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Muss jetzt das Mittelfeld dicht machen: Guillermo Varela.

TSG Hoffenheim - Eintracht Frankfurt

Entspannt zaubern

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Eintracht Frankfurt reist befreit, aber angeschlagen nach Hoffenheim.

Der Frankfurter Trainer Niko Kovac hat zur obligatorischen Pressekonferenz vor dem Bundesligaspiel am Sonntag bei der TSG Hoffenheim ein weißes Blatt Papier mitgebracht. So eine Art ärztliches Bulletin, darauf standen die Namen all jener Spieler, die nach dem Pyrrhussieg gegen Borussia Mönchengladbach im Halbfinale angeschlagen oder so schwer verletzt sind, dass sie für die Partie um 17.30 Uhr ausfallen. Das sind neben den Dauerverletzten Alex Meier, Makoto Hasebe, Jesus Vallejo noch Andersson Ordonez (Knieprobleme) Omar Mascarell, dessen entzündete Achillessehne einer eingehenden Kernspintomographie unterzogen wird, um eine Ruptur auszuschließen, Mijat Gacinovic, der wegen Oberschenkelproblemen gar nicht mit in den Kraichgau fährt, und Marius Wolf, der sich am gestrigen Freitag am ausgekugelten Schultergelenk hat operieren lassen. Und Branimir Hrgota, der Held wider Willen, leidet unter Magenproblemen, weshalb er beim Internisten vorbeischaute.

„Wir müssen improvisieren, Fantasie zeigen und irgendwie zaubern“, sagt Kovac. Der Coach kann nicht einmal den A-Jugendlichen Aymen Barkok für ein wichtiges Spiel der eigenen U19 gegen den Abstieg freistellen, der 18-Jährige wird fürs Mittelfeld der Profis gebraucht. Sogar Marc Stendera, der seit den Relegationsspielen im vergangenen Mai kein Spiel bestritten hat, könnte neben Guillermo Varela zu einer Alternative werden. Personell also sieht es bei Eintracht Frankfurt schlecht aus, „wir sind dezimiert“. Die Stimmung freilich könnte, welch Wunder, kaum besser sein.

Vier Spieltage vor Schluss hat die Eintracht ihr ursprüngliches Saisonziel schon erreicht: Die Frankfurter wollten eine ruhige Saison spielen, ohne Angst vor dem Abstieg, das ist ihnen spätestens mit dem Sieg gegen den FC Augsburg am vergangenen Samstag gelungen, das sei der „break-even“ gewesen. Nun könne der Klub entspannt und locker die weiteren Aufgaben angehen. „Der Kopf ist frei“, vieles werde jetzt leichter, „dann gelingt einem im Leben mehr“.

Natürlich fällt es selbst Niko Kovac schwer, nach dem Erreichen des Pokalfinales, das Fifa-Schiedsrichter Deniz Aytekin pfeifen wird, der schon die Halbfinale-Begegnung der Hessen geleitet hatte, wieder auf den Ligaalltag „umzuswitchen“, wieder „zur Normalität überzugehen“. So ein Endspiel bestreitet Eintracht Frankfurt nicht alle Tage, natürlich überlagert dieses Ereignis alles andere. „Das hat man schon im Kopf“, sagt Kovac. Allerdings will Eintracht Frankfurt die Saison nach Möglichkeit, keineswegs austrudeln lassen oder gar abschenken. Auch um mit einem guten Gefühl in vier Wochen nach Berlin zu reisen, wo Eintracht-Anhänger übrigens ihr Fest am Alexanderplatz feiern können (BVB-Fans tun dies am Breitscheidplatz). „Es gibt kein gutes Endspiel, wenn die letzten vier Spiele nicht gut laufen. Wir brauchen positive Ergebnisse“, sagt Kovac. Und den Aufwind, in dem sich die Mannschaft durch die letzten beiden Erfolgserlebnisse befindet, wollen die Frankfurter nutzen.

Zwar gibt der 45 Jahre Fußball-Lehrer für den Endspurt weiterhin keine konkrete Marschroute aus, er weiß aber auch, dass mit 41 Punkten „noch vieles möglich“ sei. Und „wir nehmen alles mit, was wir in der Bundesliga noch bekommen können.“ Denn Eintracht Frankfurt könne diese Saison, die Niko Kovac schon jetzt als „gut“ umschreibt, sogar „noch besser machen“. Sie wäre dessen ungeachtet schon längst eine rundum gelungene, hätten sich die Hessen nicht diese lange Durststrecke von zehn Spielen ohne eigenen Sieg geleistet.

Der ganze große Druck jedenfalls ist gewichen, was jetzt noch folgt, ist die Kür, kann ein sehr angenehmes Zubrot sein. Vorstand Fredi Bobic hat dem Team alle Freiheiten gegeben: „Nun dürfen die Jungs die Messlatte so hoch legen, wie sie wollen. Es liegt an ihnen, was sie noch erreichen wollen.“ Und der siebte Platz, der den Hessen (und nur den Hessen) zum Erreichen der Europa League durch die Frankfurter Finalteilnahme definitiv reichen würde, ist momentan nur einen mickrigen Zähler entfernt.

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