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Jubelarie auf der Alm: Eintracht Frankfurt feiert den Kantersieg in Bielefeld.
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Jubelarie auf der Alm: Eintracht Frankfurt feiert den Kantersieg in Bielefeld.

SGE

Eintrachts Spiele ohne Grenzen

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
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Mit großer spielerischer Leichtigkeit stürmt Eintracht Frankfurt die Bielefelder Alm und hat nun Großes im Blick – sogar die Champions League.

An solch einem Tag, an dem alles zu gelingen scheint und ein Auswärtsspiel auf der Alm gegen Arminia Bielefeld locker-flockig 5:1 (3:1) gewonnen wird, kann auch schon mal ein 37-Jähriger zum schnellsten Spieler auf dem Feld avancieren. Keiner sprintete an diesem „gelungenen Nachmittag“, wie Trainer Adi Hütter sagte, schneller als Makoto Hasebe, der Methusalem der Liga, wie der Blitz war der Japaner in gestoppten 33,3 km/h durchs defensive Mittelfeld gesaust. Hat er selbst nicht für möglich erachtet, der alte Hase.

Es hat an diesem Nachmittag für Eintracht Frankfurt sehr viel zusammengepasst, zeitweise spielte sich diese Mannschaft in einen wahren Rausch, überrollte den zuvor viermal zu Null spielenden Aufsteiger förmlich und war, wie Arminen-Trainer Uwe Neuhaus freimütig und korrekt einräumte, schlicht „eine Nummer zu groß für uns“.

Eintracht Frankfurt, seit sieben Spielen ungeschlagen, davon fünfmal als Sieger vom Platz gegangen, hat in Bielefeld ein beeindruckendes Zeichen neuer Stärke gesetzt. Der Sieg, für den André Silva (25. und 33), Filip Kostic (27.), Joakim Nilsson (51.) per Eigentor und natürlich Luka Jovic (75.) sorgten, hätte sogar noch deutlicher ausfallen können - es war auf jeden Fall der höchste Auswärtssieg in der Bundesliga seit jenem 5:1 beim 1.FC Nürnberg in 1993, als eine Mannschaft mit Stein, Bein, Gaudino und Yeboah den Fußball 2000 zelebrierten. Und diese aktuelle Mannschaft erinnert immer mehr an jene von vor zwei Jahren, die mit spektakulären Auftritten in Europa bis ins Halbfinale marschierte.

Mutig, attraktiv, offensiv - so spielt diese Eintracht anno 2021 wieder. Und es tut ihr gut. Es sei „ein Augenschmaus“ zu beobachten, wie „wir von hinten heraus kombinieren“, lobte Torwart Kevin Trapp die Kollegen vor ihm, spielerisch, ergänzte Trainer Hütter, habe man häufig „unglaublich gute Lösungen gefunden.“

Es ist schon erstaunlich, wie diese Mannschaft mittlerweile auftritt, sie wirkt wie erlöst, wie von einem schweren Rucksack befreit, leicht und unbeschwert sieht das aus und hat so gar nichts mehr zu tun mit jenen schwergängigen Auftritten von vor zwei Monaten, als man sich von einem zum nächsten Unentschieden hangelte. „Wir sind spielerisch auf einem sehr, sehr guten Niveau“, sagt Hütter, „wir sind“, attestiert Martin Hinteregger, „wirklich gut drauf“.

Diese neue spielerische Leichtigkeit hat natürlich entscheidend damit zu tun, dass Hütter inzwischen genügend Spieler zur Verfügung hat, die mit dem Ball etwas anfangen können, und sie halt auch aufstellt. Auf der Alm hatten die Hessen eine Passquote von erstaunlichen 87 Prozent. Es ist bestimmt kein Zufall, dass es bergauf geht bei Eintracht Frankfurt, seit der endlich sein Potenzial abrufende Djibril Sow und Amin Younes regelmäßig in der Startelf stehen, dass gute Fußballer wie etwa Daichi Kamada, Hasebe, Aymen Barkok, Kostic und Silva auf dem Platz stehen, die kreative Lösungen suchen und finden, die „hungrig sind“ (Hütter). „Vorne passiert einfach was“, schwärmt Hinteregger, „da wird toller Fußball gespielt“.

Arminia Bielefeld war im Grunde in allen Belangen unterlegen, hatte der neuen Frankfurter Spielkunst und -freunde kaum etwas Nennenswertes entgegenzusetzen. Von Anfang an waren die Gäste präsent, drückten die Arminen in die eigene Hälfte, hatten das Heft des Handels in der Hand. Natürlich war die Partie nach dem Dreifachschlag binnen acht Minuten und den Toren von Silva (2) und Kostic (siehe Bericht auf Seite 19) entschieden, doch auch nach dem Anschlusstreffer von Sergio Cordova (36.) ließen die Frankfurter in ihrem Spieltrieb nicht nach.

Inzwischen hat das Team auch genau das Spielsystem - mit einer Spitze und zwei spielstarken Zehnern - gefunden, das ihr liegt. Und Adi Hütter, zeitweilig ein bisschen verzagt, hat wieder zum alten Mut, zur Offensive zurückgefunden. Nun können endlich alle Fußballer ihre Qualitäten voll ausspielen.

Und Qualität ist eine Menge vorhanden im neuerdings verschlankten Kader. „Wenn man sieht, was von der Bank kommt, Seppl Rode oder Luka Jovic, die kommen für zwei, die geil gespielt haben, dann ist das traumhaft“, sagt Hinteregger, der in der vergangenen Woche zwecks Teambuilding seinen beiden jungen Abwehrnebenmännern Tuta und Evan Ndicka einen Flug im Hubschrauber mit ihm am Steuerknüppel spendiert hat. Und er wüsste nicht, sagt der Routinier, „warum wir unsere spielerische Klasse nicht beibehalten sollten“.

In der Tat gibt es dafür keinen Anlass. Trainer Hütter hat nicht im mindesten Interesse daran, diesen momentan Flow zu bremsen, „wir sind gut in Schuss“, sagt er, „wir strotzen vor Selbstvertrauen.“ Und er macht auch kein Geheimnis daraus, was er, was die Mannschaft, was der Klub will. „Wir wollen wieder in die internationalen Plätze.“ Abwegig ist das ganz und gar nicht. Zwei Punkte sind die Frankfurter (30 Zähler) sogar nur noch von den Champions-League-Rängen entfernt, und angesichts der Wankelmüdigkeit und mangelnder Kontinuität der Mitkonkurrenten aus Leipzig, Leverkusen, Dortmund ist das Schielen nach dem großen Coup nicht gänzlich illusorisch, selbst wenn bis dahin „noch viel Wasser den Main runter fließt“, wie Hütter sagt. Fest steht auch: Außer dem FC Bayern hat in dieser Saison kein Team die Eintracht dominiert. Zudem: Die Hessen können sich, anders als die Konkurrenz, komplett auf die Liga konzentrieren, haben keine Mehrfachbelastung mehr. Das könnte im Schlussspurt von Vorteil sein.

Amin Younes, einer, der immer wichtiger wird für das Spiel und sich längst pudelwohl fühlt in Frankfurt, hat den Blick durchaus geweitet. „Nach oben sind keine Grenzen“, findet er. Die bislang gezeigten Leistungen und die nächsten Gegner – Hertha (mit neuem Trainer), Hoffenheim, Köln, dann Bayern, Bremen und Stuttgart lassen durchaus Raum für hochfliegenden Träume.

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