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Man of the Match: Theofanis Gekas. Seinen Verfolgern meist einen Schritt voraus.
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Man of the Match: Theofanis Gekas. Seinen Verfolgern meist einen Schritt voraus.

Eintracht-Kolumne

Eiskalt auf dem Kiez

Das Phänomen hat wieder zugeschlagen. Gekas, die Tormaschine, hat die Eintracht auf St. Pauli erneut zum Sieg geschossen. Der Grieche traf zweimal beim 3:1 (1:1)-Erfolg in Hamburg. Der Höhenflug nimmt fast schon beängstigende Ausmaße an.

Von Thomas Kilchenstein und Ingo Durstewitz

Hinterher lief der Held des Tages in aller Seelenruhe durch die wuselige Mixed Zone. Er wurde von niemandem aufgehalten, er blieb nicht stehen, der Mann, mittlerweile beinahe so wertvoll für die Frankfurter wie das Goethehaus, spazierte unbehelligt in die Kabine. Dann duschte er und kletterte genauso unbehelligt in den Mannschaftsbus. Gerne hätte man den 30-jährigen Torjäger, der am Samstag auf St. Pauli zwei Tore (42. und 70.) erzielte, das dritte durch Caio (90.) per Kopf vorbereitete und der jetzt schon nach zwölf Pflichtspielen elf Tore markiert hat, etwas gefragt.

Etwa, wie er es anstellt, im Spiel selbst nahezu unsichtbar zu sein, aber immer richtig zu stehen und entscheidende Tore zu schießen. Oder was sein Geheimnis für seine fast schon sagenhafte Trefferquote ist. Oder ob er so etwas wie Nerven kennt. Den Elfmeter kurz vor der Pause, nicht ganz unumstritten, hämmert er mit Verve und humorlos unters Tordach.

Gekas selbst war zuvor gefoult worden. Und wahrscheinlich war es für ihn schwieriger, seinem verärgerten Kollegen Halil Altintop den Ball aus der Hand zu reißen, als die Kugel ins Netz zu donnern. Auch Altintop, am Mittwoch im Pokal noch Schütze aus elf Metern, wollte antreten, doch dies ließ der Grieche nicht zu. Schnell war klar, wer hier der Platzhirsch war.

All das hätte man den früheren Nationalspieler und Ex-Bundesligatorjäger gerne mal gefragt, aber der Mann ist des Deutschen nicht mächtig, selbst nach bald fünf Jahren in Deutschland noch nicht. Er spricht ohnehin nicht gerne. Dafür lässt Tore sprechen.

Ohne Gekas wäre die Eintracht in der Tabelle nicht im vorderen Drittel

Im Zweifelsfall ist das dem Frankfurter Trainer Michael Skibbe auch lieber als ein abgeschlossenes Germanistikstudium mit Nebenfach Philosophie. Natürlich konnte auch sein größter Förderer nicht ahnen, dass der Vater von Zwillingen derart phänomenal einschlagen würde. „Man darf aber immer hoffen, dass einer, der solche Stärken hat, sie auch zeigt“, lobte Skibbe zum x-ten Mal seinen derzeit werthaltigsten Spieler. Ohne Gekas, das ist gewiss, würde die Eintracht derzeit nicht im oberen Tabellendrittel zu finden sein. Neun der 17 Frankfurter Tore erzielte er selbst, zu zwei weiteren leistete er die Vorarbeit. Das ist eine überragende Quote.

Entsprechend beliebt ist der Grieche im Kreis der Mannschaft, selbst wenn er nicht gerade durch viel Laufarbeit glänzt. Aber weil er so zuverlässig die Bälle im Netz versenkt, laufen die Kollegen auch gern mal für ihn mit. „Wir freuen uns, dass wir so einen Spieler haben“, sagte Kapitän Patrick Ochs, der kurz vor der Pause nach einem Ellenbogenschlag von Rouven Hennings einen Cut an der Augenbraue erlitt. „Sensationell“, lobte auch der deutlich harmlosere Halb-Stürmer Halil Altintop, „wer ihn kennt, der weiß: Das ist kein Zufall. Er ist ein sehr cleverer Torjäger und für uns Gold wert.“

Natürlich hatten die Frankfurter bei ihrem vierten Auswärtssieg auch Glück. Im ersten Abschnitt fanden die Hessen überhaupt keine Bindung zum Spiel, nichts funktionierte, „gedanklich und emotional waren wir viel zu langsam“, fasste Skibbe die ersten schwachen 40 Minuten zusammen. Folgerichtig ging der sehr nicklig und körperbetont spielende Aufsteiger in Führung durch ein eher kurioses Tor. Oka Nikolov, der den Ball zu kurz faustete, war von Gerald Asamoah im Fünfmeterraum angesprungen worden, dann kullerte der von Carlos Zambrano aufs Tor geschossene Ball Maik Franz durch die Beine (5.). Danach brachten die Frankfurter kaum ein Bein auf den Boden, und sie benötigten eine Portion Glück,um zum Ausgleich zu kommen.

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Den Strafstoß – Zambrano an Gekas – pfeift nicht jeder Schiedsrichter, selbst Ochs räumte ein, er sei nicht unbedingt davon ausgegangen, dass gepfiffen werde. „Den muss man nicht geben.“ Der Ausgleich stellte im Grunde den Spielverlauf der ersten Halbzeit auf den Kopf. „Bis zum Gegentor hatte ich nicht den Eindruck, heute verlieren zu können“, sagte St.Paulis Sportdirektor Helmut Schulte. „Aber vor der Effektivität der Eintracht muss ich den Hut ziehen.“

Der glückliche Ausgleich – Asamoah sah dabei wegen Meckerns noch die Gelbe Karte – war die eine Schlüsselszene, die Gelb-Rote Karte für Asamoah (47.) die zweite. Der ehemalige deutsche Nationalspieler hielt gegen Marco Russ die Sohle drauf und wurde deshalb des Feldes verwiesen. „Wir haben von diesem Platzverweis profitiert“, sagte Skibbe. Tatsächlich fing dann die Eintracht erst an, ihr Kombinationsspiel aufzuziehen, erst in Überzahl begann sie, Fußball zu spielen.

Mit zunehmender Spieldauer kontrollierte sie das Spiel, ließ die Gastgeber laufen, die allenfalls sporadisch und mit Langholz versuchten, für Gefahr zu sorgen. Meistens gelang ihnen das nicht. „Die haben ja nur kick and rush gespielt. Die stellen sich hier hinten rein. Natürlich kann man sie dann nicht an die Wand spielen, aber wir haben wenigstens versucht, Fußball zu spielen“, sagte Altintop. In der Analyse war der Türke fast stärker als zuvor auf dem Feld, wo er relativ unauffällig seiner Arbeit nachging.

Pirmin Schwegler war die Triebfeder der Frankfurter

Und dann kam der Moment, in dem Pirmin Schwegler, der trotz Beschwerden im Rücken und mit Schmerztabletten spielte, ein ganz persönliches Glanzlicht setzte. Ohnehin war der Schweizer der dominierende Spieler, er bestimmte Tempo und Rhythmus der Eintracht, er hatte die meisten Ballkontakte, er war überall auf dem Platz, stets präsent. Er war die Triebfeder der Eintracht, er war der, der dem Spiel eine Ordnung gab. Und nach 70 Minuten spielte der 23-Jährige einen 50-Meter-Pass, den Skibbe hinterher „sensationell und überragend“ nennen sollte, genau in die Hamburger Schnittstelle, Gekas nahm den Ball geschickt an und schoss eiskalt das 2:1.

Wenigstens zu 50 Prozent gehört dieser Treffer auch dem nimmermüden Dauerläufer im defensiven Mittelfeld. Und ihn hatte Skibbe wohl ganz besonders im Blick, als er sagte, bei allem Lob über den Knipser Gekas werde immer auch vergessen, was die anderen Spieler für ihn leisteten. Schwegler wehrte vieles Lob einfach ab. „Wir müssen nichts Besonderes machen, müssen nur gradlinigen Fußball spielen und jeder für den anderen da sein. Es spricht für den Charakter der Mannschaft, das wir nach dem Rückstand rausgekommen sind.“

Und was ist jetzt drin für die so holprig gestarteten Frankfurter? Auffällig war, dass alle, Spieler wie Trainer, den Ball offensichtlich flach halten wollte. Keiner wollte sich weit aus dem Fenster lehnen, dabei ist der Trend doch offenkundig. Fünf Spiele nicht verloren, vier davon gewonnen, zuweilen überaus souverän, dazu Schalke 04 an die Wand gespielt und im Pokal den Hamburger SV demontiert. Das spricht für sich.

Doch Skibbe wehrte ab. Auch dieses Spiel sei eng gewesen, sagte er, St. Pauli liege gerade mal drei Punkte hinter den Hessen. „Das ist alles eine Momentaufnahme.“ Auch Kapitän Ochs stapelte tief. Man möge den momentanen Tabellenplatz vier nicht überbewerten. „Ich habe keine große Hoffnung, dort oben zu bleiben.“ So viel Bescheidenheit macht Lust auf mehr.

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