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Die Vorentscheidung: Stuttgarts Torwart Przemyslaw Tyton foult den Frankfurter Stürmer Luc Castaignos und sieht Rot.
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Die Vorentscheidung: Stuttgarts Torwart Przemyslaw Tyton foult den Frankfurter Stürmer Luc Castaignos und sieht Rot.

Eintracht siegt in Stuttgart

Ein erlösender Dreier

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Die Eintracht profitiert von Stuttgarts falscher Taktik und denkt wieder über Sidney Sam nach. Verteidiger Timothy Chandler fällt lange aus.

Auch am Tag danach schwang bei Armin Veh noch Mitgefühl in der Stimme. Von Triumphgeheul keine Spur, im Gegenteil, der Fußballlehrer schlug leise Töne an. Der Eintracht-Trainer kann sich ganz gut in seinen Kollegen hineinversetzen, der mit dem VfB Stuttgart tief unten drin hängt im Schlamassel. Zehn Gegentore in drei Spielen, null Punkte, Tabellenplatz 18, dazu schon ein paar Auflösungserscheinungen zum Ende hin. Und jetzt auch noch die Länderspielpause. „Da sind wenige da, du kannst nichts aufarbeiten, nichts einstudieren, nichts korrigieren. Eine Scheiß-Situation“, fasste Armin Veh zusammen.

Alexander Zorniger, der neue Mann beim Verein für Bewegungsspiele aus Bad Cannstatt, ist nicht ganz unschuldig daran, dass die Stuttgarter zumindest am Samstag gegen die Eintracht so fürchterlich ins Mark getroffen wurden. Zorniger ließ seine Mannschaft bei brütender Hitze mit seiner brachialen Vorwärtsausrichtug ins Verderben rennen. Diese Niederlage, dieses 1:4, kann sich der Bundesliganovize ans Revers heften. Vielleicht weiß er das auch. In jedem Fall schwäbelte der 47-Jährige nach der Schlappe von einem dünnen Erklärungsversuch zum nächsten. Seiner Mannschaft sprach er an diesem Nachmittag das Bundesligaformat ab und fand, dass sich seine Spieler im zweiten Abschnitt zum Teil ergeben hätten. In Wahrheit war es so, dass sie einfach nicht mehr konnten, körperlich und mental ausgelaugt wie ausgequetschte Zitronen.

Chandler muss unters Messer

Die Frankfurter warteten nur darauf, dass bei den Schwaben die Kräfte schwanden. „Es war klar, dass sie das nicht durchhalten“, sagte Kapitän Marco Russ ganz cool. „So etwas hält niemand durch.“ Und auch Armin Veh setzte auf die Spieldauer als Trumpfass. „Irgendwann waren sie dann tot.“ Und die Eintracht hatte leichtes Spiel. „Der VfB hat overpaced“, stellte Eintracht-Vorstandschef Heribert Bruchhagen nüchtern fest. Es ist auf diesem Niveau nicht oft zu beobachten, dass ein Spiel derart offensichtlich durch ein taktisches Fehlverhalten und eine unkluge Marschrichtung entschieden wird.

Den Frankfurtern war es egal. Sie pusteten nach dem ersten Saisonsieg und dem ersten Auswärtserfolg seit November 2014 (3:1 in Gladbach) durch, die Erleichterung war spürbar. „Das war brutal wichtig“, sagte Bastian Oczipka. Und Eintracht-Boss Bruchhagen räumte unumwunden ein, einen gewissen Druck gespürt zu haben. „Ich muss Ihnen ja die tabellarische Situation nicht erklären und nicht das Szenario schildern, wenn wir verloren hätten.“

Mit einem Schlag und dem ersten Dreier in der noch jungen Spielzeit hat die Eintracht den drohenden Fehlstart abgewendet und ihn in einen recht passablen Auftakt verwandelt – zumindest die Punktausbeute betreffend. Spielerisch, und darüber sollte der verdiente, aber sicherlich zu hoch ausgefallene 4:1 (2:1)-Sieg in Stuttgart nicht hinwegtäuschen, liegt noch einiges im Argen bei den Hessen, von der einstmals propagierten und von Veh geforderten Ballsicherheit ist nicht viel zu sehen. Spielkultur sieht irgendwie anders aus.

Gerade im ersten Abschnitt blieben die Hessen vieles schuldig, da waren die Platzherren die klar dominierende Mannschaft. „Wenn wir in Rückstand gelegen hätten, weiß ich nicht, wie das Spiel ausgegangen wäre“, sagte Veh am Sonntag. Da war keine Sicherheit im Spiel, auch die Verschiebung von Makoto Hasebe ins Mittelfeld brachte nichts. Der Japaner ist einigermaßen von der Rolle. „Er hatte nicht seinen besten Tag“, sagte Veh.

Das gilt auch für Rechtsverteidiger Timothy Chandler, der Filip Kostic nie halten konnte und zur Halbzeit ausgewechselt wurde. „Er kam nicht so zurecht“, fand Veh. Er wäre auch dann in der Kabine geblieben, wenn er sich nicht den Außenmeniskus im rechten Knie gerissen hätte. Chandler wird sich einer Operation unterziehen müssen und einige Wochen ausfallen.

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Der Trainer wechselte in der Halbzeit Aleksandar Ignjovski ein, weil ihm das Spiel seiner Mannschaft nicht giftig genug, seine Elf nicht präsent genug war. „Ich wollte mehr Aggressivität, Iggy hat diese Note ins Spiel gebracht.“ Der unermüdliche Terrier machte ein prima Spiel.

Und die Eintracht hat eine gewisse individuelle Klasse im Offensivspiel, die beiden Stürmer Haris Seferovic und Luc Castaignos sind unangenehm zu bespielende Angreifer. „Sie haben ein Mordstempo“, sagte Marco Russ. „Beide sind schwer zu halten“, lobte Veh. Beide hatten entscheidenden Anteil am Erfolg. Castaignos schoss zwei Tore (42.,87), Seferovic eines per Strafstoß (69.), zudem traf VfB-Verteidiger Adam Hlousek ins eigene (11.), VfB-Kreativmann Daniel Divadi ins richtige Tor zum zwischenzeitlichen Ausgleich (30.).

In Ruhe arbeiten

Die Eintracht geht nun mit einem guten Gefühl in die anstehende Länderspielpause. Der Sieg war auch deshalb wichtig, um in Ruhe arbeiten zu können. „Du kannst Fehler besser aufarbeiten, wenn du gewonnen hast“, fand Veh. Und: „Du kannst besser aufbauen, wenn du Erfolgserlebnisse hast.“ Veh ist der Meinung, dass sich das Eintracht-Spiel mit zunehmendem Selbstvertrauen verbessern wird. „Das spielt sich ja auch in der Birne ab“, betonte der Trainer, der seinem Team übrigens am Donnerstag mal die Leviten las, weil er mit den Trainingsleistungen so gar nicht zufrieden war. „Das Abschlusstraining war dann schon besser“, grinste er .

Und vielleicht kommt in Frankfurt noch mal Bewegung in den Transfermarkt. Slobodan Medojevic scheint den Verein auf den letzten Drücker noch zu verlassen, auch Vaclav Kadlec bleibt ein Wechsel-Kandidat. In diesem Fall hätte die Eintracht Vorarbeit geleistet, könnte schnell reagieren. Mit Sidney Sam sind neue Kontakte geknüpft worden. Der Schalker Flügelspieler, der ja durch den Medizincheck gerasselt war, ist in Gelsenkirchen von Eintracht-Scouts im Training beobachtet und für gut befunden worden. Gesund soll er ebenfalls sein. Bis heute 18 Uhr hat die Eintracht Zeit, um nachzulegen.

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