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Eintrachts Ansgar Knauff: Der Türöffner

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Von: Thomas Kilchenstein

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Hat die rechte Frankfurter Seite belebt: Ansgar Knauff.
Hat die rechte Frankfurter Seite belebt: Ansgar Knauff. © Imago

Flügelmann Ansgar Knauff startet bei Eintracht Frankfurt richtig durch und will jetzt den Pott.

Natürlich muss sich Ansgar Knauff manchmal noch kneifen. Oder sich fragen, wann er denn endlich aufwache aus diesem Traum. Doch er wacht nicht auf. Denn es ist ja gar kein Traum. Neulich erst wieder: Da bummelte der junge Mann, im Januar gerade 20 geworden mit seiner Freundin durch die Frankfurter Innenstadt, und vor guten Wünschen und Schulterklopfern konnte er sich kaum retten. „Man hat das Gefühl, die ganze Stadt ist richtig heiß auf das Finale“, sagt er. Er sagte das Ende vergangener Woche beim Medientag der Uefa, ein offizieller Termin vor dem Europa-League-Finale am Mittwoch (21 Uhr/RTL) gegen die Glasgow Rangers, viele Journalisten, viele Kameras, viele Fragen, auch in Englisch. Knauff, der Jungspund, meisterte den Parcours souverän, redete frei und viel und fast druckreif, sagte hier einen Aufsager, gab dort ein Statement in Englisch, war offen, unkompliziert, authentisch.

Und dabei bekommt man eine Ahnung, warum dieser Junge, geboren in Göttingen, mit ghanaischen Wurzeln, aufgewachsen bei seiner alleinerziehenden Mutter, auch auf dem Rasen eine derart steile Karriere hinzulegen in der Lage war.

Und doch muss man sich immer vor Augen halten: Mitte Januar hat dieser flinke Flügelspieler noch vor 500 Zuschauer:innen mit Borussia Dortmund II in der Dritten Liga gegen Waldhof Mannheim gespielt. Und dann wird genau dieser Ansgar Knauff vier Monate später vielleicht Europapokal-Sieger mit Eintracht Frankfurt? Unglaublich eigentlich.

Und Knauff, dieser Frechdachs, schaffte es, in der Dritten Liga in acht Begegnungen ein Tor zu schießen, gegen den SC Verl, aber in der Europa League in sechs Spielen schon deren zwei, gegen den FC Barcelona und West Ham United. Wie der Junge in Camp Nou abgezockte Haudegen wie Jordi Alba einfach stehen ließ mit seinem Tempo, verblüffte schon. Und in Dortmund müssen sich die Verantwortlichen anhören, wieso sie nur solch ein Juwel für eineinhalb Jahre nach Frankfurt hatten ziehen lassen können.

In Dortmund steckte Knauff ein bisschen in der Sackgasse, die Konkurrenz war stark, viel Spielzeit hätte er auf längere Sicht nicht bekommen. Er habe sich dann im Winter mit BVB, Berater und Familie beraten, was der beste nächste Schritt in der Karriere sein könnte, und manches Mal sind einer zurück ja zwei nach vorne. „Ich wollte mich bestmöglich weiterentwickeln“, sagte er jetzt.

Das ist ihm zweifellos gelungen, auch wenn eine derartige Leistungsexplosion nicht direkt zu erwarten war. Dortmund zu verlassen, für die er seit 2016 spielt, war keine leichte Entscheidung für Ansgar Knauff, aber „jetzt bin ich einfach nur dankbar, das hier alles erleben zu dürfen“. Ein Argument für die Eintracht waren sicher auch die Spiele auf internationaler Bühne, von „den magischen Nächten in der Europa League“ sei ihm da vorgeschwärmt worden. „Ich konnte mir das erst nicht so richtig vorstellen, doch jetzt habe ich selbst erlebt, welche Kraft dieses Stadion und diese Fans freisetzen können. Das gibt einem einen Push.“

Mutig und unbekümmert

Einen Teil zu diesem speziellen Zauber hat er beigetragen, seine Tempo-Soli am Flügel, seine Dribblings reißen die Fans mit. Er hat das Zeug zum Publikumsliebling. Vor allem bringt er mit seiner Unbekümmertheit und Schnelligkeit „eine andere Komponente“ ins oft viel zu linkslastige Spiel der Eintracht, lobte etwa Sportvorstand Markus Krösche nach dem Mainz-Spiel, bei dem Knauff auch als Passgeber glänzte. Die Hessen sind mit Knauff, „dem Türöffner“, wie nach dem frühen Tor nach 50 Sekunden in London schon gekalauert wurde, deutlich variabler geworden. Denn der U-21-Nationalspieler geht, anders als seine vielen Vorgänger, mutig in die Zweikämpfe, er sucht den Weg nach vorne, sucht den Abschluss. „Auch im Finale werde ich welche haben“, sagt er selbstbewusst. Und er erfüllt defensiv sehr seriös seine Aufgaben, eine Tugend, die vor allem Trainer Oliver Glasner sehr schätzt.

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