+
Zieht einsam seine Kreise: Carlos Zambrano ist nach seiner Knie-Operation zurück.

Carlos Zambrano

Der Eisenharte ist zurück

  • schließen

Der Frankfurter Stopper Carlos Zambrano steigt nach seinem Außenbandriss ins Training ein.

Viel Zeit, sich zu akklimatisieren, hatte Carlos Zambrano nicht. Am Mittwoch war er früh morgens in Lima bei sommerlichen 29 Grad abgeflogen, am Mittwochabend nach 14-stündigem Flug in Frankfurt gelandet – und am Donnerstagmorgen stand der Stopper, warm eingepackt mit Pudelmütze und Handschuhen, schon wieder auf dem Platz, zwei, drei Grad plus, ein unangenehmer, kühler Nieselregen. Es gibt bestimmt gemütlichere Bedingungen, mit dem Fußballspielen anzufangen, aber Carlos Zambrano ist wirklich froh, wieder zurück zu sein auf dem Rasen.

Am Donnerstag stand der 25-Jährige erstmals seit Mitte Oktober wieder auf dem Trainingsplatz. Damals, am 11. Oktober, riss im Spiel der peruanischen Nationalauswahl gegen Chile das Außenband im rechten Knie. Zambrano, der Eisenharte, musste unters Messer, ein paar Tage später wurde er in Heidelberg operiert. Danach schloss sich eine vierwöchige Phase an, in der sich der Kicker nur an Krücken fortbewegen konnte. Seit dieser Zeit fehlt er Eintracht Frankfurt. Ohnehin hat er in dieser Saison nur ganze sechs Spiele für die Hessen bestritten, und mit einiger Gewissheit lässt sich feststellen, dass die immense Zahl an Gegentoren auch damit zu tun hat, dass hinten zentral ein Mann wie Carlos Zambrano fehlte und immer noch fehlt.

Es wird dessen ungeachtet noch ein Weilchen dauern, ehe der robuste Innenverteidiger, der in den sechs Spielen vier Gelbe Karten sah, wieder im Vollbesitz seiner Kräfte sein und spielen dürfte. Er selbst nimmt den nächsten Monat ins Auge, eher Ende Februar als früher. „Ich will so schnell wie möglich wieder spielen, aber erst wenn ich bei 100 Prozent bin“, sagt der Südamerikaner. Denn körperlich muss Zambrano noch viel aufholen. Am Donnerstag konnte er auch noch nicht viel machen, Stabilisierungsübungen und Individualtraining mit Fitnesscoach Michael Fabacher, dazu ein zehnminütiger lockerer Lauf – das war’s auch schon für den Anfang. Für Zambrano aber ist es vor allem wichtig, schmerzfrei zu bleiben. „Im Augenblick ist alles gut, ich habe keinerlei Beschwerden.“

Heute wird er sich bei Mannschaftsarzt Christoph Seeger vorstellen, um grünes Licht zu erhalten, die Belastungen zu steigern. Bislang hat der Peruaner noch nicht mit dem Ball am Fuß trainiert, geschweige denn aufs Tor geschossen. Der 25-Jährige wird aber auf alle Fälle am kommenden Dienstag mit nach Abu Dhabi ins Trainingslager reisen. „Es ist gut für mich, wieder im Mannschaftskreis trainieren zu können.“ Bis auf die zwei Wochen Urlaub bei seiner Familie in Lima hatte der Verteidiger in der Reha geackert, und zwar nicht, wie sonst meist in der Heimat, sondern in Frankfurt.

In den vergangenen Wochen hat Carlos Zambrano auch Zeit gehabt, sich über seine Zukunft in Frankfurt Gedanken zu machen. Bekanntlich läuft sein Kontrakt bei der Eintracht aus, doch die Klub-Verantwortlichen wollen ihren besten Verteidiger unbedingt halten und sind sogar bereit, weit über die Schmerzgrenze zu gehen. Mit bis zu drei Millionen Euro Jahressalär wollen die Hessen ihren Stopper dazu bewegen, einen möglichst langfristigen Vertrag in Frankfurt zu unterschreiben. Zambrano sagte auch gestern wieder, er fühle sich „hier wohl, das habe ich schon tausend Mal gesagt. Ich würde bleiben.“ Allerdings stehen noch Gespräche mit seinem Berater Elio Casareto und Bruno Hübner aus. Sein Vertrauter komme nach dem Trainingslager nach Frankfurt, um die Dinge zu besprechen.

Fakt ist aber auch, dass die Vertragsverhältnisse bei Zambrano ein wenig kompliziert sind, eine Schweizer Agentur ist zwischengeschaltet, die ebenfalls Rechte besitzt, mitreden und gegebenenfalls auch an einem Wechsel partizipieren könnte. Zambrano legt aber Wert auf die Tatsache, dass „ich allein entscheiden kann, wo ich in der nächsten Saison spiele“.

Aktuell gibt es allerdings eine Reihe von lukrativen Angeboten, etwa von Dynamo Kiew, die allesamt viel Geld bieten. „Das habe ich alles gehört“, sagt Zambrano, der sich jetzt aber noch nicht festlegen will. „Ich habe Zeit. Und für mich steht an erster Stelle, dass ich erst einmal fit werde und wieder spielen kann.“

Eintracht Frankfurt indes wünscht sich, wie auch bei den Vertragsgesprächen mit Kevin Trapp, möglichst bald Klarheit, um planen zu können. Ob der Peruaner über den Sommer hinaus in Frankfurt bleibt, ist höchst ungewiss. Selbst der notorisch zuversichtliche Sportdirektor Bruno Hübner musste schon einräumen, dass es nicht so einfach wird, Zambrano zu halten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare