Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Drin das Ding: André Silva (Mitte) jubelt über sein 1:1.
+
Drin das Ding: André Silva (Mitte) jubelt über sein 1:1.

Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurt: Entertainer in grauen Zeiten

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
    schließen
  • Daniel Schmitt
    Daniel Schmitt
    schließen

Eintracht Frankfurt reitet auf der Welle des Erfolges, entfacht Begeisterung und zeigt beim 3:1 gegen Hertha BSC eine reife Leistung.

Zuweilen genügt eine kurze Affirmation, ein Wort nur, um eine Frage so zu beantworten, dass keine Fragen mehr offen bleiben. Nach dem 3:1 (0:0)-Erfolg der Eintracht gegen Hertha BSC wollte also ein Reporter den Frankfurter Trainer ein bisschen aus der Reserve locken und kam lächelnd mit einer Suggestivfrage um die Ecke. Das hörte sich ziemlich genau so an: „Herr Hütter, würden Sie unterschreiben, dass dieser Sieg im Stile einer Spitzenmannschaft eingefahren wurde?“ Adi Hütter musste nicht lange überlegen und antwortete mit einem ebenso einfachen wie deutlichen: „Ja!“ Ende der Durchsage.

Nach ein paar Sekunden beredtem Schweigen und leichtem Nachhaken ließ sich der Fußballlehrer zu einer leicht präzisierten Fassung der Kurzform hinreißen: „Aktuell sind wir eine Spitzenmannschaft, mitunter die stärkste Mannschaft“, sagte der 50-Jährige, und es sollte weder anmaßend klingend noch so gemeint sein. Doch wer auf eine Serie von acht Partien ohne Niederlage zurückblickt und davon sechsmal als Sieger das Feld verließ, der muss auch nicht in künstliches Understatement verfallen. „Das ist schon ein Ausrufezeichen.“

Eintracht Frankfurt reitet weiter auf der Welle des Erfolges, Grenzen scheinen momentan wirklich nicht gegeben oder sie werden aufgeweicht, die Auftritte des Teams sind Demonstrationen der Stärke und Dominanz. Natürlich ist die Eintracht die formstärkste Mannschaft der Liga, vor allen anderen, sie hat sich auf einen Champions-League-Rang geschoben, liegt vor Hochkarätern wie Leverkusen, Dortmund oder Mönchengladbach.

Sie hat in den zurückliegenden acht Begegnungen immer mindestens zwei Tore erzielt, mittlerweile schon 38 insgesamt – nur die Bayern sind noch besser (57). Und bisher musste sie erst zweimal als Geschlagene vom Platz, einmal in München, das andere Mal in Wolfsburg. „Das ist eine Ansage“, findet Torwächter Kevin Trapp.

Der Höhenflug ist kein Zufall. Die Eintracht gewinnt ihre Spiele nicht irgendwie, sondern mit einem klaren Plan und wiederkehrenden Mustern. Die fußballerische Klasse gibt den Ausschlag, die Ballsicherheit, die Schärfe der Pässe, das technische Vermögen und die Kombinationsgabe. Das paart sich mit Mentalität, Kampfeslust und Hartnäckigkeit sowie dem Glauben daran, es zu können und es immer wieder zu versuchen. „Wir strotzen vor Selbstvertrauen“, bekundet der Trainer. Nur so ist diese auf Leichtigkeit und Finesse ausgelegte Spielweise möglich, Zweifel oder Ängste führen zu Verkrampfungen. Doch wo sollten die derzeit herkommen?

Hütter ist nicht mehr gewillt, von diesem Pfad abzuweichen und wieder mehr Arbeiter einzubauen, im Gegenteil: Gegen die Hertha beorderte er den stets offensiv denkenden Aymen Barkok anstelle des defensiv agierenden Almamy Touré für den leicht am Knie verletzten Erik Durm (Ausfallzeit zwei bis drei Wochen) in die Anfangself. Ein klares Zeichen und Ausdruck eines neuen Selbstgefühls. „Die Mannschaft entertaint in dieser tristen Zeit“, sagt Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic mit Blick auf das durch Corona eingeschränkte Leben. Er hat recht.

Und wo führt das wilde Treiben noch hin? „Beim Blick auf die Tabelle wird mir nicht schwindelig“, bedeutet der Trainer. Er erfreue sich an dem „erfreulichen Zwischenstand“. Wer den höchst ehrgeizigen Adi Hütter kennt, weiß aber, dass er Blut geleckt hat und sich aus diesen Gefilden nicht mehr vertreiben lassen will. Er traut das seiner Mannschaft auch zu.

Die Begegnung gegen durchaus wehrhafte und unangenehme Berliner verdeutlichte sehr anschaulich die Entwicklung von einem Mittelklasseteam hin zu einer Spitzenmannschaft, sie steht exemplarisch für den erworbenen Status.

Denn die Hertha war keineswegs leicht zu knacken, sie rackerte – mit neuem, altem Trainer an der Seitenlinie – leidenschaftlich, spielte hart und früh auf Zeit, versuchte, der Eintracht die Lust zu nehmen und den Rhythmus auszutreiben. Im zweiten Abschnitt wurden die Herthaner gar mutiger, weshalb das Spiel, wie Hütter analysiert, zeitweise „auf des Messer Schneide stand“. Doch genau da zeigte sich die Entwicklung der Eintracht, denn sie verlor nicht den Faden, sondern blieb beharrlich, spielte souverän und unbeirrt weiter, immer in dem Wissen um die eigenen Stärke.

Selbst das 0:1 durch Krzysztof Piatek (66.) warf die Frankfurter nicht aus der Bahn, was auch daran lag, dass Torgarant André Silva nach feiner Flanke von Filip Kostic postwendend den Ausgleich erzielte (67.). „Der Knackpunkt“, findet Hütter, der nachvollziehbarerweise glaubt, dass sein Team dieses Spiel im Herbst noch mit 1:1 beendet hätte. „Weil wir nicht mehr 100 Prozent daran geglaubt hätten, gewinnen zu können. Jetzt aber haben wir die Ruhe und Souveränität und wissen, dass wir es können.“ So kam es denn auch, Martin Hinteregger (84.) und Silva in der Nachspielzeit mit seinem 16. Saisontor, einem eiskalt verwandelten Strafstoß, stellten den sechsten Sieg im siebten Spiel sicher. Kurs Königsklasse.

Und im Erfolg lässt sich auch die Zukunft viel geschmeidiger planen, so wird wohl bald der nächste Transfer endgültig eingetütet. Sturmtalent Ali Akman vom türkischen Zweitligisten Bursaspor soll im Sommer ablösefrei an den Main wechseln. Der 18-Jährige hat in 17 Spielen zehn Tore gemacht, die Eintracht hat unter anderem den VfL Wolfsburg ausgestochen – obwohl es dort mehr zu verdienen gibt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare