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Eric Dina Ebimbe: Mit Messi auf dem Platz? „Absoluter Wow-Moment“

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Von: Ingo Durstewitz

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Schon Leistungsträger bei Eintracht Frankfurt: Eric Junior Dina Ebimbe.
Schon Leistungsträger bei Eintracht Frankfurt: Eric Junior Dina Ebimbe. © Jan Huebner

Senkrechtstarter Eric Dina Ebimbe spricht über das PSG-Starensemble und weshalb der Hunger von Eintracht Frankfurt nicht gestillt wird.

Herr Ebimbe, wie stufen Sie das Trainingscamp in Dubai ein? Nervend, weil zehn Tage relativ lang waren oder doch ganz okay, schließlich scheint mitten im Januar die Sonne die meiste Zeit?

Weder noch. Ein Trainingslager ist nie umsonst oder ziellos. Es geht einfach darum, sich gut vorzubereiten für das erste Pflichtspiel des neuen Jahres gegen Schalke 04. Hier holen wir uns das Rüstzeug, um eine gute Leistung abzuliefern. Wir hatten eine lange Pause und wollen wieder bereit sein. Dafür ist das Trainingslager extrem wichtig, denn wir haben ambitionierte Ziele.

Konnte das Team von Eintracht Frankfurt in Dubai schon Spannung aufbauen für eine Partie, die erst in acht Tagen steigt?

Natürlich, das ist auch wichtig. Wir sind eine Mannschaft, die einen großen Kampfgeist in sich trägt und niemals aufgibt. Wir haben einige Spieler in unseren Reihen, die diesen Willen vorleben. Das Training ist ein Spiegelbild dessen, wie wir uns präsentieren wollen.

Wer sind denn diese Spieler?

Davon haben wir viele in unserem Kader. Kristijan Jakic zum Beispiel. Oder Mario Götze, der unter anderem über die Laufleistung kommt. Aber auch Tuta, Evan Ndicka und Djibril Sow, der absolut vorangeht. Oder auch Rafael Borré, der sich für die Mannschaft in der Offensive aufopfert. Und ich könnte noch mehr aufzählen. Wir haben auf jeder Position solche Spieler.

Eintracht Frankfurt: Eric Dina Ebimbes Weg war schon vorgezeichnet

Sie sind relativ jung, 22 Jahre alt, aber trotzdem schon lange dabei im Profigeschäft. Wann war für Sie klar, dass Sie es als Berufsfußballer versuchen würden und Sie auch das Zeug dazu haben, es zu schaffen?

In meiner Familie gibt es viele Fußballer, von daher war der Weg schon ein bisschen vorgezeichnet. Natürlich habe ich erst gedacht, ich erlerne einen normalen Beruf, aber im Alter von 14 Jahren wurde für mich klarer, dass ich den Weg des Fußballers gehen würde. Das lag auch daran, dass die Opfer, die ich bringen musste, immer größer wurden. Die Zeit für die Familie und die Freunde wurde knapp. Da habe ich gesagt: ,Okay, ich möchte es schaffen, ich probiere es als Profispieler.‘

Und wann haben Sie gespürt, dass Sie auch so gut sind, es packen zu können?

Das war im letzten Ausbildungsjahr bei Paris Saint-Germain. Da habe ich gemerkt, dass meine Entwicklung vorangeht. Meine Physis hat sich verändert, ich bin reifer geworden. Ich hatte auch Tuchfühlung zur Profimannschaft. Das war der Moment, als ich spürte, ich kann es packen, ich werde es packen.

Wer waren die prägendsten Figuren in der Jugendzeit bei PSG? Sie haben ja, zum Beispiel, mit Moussa Diaby oder Christopher Nkunku zusammengespielt.

Die PSG-Akademie ist sehr angesehen, es gibt wahnsinnig viele Spieler, die über unglaublich viel Potenzial verfügen. In jedem Jahrgang, in jeder Generation. Viele Spieler, die das Nachwuchsleistungszentrum dort durchlaufen, schaffen den Sprung zum Profi und teils auch zu einer großen Karriere. Natürlich gehören da auch Diaby oder Nkunku dazu.

Eric Dina Ebimbe von Eintracht Frankfurt schwärmt von Messi, Neymar und Mbappé

Sie haben mit einigen zusammengespielt, die richtig große Karrieren, Weltkarrieren hingelegt haben, die Größten der Größten: Messi, Neymar, Mbappé, um nur einige zu nennen. Sind Sie da mit großen Augen über den Trainingsplatz gelaufen?

Ich bin eigentlich nicht der Typ, der zu anderen aufschaut und denkt: ,Wow, was für tolle Spieler.‘ Aber ich muss ehrlich sagen: Als ich das erste Mal mit ihnen auf dem Platz stand, da war das für mich ein absoluter Wow-Moment. Da wurde mir bewusst, was das für eine Chance ist, mit solch großen Spielern zusammenzuspielen. Für mich war dann schnell klar, dass ich mir vieles von ihnen abschauen will. Ich habe sie beobachtet, studiert, geschaut, was ich von ihnen lernen und in mein Spiel implementieren kann. Auch in punkto Professionalität und Lebensweise kann man einiges adaptieren. Sie ordnen einfach alles dem Fußball unter. Ihr Verhalten ist vorbildlich.

Wie gut sind diese Spieler denn auch im täglichen Training?

Unfassbar gut. Wirklich. Sie gehören zu den Besten der Welt. Das zeigen sie in jedem Training. Sie achten enorm auf ihren Körper und ihre Lebensweise. Fußballerisch sind sie sowieso über jeden Zweifel erhaben. Absolut bewundernswert.

Eintracht Frankfurt: Eric Dina Ebimbe möchte für französische Nationalmannschaft spielen

Wo wir gerade bei Fehlern waren. Wie haben Sie den Fehlschuss ihres Landsmanns Randal Kolo Muani im WM-Finale erlebt? Er hätte sich ja unsterblich machen und der Held einer ganzen Nation werden können. Und dann das…

In erster Linie hat es mich für ihn persönlich geärgert. Aber so ist der Fußball. Das war eine grandiose Parade des Torhüters. Randal wird noch viele Chance bekommen und uns glücklich machen. Es ist wichtig, dass man anerkennt, was er für die französische Nationalmannschaft bei der WM geleistet hat. Randal ist ein starker Charakter und ein richtig guter Typ, er wird sich davon nicht unterkriegen lassen. Im Gegenteil: Er wird noch stärker werden, davon bin ich überzeugt.

Die Grande Nation scheint ein fast unerschöpfliches Reservoir an herausragenden Fußballern zu haben. Weshalb ist das so?

In Frankreich gibt es viele Immigranten, und diesen Menschen gibt man dort glücklicherweise eine Chance. So ist auch mein Vater nach Frankreich gekommen. Als Kind war ich viel draußen und habe gekickt. Für mich war es wichtig, gut in der Schule zu sein, um meine Eltern stolz zu machen. Das gilt auch für den Fußball. Sehen Sie, in Frankreich gibt es überall viele Bolzplätze, der Jugend wird die Chance gegeben, zu kicken, immer und überall. Man kommt früh mit Fußball in Verbindung, er ist sehr präsent. Es ist die große Leidenschaft in Frankreich, jeder liebt Fußball, jeder hat schon den Ball am Fuß gehabt. So gibt es halt auch entsprechend viele gute Spieler.

Zur Person

Eric Dina Ebimbe hat sich prächtig eingelebt in Frankfurt. Privat wie sportlich. Der 22-jährige Franzose ist eine der Entdeckungen der Saison, spielt eine herausragende Runde. Von der Liga ist er zweimal, im Oktober und November, zum Rookie des Monats gewählt worden. In der Bundesliga stehen zwei Tore und eine Vorlage in zehn Partien zu Buche, in der Champions League kam er in alle sechs Spielen zum Einsatz. „Ich bin zufrieden, wie es läuft“, sagt der in Stains geborene Spieler.

Die Leihgabe von Paris St. Germain ist schnell, wuchtig, hat eine gute Technik – und ist von Trainer Oliver Glasner vom Mittelfeldmann zum rechten Flügelspieler umfunktioniert worden. Dort schlägt sich der freundliche Jungprofi prächtig. Die Eintracht kann den Spieler im Sommer für 6,5 Millionen Euro fest verpflichten – keine Frage, dass sie das tun wird. Im Trainingslager in Dubai nahm sich Ebimbe eine halbe Stunde Zeit für die FR, Patrick Zeilmann übersetzte. dur

Wie sieht es bei Ihnen mit der Equipe Tricolore aus, ein Traum?

Es ist für jeden ein Traum, das würde mich natürlich stolz machen. Aber für diesen Traum muss man hart arbeiten, gerade in Frankreich. Wir haben ja eine sehr, sehr starke Nationalmannschaft, eine extreme Konkurrenz im Kader. Man muss seine Leistung bringen und geduldig bleiben. Wenn ich das alles mache, dann werde ich vielleicht eines Tages mal in den Dunstkreis der Nationalelf kommen. Das wäre ein großer Traum, keine Frage.

In Frankfurt gibt es die French Connection, Leute wie Kolo Muani, Touré oder Ndicka. Hilft das bei der Integration?

Für die Eingewöhnung hat es mir extrem geholfen. Es ist schön, wenn da Menschen sind, die dieselbe Sprache sprechen und auch so ticken wie man selbst. Aber ich bin jemand, der auf alle zugeht. Ich möchte mich mit jedem unterhalten können. Das ist für mich sehr wichtig. Damit so eine Gruppe funktioniert, muss man miteinander auskommen, sich verstehen und harmonieren. Das funktioniert nicht, wenn man nur unter sich bleibt.

Für Eric Dina Ebimbe war es der richtige Schritt, zu Eintracht Frankfurt zu gehen

Lernen Sie Deutsch?

Am Anfang hatte ich regelmäßig Deutschkurse, aber aufgrund der Vielzahl an Spielen war es dann etwas schwieriger. Jetzt geht es für mich aber wieder los, ich werde das intensivieren.

Sie haben auch sportlich unheimlich schnell Fuß gefasst, sind unverzichtbar geworden. War es der richtige Schritt, nach Frankfurt zu gehen?

Auf jeden Fall. Als ich bei PSG war, war ich auch schon zweimal ausgeliehen, insofern ist es für mich nichts Neues, weit weg von zu Hause zu sein. Ich wollte in meiner Karriere die nächsten Schritte gehen, und da war mir klar, dass ich wechseln muss. Die Bundesliga schien mir dafür prädestiniert. Denn in der Bundesliga wird jungen Spielern eine Chance gegeben. Du darfst auch Fehler machen und erhältst die nötige Unterstützung. Gleichzeitig ist die Qualität der Liga sehr hoch. Und die Eintracht hat mich gereizt, die Gespräche mit Sportvorstand Markus Krösche waren sehr gut, und ich habe schnell gespürt, dass das passen wird. So ist es auch gekommen. Wir haben eine junge, ehrgeizige, talentierte Mannschaft. Ich bereue es nicht, diese Entscheidung getroffen zu haben.

Sie spielen aber in Frankfurt rechts und nicht mehr zentral im Mittelfeld . Ist das eine große Umstellung?

Ich kann auf jeden Fall dort spielen, ich wurde in der Jugend häufig auf dem Flügel eingesetzt. Das ist also nicht neu für mich, ich weiß, was ich dort zu tun habe. Natürlich gibt es die eine oder andere Sache, die ich taktisch besser machen kann. Der Trainer arbeitet mit mir an diesen Themen. Ich denke, ich habe eine gute Hinserie gespielt. Und die Außenverteidigerposition gibt mir viele Möglichkeiten, man kommt oft nach vorne, man hat Torchancen und kann Tore vorbereiten. Das gefällt mir gut.

Eric Junior Dina Ebimbe im Gespräch mit FR-Redakteur Ingo Durstewitz.
Eric Junior Dina Ebimbe im Gespräch mit FR-Redakteur Ingo Durstewitz. © Jan Huebner

Eric Dina Ebimbe will bei Eintracht Frankfurt bleiben

Würden Sie gerne über den Sommer hinaus bleiben?

Ja, natürlich. Aktuell bin ich noch ausgeliehen und konzentriere mich voll und ganz auf das Hier und Jetzt. Wir sind auf einem guten Weg, eine historische Saison zu spielen. Es wäre eine tolle Sache, in Frankfurt bleiben zu können.

Was zeichnet das Team aus?

Wir haben eine großartige Qualität im Kader. Der Trainer hat das richtige System gefunden, um alle Eigenschaften des Kaders zu vereinen. Das Kollektiv, der Mannschaftsgeist und die individuellen Qualitäten kommen in diesem System ideal zum Tragen. Jeder hat seine Stärken, die er einbringt. Wir harmonieren perfekt miteinander. In der Hinrunde sind wir Stück für Stück besser geworden, alle ziehen an einem Strang. Jeder weiß, was er zu tun hat und dass er sich auf den anderen verlassen kann. Wir sind sehr ambitioniert. Das spürt man in jedem Training.

Was ist drin mit dem Team? Mitspieler Kristijan Jakic findet, die Eintracht könne ruhig mal die Champions League gewinnen.

Im Fußball ist vieles möglich. Das Niveau in der Champions League ist aber extrem hoch, dort spielen die besten Klubs Europas. Unser primäres Ziel ist es deshalb, dort nächstes Jahr wieder mit dabei zu sein. Wir konnten in der Gruppenphase in jedem Spiel mithalten. Es ist wichtig, dieses Niveau weiterhin aufrechtzuhalten. Dann können wir sicher einiges erreichen. Diese Mannschaft gibt sich jedenfalls nicht so schnell zufrieden und ist sehr hungrig.

Interview: Ingo Durstewitz

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