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Hochtalentiert, aber noch nicht so weit: Fabio Blanco und Enrique Herrero. Foto: Imago images
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Hochtalentiert, aber noch nicht so weit: Fabio Blanco und Enrique Herrero.

SGE

Talentförderung bei Eintracht Frankfurt: Wiedereinführung der U23 nicht ausgeschlossen

  • Daniel Schmitt
    VonDaniel Schmitt
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Der Sportvorstand Markus Krösche will die Talentförderung bei Eintracht Frankfurt verstärkt anpacken. Dazu gehört auch die Causa Fabio Blanco.

Markus Krösche, der Sportvorstand von Eintracht Frankfurt, sollte beim hessischen Fußballbundesligisten qua Amt ja nicht nur die kurzfristige Entwicklung im Sinn haben. Na klar, diese überlagert vieles, bestimmt die Schlagzeilen, erhöht Druck oder nicht. Abgekoppelt von der Aktualität aber sollte ein Sportchef eben auch immer die langfristige Planung eines Klubs im Kopf und auf der Agenda haben.

Krösche, neu gekommen im Sommer und vorerst für vier Jahre vertraglich an die Eintracht gebunden, weiß das, mit seinen Ideen für die Zukunft von Eintracht Frankfurt wusste er in den Gesprächen mit den Klubbossen um Aufsichtsratschef Philip Holzer durchweg zu überzeugen, heißt es. Nur ein Beispiel: das Thema Jugend.

Über einen Zeitraum von fünf, sechs Jahren, also auch über seinen aktuellen Vertrag hinaus, solle sich auf jeden Fall eine deutlich Besserung auf diesem Feld einstellen, findet Krösche. Denn: „Die Jugend ist ein sehr wichtiges Thema für uns, gerade im Hinblick auf die wirtschaftliche Gesamtlage.“

Dass beim Nachwuchs am Standort Riederwald jahrelang viel im Argen lag, ist bekannt und wird längst nicht mehr bestritten. Die Durchlässigkeit von der Jugend zu den Profis war und ist noch immer zu gering. Krösche, der schon kurz nach seiner Ankunft im FR-Interview betonte, sich nach einer gewissen Einarbeitungszeit auch vermehrt dem Thema Jugend widmen zu wollen, bekräftigt nun: „Wir müssen die Art der Ausbildung verändern, hin zu mehr Individualisierung der Spieler. Die Jugend ist ein wichtiger Teil des Geschäftmodells von Eintracht Frankfurt.“ Talente für den Profifußball ausbilden, sie ins Bundesligateam integrieren, im besten Fall sogar spielen lassen und womöglich irgendwann verkaufen. Gerade in finanziell einengenden Corona-Zeiten ein Modell, das viele Vorteile birgt.

„Es ist sehr wichtig“, so der Eintracht-Vorstand, „die Mittel, die wir haben, auf eine kleinere Anzahl von Spielern zu konzentrieren.“ Soll wohl heißen: Lieber mal einen selbst geförderten, vergleichsweise günstigen Jungprofi entwickeln und einbauen, wenn er denn genügend Qualität für die Bundesligakickerei mitbringt, statt einen extern, teureren Spieler für die hinteren Kaderplätze zu erwerben.

Derzeit ist Stefan Ilsanker zum Beispiel so ein Fall. Der Österreicher ist ein Profi, der gutes Geld bei den Hessen einstreicht, daran gemessen aber schlicht (zu) selten zum Einsatz kommt. Auch bei Steven Zuber waren die Dinge vor dessen Sommerwechsel nach Athen ähnlich gelagert.

Lieber, so wünscht sich das Krösche offenbar, sollten mehr Kaderplätze von Jungprofis belegt werden, die dann natürlich nicht sofort auf 25, 30 Spiele in einer Saison kommen müssen und werden, die aber vielleicht doch talentiert und tauglich genug sind für deren neun, zehn, elf - durchaus auch als Kurzeinsätze. Das kann anfangs nur ein Kicker sein, bestenfalls sind es mehrere. Spieler also, die eine Grundqualität für die Bundesliga mitbringen, was freilich die Krux in diesem netten Gedankenspiel bedeutet. Zuletzt fehlte es eben viel zu oft genau an diesen Fähigkeiten der jungen Männer.

„Wir müssen auch die Trainer besser machen, um die Spieler besser zu machen“, sagt Krösche und nennt Stichworte wie Trainingsmethodik oder Kommunikation. Es gehe zudem darum, den Übungsleitern auch dann Sicherheit zu vermitteln, sollten sie mit ihren Jugendteams mal einige Partien verlieren. Ergebnisse stünden nicht im Mittelpunkt, es gehe bei den Partien vordringlich um die Überprüfung der Trainingsinhalte, die unter der Woche erarbeitet wurden. Der Frankfurter U19-Coach Jürgen Kramny, dessen Team derzeit Dritter ist in der A-Junioren-Bundesliga, will diese Fortschritte bei seinem Team immerhin schon mal erkannt haben: „Wir sehen, dass Spieler in ihren unterschiedlichen Positionen und Bereichen besser geworden sind und Schritte nach vorne gemacht haben.“

Regelmäßig kommt im Kramny-Team auch Fabio Blanco zum Einsatz, der bekanntlich eigentlich der Bundesligamannschaft zugeordnet ist. Doch Profitrainer Oliver Glasner hält den 17-Jährigen für (noch) nicht bundesligareif, einen Kaderplatz wies er dem Spanier bisher nicht zu. Wie weit der zweifelsohne talentierte Blanco in seiner Entwicklung wirklich ist, ob er gerade in den vergangenen, durchwachsenen Wochen eine echte Hilfe hätte sein können, diese Einschätzung obliegt nun mal Glasner und dessen Trainerteam.

Ebenso wie Blanco durfte auch Enrique Herrero Garcia, 16 und ebenfalls Spanier, eingangs dieser Trainingswoche bei den Erwachsenen mitüben, ehe sich das aufgrund der fehlenden Nationalspieler arg ausgedünnte Team nun in einen Kurzurlaub bis Dienstag verabschiedete. In der Sommervorbereitung hatte zudem der finnische Mittelfeldmann Luka Hyryläinen reinschnuppern dürfen und mit einer relativen Reife und Spielübersicht zu überzeugen gewusst. Hyryläinen aber ist erst ein paar Monate 17 Jahre alt und soll sich daher bei der U19 weiterentwickeln.

Fernab von einzelnen Personalien betont Markus Krösche: „Wir müssen die Geschwindigkeit der Durchlässigkeit erhöhen.“ Den effektivsten Hebel sieht er dabei im älteren Juniorenbereich bei U17 und U19. Dort müsse zuerst angesetzt werden, erst danach in den jüngeren Jahrgängen.

Und was ist mit dem mittlerweile fast schon leidigen Thema eines Reserveteams, einer sogenannten U23, die bei anderen Profiklubs oft eher einer U20/U21 gleicht? Vorstellbar ist das schon, aber eben auch verzwickt. So würde es kaum Sinn ergeben, sieben Jahre nach der Abschaffung dieses Teams nun mit einer Reserve in - zum Beispiel - der Kreisliga beginnen zu müssen. Entwicklungsprozesse von Talenten ließen sich so kaum erzielen - und das auf einige Jahre hin nicht.

Einstmals hatte es bei der Eintracht schon den Versuch gegeben, der Malaise eines fehlenden Reserveteams mit einer Kooperation zu begegnen. 2017 war das, da knüpften die Frankfurter enge Bande mit dem damaligen und derzeitigen Fünftligisten SC Hessen Dreieich. Fredi Bobic, Sportvorstand zu dieser Zeit, konnte es sich gut vorstellen, dass Jugendspieler, die es nicht direkt zu den Eintracht-Profis schaffen sollten, bei den Dreieicher einen Versuch im gehobenen Amateurbereich unternehmen.

Die Eintracht absolvierte zur Stärkung der Beziehung ein Testspiel in Dreieich, auch der Trainingsauftakt wurde aufs Gelände des SC Hessen verlegt. Letztlich entwickelte sich die Idee aber nicht weiter, einen Spieleraustausch gab es nicht, wenngleich der Dreieicher Mäzen Hans Nolte noch immer bei der Eintracht ein gern gesehener Gast ist. Bei der feierlichen Eröffnung des Proficamps Ende August war er vor Ort. Mittlerweile führt Ex-Eintracht-Profi Patrick Ochs den Hessenligisten als Sportvorstand an.

Inwiefern ähnlich gelagerte, vor allem mit mehr Leben erfüllte Kooperationen für die Eintracht künftig ein Thema sind, lässt sich Markus Krösche nicht entlocken. Sein grundsätzliches Credo zur Verbesserung der Lage aber lautet: „Es gibt keine Denkverbote.“

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