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„Im Fußball sollte man nicht alles reflektieren“, sagt Erik Durm, Eintracht-Flügelspieler.
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„Im Fußball sollte man nicht alles reflektieren“, sagt Erik Durm, Eintracht-Flügelspieler.

Eintracht-Profi im Interview

Erik Durm: „Ich brauche kein Rampenlicht“

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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  • Daniel Schmitt
    Daniel Schmitt
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Eintracht-Profi Erik Durm über seinen Aufstieg zum Stammspieler, die Schnelllebigkeit des Fußballs und wie es seiner kleinen Tochter gelingt, ihn in schwierigen Momenten aufzumuntern

Herr Durm, müssen Sie sich eigentlich noch kneifen ob Ihres rasanten Aufstiegs vom Mann auf der Tribüne zum unangefochtenen Stammspieler?

Vorweg: Unangefochten ist bei uns keiner. Im Moment läuft es einfach, wir performen gut als Team. Und kneifen? Klar war es für viele überraschend, dass ich gegen Leipzig plötzlich in der Startelf stand, aber ich habe immer darauf gehofft, dass diese Chance kommen würde – und dann habe ich sie genutzt. Es ging darum, im Training weiter Gas zu geben, denn nur diejenigen, die das machen, werden auch spielen. Aber ja, Sie haben schon Recht, abzusehen war diese Entwicklung nach den ersten Saisonspielen nicht.

Wie sind Sie damit umgegangen, zu Saisonbeginn achtmal nicht dabei gewesen zu sein? Das ist mental nicht einfach, oder?

Ich habe größten Respekt vor Menschen, die Arbeit und Privates gut trennen können. Ich kann es nicht. Man trägt die Probleme mit nach Hause und versucht, bei der Familie bestmöglich runterzukommen. Die Menschen in meinem Umfeld haben gesehen, dass es mir in dieser Zeit nicht besonders gut ging. Aber da muss man durch. Ich habe versucht, es hinzubekommen, und es hat geklappt. Einfach war das alles nicht.

Sind Sie eher der Typ, der Probleme in sich reinfrisst oder lassen Sie Ihre Familie daran teilhaben?

Teils, teils. Am Anfang spreche ich das schon an, möchte dann aber auch die Zeit mit meiner Familie genießen und alles andere beiseiteschieben. Meine Tochter macht es mir da natürlich einfacher, weil sie noch klein ist und gar nicht weiß, was ihr Papa überhaupt macht. Sie fragt nicht nach, sondern lacht mich einfach an und gibt mir einen Kuss – dann sind die meisten Probleme vergessen.

Sie sind ein perfektes Beispiel für die Schnelllebigkeit des Fußballgeschäfts. Bleibt da überhaupt Zeit, das Geschehene zu reflektieren?

Man sollte im Fußball gar nicht alles reflektieren. Es kann vom Positiven bis zum Negativen so schnell gehen, da kommt es darauf an, mit beiden Extremen gut umzugehen. Wenn es nicht läuft, den Kopf nicht in den Sand zu stecken, und wenn es läuft, trotzdem weiter Gas zu geben. Beides versuche ich. Und auch wenn es nicht immer alles so läuft wie gewünscht, konnte ich mir selbst nie einen Vorwurf machen.

Gibt es konkrete Punkte in Ihrer Spielweise, die Sie jetzt besser hinbekommen als noch vor einem Dreivierteljahr, die Sie vielleicht auch verändert haben?

Ich weiß nicht, ob ich Riesendinge verändert habe, eher nicht. Ich weiß, dass es sich abgedroschen anhört, doch ich habe einfach weiter Gas gegeben und es hat funktioniert. Ich habe nicht auf einmal erst den linken Schuh statt des rechten angezogen (lacht), nein, ich habe einfach nie resigniert, nie lamentiert, dafür aber die Situation respektiert. Das heißt nicht, dass ich sie akzeptiert habe.

Aber irgendwas muss sich doch geändert haben?

Ich habe früher im Training vielleicht nicht immer voll durchgezogen, auch aus Rücksicht auf meine Mitspieler. Oder wenn ich mal einen Schlag auf den Fuß bekommen habe, bin ich mit schmerzverzerrtem Gesicht liegengeblieben. Das wollte der Trainer ein bisschen aus mir rausbekommen. Er wollte, dass ich sofort aufstehe und sage: ‚Komm, das war nur ein kleiner Schlag, weiter geht’s'. Aber das waren insgesamt nur Kleinigkeiten. Ich habe nicht die Welt verändert oder den Fußball neu erfunden.

Wenn man also immer alles gibt, wenn man fleißig und geduldig ist, dann wird man auch irgendwann belohnt.

Wahrscheinlich trifft das nicht immer zu, dann wäre es zu einfach, dann würden es alle so machen. Ich bin aber ein Mensch, der immer probiert alles zu geben, sonst könnte ich mich nicht im Spiegel ansehen, würde nicht mit mir selbst klarkommen. Ob Fleiß und Geduld belohnt werden, kann dir vorher natürlich niemand versprechen. Aber probieren sollte man es.

Im Sommer wurde in den Medien über einen Vereinswechsel von Ihnen spekuliert. Im Frühherbst hieß es, Sie würden eventuell im Winter gehen. Jetzt sind Sie Stammspieler und niemand spricht mehr davon.

So ist das Showbusiness. Niemand liest gerne Kritik in den Zeitungen, aber ich kann damit umgehen. Wenn es für mich nicht gut läuft, kann auch nicht viel Positives geschrieben werden. Sie machen auch nur Ihren Job. Ich weiß, dass sich alles schnell ändern kann.

Also werden Sie auch müde darüber lächeln können, wenn wir nun mäkeln: Ein Tor hätte der Durm ja mal machen können.

(lacht) Ich würde natürlich schon gern mein erstes Tor für die Eintracht schießen, aber auf meiner Position sind auch noch andere Attribute gefragt. Solange wir erfolgreich sind, ist mir ein eigenes Tor nicht wichtig. Es wäre nur das i-Tüpfelchen.

Zur Person

Erik Durm , 28, geboren im pfälzischen Pirmasens, spielte bei der Eintracht zu Saisonbeginn keine Rolle. Sieben Ligaspiele musste er zuschauen, oben auf der Tribüne, ehe ihn Trainer Adi Hütter, gestern übrigens 51 geworden, gegen Leipzig von Beginn an aufbot. Seitdem ist der Vater einer Tochter kaum mehr wegzudenken aus der Startelf. Selbst jüngst nach einer Knieblessur und kurzer Zwangspause rutschte er sofort wieder in die Anfangsformation. Durm, der Weltmeister von 2014, spielte in der Jugend für den 1. FC Saarbrücken, später für Mainz 05, ehe er bei Borussia Dortmund unter Förderer Jürgen Klopp den Durchbruch packte. Über Huddersfield Town in England kam er im Sommer 2019 zur Eintracht. dani

Chancen hatten Sie in den vergangenen Spielen einigen.

Es ärgert mich auch, wenn ich dann nicht treffe. Vor allem im Spiel gegen Schalke, weil ich auch noch eine Dortmunder Vergangenheit habe (lacht). Und ich war früher mal Stürmer, das wissen viele vielleicht nicht. Natürlich kann ich offensiv spielen und Akzente setzen. Aber ich bin kein Filip Kostic. Wir sind ganz andere Spielertypen. Bei mir ist der Offensivdrang nicht primär, sondern ich möchte hinten erst mal dicht machen und erst dann nach vorne agieren.

Hat sich für Sie etwas geändert, weil jetzt der junge Tuta und nicht mehr der alte Haudegen David Abraham hinter Ihnen spielt?

Nein, nicht wirklich. David war ein toller Spieler und eine absolute Persönlichkeit, er war ein guter Rückhalt für mich und hat viel mit mir kommuniziert. Aber Tuta macht das auch überragend, er wird von Spiel zu Spiel besser, obwohl er schon am Anfang super war. Er hat, wie David, eine gute Zweikampfstärke, spielt einen guten Ball und spricht viel mit mir, ich fühle mich sehr wohl vor ihm. Das passt.

Auf welcher Sprache findet die Kommunikation statt?

Auf Pfälzisch ist es schwierig (lacht). Nein, wir sprechen Englisch, das bekommen wir gut hin.

Sie stehen nicht so gerne im Mittelpunkt. Schwere Zeiten für Sie, da die ganze Mannschaft jetzt so im Rampenlicht steht?

Also, ich persönlich brauche kein Rampenlicht, das ist korrekt. Ich bin sicher nicht der Erste, der den Finger hebt, wenn es um Interviews geht. Aber irgendwann muss halt auch ich mal ran, deshalb sprechen wir gerade miteinander (lacht). Aber den Erfolg der Mannschaft genießt man natürlich, das ist einfach nur schön. Wir vergessen jedoch nicht, wo wir herkommen und, wie es dazu gekommen ist, nämlich durch viel Arbeit, Training und Analysen. So ein Erfolg kommt nicht von alleine. Jetzt geht es darum, diesen Weg weiterzugehen. Was ich sagen kann: Wir sind eine sehr hungrige Mannschaft, deshalb bin ich mir sicher, dass keiner nachlässt und wir weiter alles investieren werden, um diesen Lauf fortzuführen.

Wäre es jetzt vielleicht sogar eine Enttäuschung, wenn man am Ende nur Siebter werden würde?

Ich bin keiner, der weit vorausschaut und spekuliert. Ich halte es da mit der Floskel, immer schön von Spiel zu Spiel zu schauen. Wir können gerne in dreieinhalb Monaten noch mal sprechen, dann kann ich mehr dazu sagen (lacht). Im Ernst: Wir sind auf einem sehr guten Weg, wir sind selbstbewusst und wissen, was wir können. Im Moment ist jeder super drauf. Aber wir werden bodenständig bleiben, wir haben eine tolle Kameradschaft und eine harmonische Truppe beisammen.

Aber zurzeit hat man nicht das Gefühl, dass die Mannschaft großartig einbrechen könnte.

Da sieht man, was Selbstbewusstsein gerade in einem Mannschaftssport wie Fußball ausmachen kann. Wir hatten es auch schon andersherum, dass wir blöde oder späte Gegentore geschluckt haben. Und dann fängt man irgendwann an zu grübeln. Jetzt läuft alles quasi von alleine. Hinten versuchen wir, dichtzumachen und vorne schönen Fußball zu spielen. Beides bekommen wir ganz gut hin. Wir sind auf einer Welle, und da wollen wir bleiben. Aber wir sollten generell nicht so viel über die Situation nachdenken, sondern einfach den Schub mitnehmen.

Am Sonntag kommt der 1. FC Köln nach Frankfurt. Rechnen Sie mit einem mauernden Gegner?

Ich könnte mir vorstellen, dass sie etwas tiefer stehen und auf Konter lauern. Wahrscheinlich werden sie aggressiv in den Zweikämpfen sein. Wir wissen, was auf uns zukommt. Es wird ein sehr schwieriges Spiel. Eines kann ich sagen, auch aus meiner Erfahrung aus England: In der Bundesliga musst du immer 100 Prozent abrufen, sonst kann dich sofort jeder schlagen. Im Moment bekommen wir es hin, dass wir immer nahe dran sind am Toplevel. Das soll noch lange so bleiben.

Sie haben England angesprochen, wo Sie Ihre Zelte auch abgebrochen haben, weil Sie so ein bisschen das Heimweh plagte. Das Thema müsste ja erledigt sein.

Anfangs schon, klar. Aber durch Corona ist wieder alles anders geworden. Ich habe meine Freunde seit acht Monaten nicht mehr gesehen, meine Frau kommt aus Dänemark, sie kann nicht zu Ihrer Familie. Das ist eine schwierige Zeit für alle Menschen. Ich hoffe, dass wir diese Zeit bald hinter uns lassen und den Kampf gegen Corona gewinnen. Das wünsche ich mir mehr als alles andere. Wir sehnen uns alle nach besseren Zeiten, denn so macht das Leben nicht viel Spaß.

Interview: Ingo Durstewitz

und Daniel Schmitt

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