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Eintrachts Rafael Borré: Der kleine Große

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Von: Thomas Kilchenstein

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Frankurter Finalheld: Rafael Borré.
Frankurter Finalheld: Rafael Borré. © AFP

Erster Teil der FR-Serie: Der Weg von Eintracht-Stürmer Rafael Borré zum entscheidenden Mann im Europa-League-Finale.

Der rasende HR-Reporter Sebastian Rieth hat sich da auf dem Sozius und bei einsetzendem Regen sehr bemüht, ein paar Worte aus Rafael Borré von Eintracht Frankfurt herauszubekommen. Und aus dem Stürmer (Kolumbien) im Südamerika-Auto - mit Tuta (Brasilien) und David Abraham (Argentinien) ist es dann auch nur so herausgesprudelt während des Korsos zum Frankfurter Römer nach dem Coup von Sevilla am vergangenen Donnerstag, nur hat ihn leider kaum jemand verstanden. Er wählte seine Worte in Spanisch, dabei hatte Rieth so schön auf Englisch gefragt. Sogar zweimal.

Nun muss man wissen,. dass Rafael Santos Borré Maury, im Sommer aus Argentinien von River Plate Buenos Aires gekommen, allenfalls ein paar Brocken Englisch spricht, eher weniger. Das hat den 26-Jährigen aber nicht davon abgehalten, ruck-zuck bei der Eintracht Fuß zu fassen, immer mittendrin zu sein, ein fröhlicher, aufgeschlossener, offener junger Mann. Etwas, was Kevin Trapp enorm imponierte. Wie schnell sich Borré integriert habe, empfand er als beachtlich, sagte der Torwart, der selbst fünf Sprachen spricht, darunter auch spanisch, und so dem Angreifer als Gesprächspartner zur Verfügung steht.

Rafael Borré, der mit seinem Ausgleichstor im Finale gegen die Glasgow Rangers, mehr noch durch die Verwandlung des letzten Elfmeters, zu einem der Helden von Sevilla wurde, ist genau zum richtigen Zeitpunkt zu großer Form aufgelaufen, dann nämlich, als es galt. Drei seiner vier Tore in der Europa League erzielte der Mann aus dem karibischen Barranquilla in Viertelfinale (Traumtor gegen Barcelona), Halbfinale (1:0 gegen West Ham) und Endspiel. Besser hätte er es nicht timen können.

Die FR-Serie „Helden von Sevilla“

„Wir sind alle Helden“, hat Kevin Trapp in der magischen Nacht von Sevilla ausgerufen, jeder habe seine Beitrag zum Europapokal-Gewinn geleistet. Die FR wird in einer mehrteiligen Serie in unregelmäßigen Abständen an diese Helden erinnern, an große und kleine, in Fußballschuhen, Blaumann oder Anzug. Heute: Rafael Borré. Das nächste Mal: Philipp Reschke. (FR)

Er hat dennoch einen langen Anlauf benötigt. Anfangs tat sich der Kolumbianer schwer, nur 1,74 Meter groß, eher schmächtig, stellte ihn Trainer Oliver Glasner trotzdem als einzige Spitze auf, er musst sich oft gegen gut 20 Zentimeter größere Kanten durchsetzen, bisweilen gegen zwei. Dazu war er das intensive Spiel in der Bundesliga nicht gewöhnt. Doch Wegducken gab es für ihn nicht, der vor einem Jahr mit Kind und Kegel, Ehefrau Ana, Nanny, Schwiegermutter und noch ein paar Cousins und Assistentinnen gekommen war und sie alle zu seiner ersten Pressekonferenz mitbrachte. Er ist ein zäher Malocher, kein Freigeist, einer, der gerne und viel läuft, eine Eigenschaft, die Glasner besonders schätzt am Einzelkämpfer ganz vorne. Er ist der erste Frankfurter Verteidiger, sein Pressingverhalten ist erstklassig, er attackiert die gegnerischen Abwehrspieler beim Spielaufbau, läuft unermüdlich an.

Dass deshalb seine Torquote zeitweise arg niedrig lag, dass er etwa im Hinspiel bei Betis Sevilla allerbeste Chancen inklusive eines Strafstoßes vergab, ja, dass er mehrere Spiele hintereinander nicht einmal zu einem Torabschluss kam, akzeptierte Glasner. Er wusste ja um den Wert seines einsamen Angreifers, der „sehr weite Wege für uns geht“, und mittlerweile einen Transferwert von 17 Millionen Euro hat. Nicht schlecht für einen ablösefreien, weitgehend unbekannten Spieler. Glasner hat ihm immer vertraut, die anderen Stürmer (Paciencia, Ache, Lammers) kamen allenfalls als Joker in Betracht. Acht Tore in der Liga, vier in jeder Halbserie, dazu weitere vier auf internationaler Bühne, zudem acht Vorlagen können sich sehen lassen.

Womöglich wird Borré, der nach seinen Toren oft militärisch grüßt, eine Geste, die künftig vielleicht zu überdenken wäre, in der neuen Saison noch wertvoller, dann nämlich wenn ein echter Neuner (Randal Kolo Muani) spielt und er dahinter Laufstärke und Flexibilität ausspielen kann.

Mit seinen beiden Volltreffern im Finale kann Rafael Borré, der mit River Plate 2018 die Copa Libertadores (gegen Boca Junior) gewonnen hat, auch endlich seine Frieden machen mit Spanien. Zwischen 2016 und 2017 hatte der Nationalspieler, der regelmäßig zu Länderspielreisen um die halbe Welt fliegt, schon einmal versucht, in Europa Fuß zu fassen. Bei Atletico Madrid und FC Villarreal fiel er jedoch jeweils durch, und da konnte er sich sogar mühelos verständigen.

Im zweiten Anlauf hat er es nun gepackt, jetzt ist er sogar ein Held von Sevilla.

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