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Immer mit vollem Einsatz bei der Sache: U19-Trainer Alexander Schur.

Eintracht Frankfurt U19

Die Erfolgsgeschichte des Alexander Schur

Alexander Schur führt als Trainer die U19 der Eintracht aus der Abstiegszone. Im Nachwuchsleistungszentrum am Riederwald herrscht Begeisterung ob der jüngsten Ergebnisse, der Coach selbst gibt sich zurückhaltend.

Von Manuel Schubert

Von außen sieht sein Büro aus, als wäre nichts gewesen. „Daniyel Cimen, Trainer U19“ steht auf dem kleinen Schild. Im Leistungszentrum der Frankfurter Eintracht am Riederwald stehen so gut wie alle Türen offen. Doch diese hier ist verschlossen, das Büro dahinter leergeräumt. Ende November musste Cimen seinen Hut nehmen, die U19 taumelte in der A-Junioren-Bundesliga dem Abstieg entgegen.

Mit gerade einmal sechs Punkten stand die Eintracht auf dem vorletzten Tabellenplatz. Und das ausgerechnet in der ersten Saison nach Abmeldung der U23. Ein Abstieg wäre der Super-Gau. Wie sollte die Eintracht noch junges Personal heranziehen, wenn weder in der Regionalliga, noch in der A-Junioren-Bundesliga eine Mannschaft vertreten wäre?

Also wurde Nachwuchs-Cheftrainer Alexander Schur kurzerhand vom Schreibtisch zurück auf den Rasen beordert, mit seiner Erfahrung sollte der 43-Jährige es richten. Und das tat er.

Die U 19 ist in der A-Junioren-Bundesliga das Team der Stunde, Schurs Comeback auf der Trainerbank eine Erfolgsstory. Das erste Spiel unter seiner Leitung ging – fünf Tage nach der Amtsübernahme – noch verloren, danach kämpfte sich die Mannschaft mit vier Siegen in Serie souverän aus der Abstiegszone. Lediglich ein Gegentor gab es in den vier Partien. Ein 4:0 gegen Kaiserslautern, ein 3:0 gegen Saarbrücken, ein 1:0-Derbysieg gegen den Tabellenzweiten Mainz und ein 2:1 gegen Stuttgart können sich sehen lassen. Alle vier Teams stehen in der Tabelle über den Hessen.

Im Nachwuchsleistungszentrum am Riederwald herrscht Begeisterung ob der jüngsten Ergebnisse, der Erfolgscoach selbst gibt sich zurückhaltend. Die vergangenen Wochen seien ein hartes Stück Arbeit gewesen, sagt Schur. „Wir mussten dafür einen sehr hohen Aufwand betreiben.“ Doch er weiß, dass die Mission Klassenerhalt noch lange nicht geschafft ist. Der Vorsprung auf einen Abstiegsplatz beträgt gerade einmal zwei Punkte. Dazu hat 1860 München, momentan Tabellen-13., ein Spiel weniger und könnte die Eintracht mit einem Sieg noch überholen.

Schur selbst hat als Spieler nur allzu oft erlebt, wie schnell es nach oben oder unten gehen kann. 2001 stieg er mit der Eintracht in die zweite Liga ab, einige weitere Male konnte der Klub mit Mühe und Not die Klasse halten. Doch wie es nach einem Rückschlag wieder bergauf geht, weiß Schur auch: Unvergessen ist bis heute sein Tor zum 6:3-Sieg gegen Reutlingen, durch das er die Eintracht 2003 in der Nachspielzeit zum Aufstieg köpfte. „Ich denke, meine Erfahrung mit dem Abstiegskampf war der größte Grund, warum ich geholt wurde“, schätzt er.

Und er weiß, welche Tugenden im Klassenkampf gefragt sind. Reine Kopfsache sei das, erklärt Schur. „Wenn die Jungs kein fußballerisches Talent hätten, würden sie nicht bei Eintracht Frankfurt spielen.“ Mutig und selbstbewusst sollen seine Spieler auftreten, „sonst wirst du weiter Niederlagen bekommen.“

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Das scheint zu funktionieren, die Trumpfkarte Schur hat bisher gestochen. Als Nachwuchs-Cheftrainer war Schur ohnehin schon nah dran an der Mannschaft, es hat nicht lange gedauert, bis er warm wurde mit den Jungs, er kannte sie, sie kannten ihn. Man könnte nun meinen, die neue Position des Nachwuchs-Cheftrainers war nur eine Beschäftigungsmaßnahme für Schur, bis zum Ende der vergangenen Saison noch Trainer der aufgelösten U23. Die Stelle ins Leben zu rufen, sei jedoch das Ergebnis monatelanger Beratungen gewesen, erläutert Schur. „Ich habe das gern gemacht“, sagt er und fordert: „Die Stelle muss neu besetzt werden.“ Ob durch ihn selbst, etwa nach Saisonende, oder durch eine andere Person, sei dabei „unerheblich“, so Schur.

Demütig bleiben

Er habe nun mit der U19 eine neue Aufgabe, auf die er sich auch zu 100 Prozent konzentrieren müsse. Dabei ist der Trainer weiterhin bemüht, kein einziges schlechtes Wort über seinen Vorgänger Daniyel Cimen zu verlieren. Das Verletzungspech sei in der Hinrunde riesig gewesen, Cimen habe alles getan, was in seiner Macht stand. „Mich mit ihm zu vergleichen, ist nicht meine Aufgabe“, winkt Schur ab. „Ich trainiere so, wie ich trainiere und gehe meinen Weg.“ Eine große Schwäche konnte Schur jedoch in der Hinrunde ausmachen: zu viele frühe Gegentore. Schwerpunkt seiner Trainingsarbeit seien nun die Basics: Laufarbeit, Aggressivität, dem Gegner Paroli bieten. „Wir sind nicht die Übermannschaft, die jeden Gegner dominiert“, betont Schur. „Aber wir können gut fighten.“

Und auch das Glück ist der Eintracht wieder hold. Der Langzeitverletzte Ibrahim Yilmaz ist nach seinem Kreuzbandriss wieder voll einsatzfähig, hat in den vergangenen fünf Pflichtspielen bereits zwei Tore erzielt und bildet mit Enis Bunjaki, der schon des Öfteren bei den Profis vorspielen durfte (zuletzt am Dienstag beim geheimen Testspiel gegen den FSV Frankfurt), ein überaus gefährliches Duo. „Er ist sehr, sehr wichtig für uns“, lobt Schur den 18-jährigen Yilmaz, „er haut sich immer zu 100 Prozent rein.“ Wann Luca Waldschmidt zurückkehrt, ist hingegen unklar. Nach seiner Leisten-OP befindet sich der 18-Jährige noch in der Reha. Doch „absolute Priorität“, habe ohnehin erst einmal die Defensive, betont Alexander Schur. Die funktioniert nun bekanntlich.

Doch Schur mahnt: „Wir müssen demütig bleiben.“ Zehn Rückrunden-Spiele liegen noch vor der U19, darunter etwa die schwierigen Auswärtspartien beim Tabellenführer Hoffenheim sowie den Konkurrenten im Abstiegskampf, Fürth oder Mannheim. Am Sonntag (13 Uhr) kommt der Karlsruher SC ins Frankfurter Riederwaldstadion, in der Tabelle zurzeit Vierter. Das wird ein schwerer Brocken, doch Trainer Schur ist optimistisch, was die kommenden Wochen und Monate angeht: „Das Wort Abstieg nehme ich gar nicht erst in den Mund.“

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