur zu zwei Kurzeinsätzen gereicht. Er bereut es dennoch nicht. Klar sei die WM insgesamt „sehr enttäuschend“ gewesen,“für uns alle, es ist sehr unglücklich gelaufen für mich persönlich und für Deutschland“, befindet er. „Aber nach fünf Jahren war es für mich positiv, wieder dabei zu sein.“

Natürlich hätte er sich mehr Spielzeit erhofft. „Ich bin Sportler, ich will immer spielen, man ist verärgert und nicht so happy, wenn man nicht spielt. Wie jeder andere. Das ist eine ganz natürliche Einstellung“, findet er, äußert aber Verständnis für Bundestrainer Hans Flick. „Für mich war es nicht leicht, nach fünf Jahren eine gewisse Rolle zu finden in dem Konstrukt. Und auch für den Trainer war es nicht leicht, eine eingespielte Mannschaft zu finden, die auf den Punkt da ist. Da gab es schon gewisse Challenges.“

Eintracht Frankfurts Götze möchte weiterhin in der Nationalmannschaft spielen

Die Frage bleibt, weshalb Hansi Flick den Kreativkopf Götze überhaupt mitgenommen hat, wenn er nicht auf ihn bauen wollte. Das haben nicht alle verstanden, auch die Frankfurter Mitspieler nicht, Sebastian Rode etwa äußerste sein Unverständnis. Mario Götze blockt Fragen dazu routiniert ab: „Jeder will mehr spielen, gerade in dem Wissen, dass man nicht jedes Jahr eine WM spielen kann. Aber insgesamt war es dennoch positiv für mich.“ Und generell gelte: „Das Thema ist abgehakt.“

Nicht abgehakt ist die Nationalelf an sich. Wenn Hansi Flick ihn anrufen und berufen würde, „würde ich kommen“, sagt er entschlossen. Klar sei die EM im eigenen Land 2024 ein Ziel. „Das ist das nächste große Turnier, das wäre superschön. Ich würde mich freuen, wenn es so kommt.“ Doch dazu, das weiß er, müsse alles passen und vor allem die Leistung: „Die Performance auf dem Platz entscheidet, ob man dazugehört zu den besten Spielern und in die Nationalmannschaft berufen wird.“ Mario Götze wäre bereit. (Ingo Durstewitz)

Zuletzt war Götze schon wieder für die Eintracht im Testspiel im Einsatz.

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