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Jubel bei der Eintracht - Kevin-Prince Boateng hat das 1:0 erzielt. Am Ende bezwingen die Frankfurter Gladbach mit 2:0.

Sieg gegen Gladbach

Eintracht ist Zweiter für eine Nacht

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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Die Eintracht besiegt ihren Lieblingsgegner Borussia Mönchengladbach mit 2:0 und rückt - zumindest vorübergehend - auf Platz zwei der Tabelle.

Als Schiedsrichter Marco Fritz dann nach 90 plus vier Minuten abgepfiffen hatte, rissen die Frankfurter Profis die Arme vor Freude in die Luft. Sie hatten ein hartes Stück Arbeit bewältigt und Borussia Mönchengladbach mit 2:0 (1:0) bezwungen. Und mit diesem Sieg, der ein klein wenig glücklich war, kletterte die Eintracht tatsächlich für eine Nacht auf den zweiten Tabellenplatz. „Deutscher Meister wird nur die SGE“, skandierten die Fans in der Nordwestkurve glückselig, ehe sie die Mannschaft hochleben ließen. Das war vielleicht ein bisschen zu viel des Guten, aber mit 33 Punkten nach 20 Spieltagen haben sich die Hessen ein ordentliches Punktepolster erkämpft. Mit den hinteren Gefilden dürfte die Eintracht nichts mehr zu tun haben, ganz bescheiden könnten sie jetzt langsam andere Ziele ausgeben.

Es war erst der dritte Sieg in dieser Runde vor eignem Publikum,und er war hart erkämpft. Kevin-Prince Boateng (43.) und Luka Jovic (90.) hatten die Tore erzielt. Glück hatten die Frankfurter zudem, dass Thorgan Hazard (78.) einen Foulelfmeter mitten in der Gladbacher Drangperiode an die Latte schoss.

„Natürlich gucken wir jetzt nach oben“

Eintracht-Vorstand Fredi Bobic sprach hinterher von einer „Willensleistung“ und von einer „tollen, überragenden ersten Halbzeit.“ Dass die Eintracht nun auf dem zweiten Platz steht, sei schön, „macht ein Foto und rahmt es euch ein. Diesen OneNight-Stand nehmen wir gerne mit. Die Jungs können die Latte hochlegen, aber sie müssen es jede verdammte Woche beweisen.“ Trainer Niko Kovac sagte in einer ersten Stellungnahme: „Wir haben sehr hart arbeiten müssen. In der ersten Halbzeit haben wir es gut gemacht, in der zweiten nicht mehr. Ich kann heute sehr gut entspannen. Die Jungs sollen das genießen, sie haben es sich verdient.“ Boateng ließ sich dann auch nicht lange bitten: „Natürlich gucken wir jetzt nach oben.“

Vor der Partie hatte Eintracht Frankfurt via Videowürfel mitgeteilt, dass der Klub die Kaufoption bei Marius Wolf gezogen hatte. Der Senkrechtstarter der Saison, der bislang in allen 21 Pflichtspielen auf zehn Scorerpunkte (vier Tore, sechs Vorlagen) kam, unterschrieb einen Kontrakt, der ihn bis 2020 an die Hessen bindet. Das war nur noch eine Formsache, der Vertrag war schon länger ausgehandelt und unterschrieben worden, er wurde aber erst rechtskräftig, nachdem die Eintracht die vereinbarte Kaufsumme von 500.000 Euro an Hannover 96 überwiesen hatte.

Wolf verpasst ganz knapp

Marius Wolf war es auch, dem sich die allererste Frankfurter Chance geboten hatte. Sechs Minuten waren da erst gespielt, als erst Ante Rebic auf und davon gezogen war, Patrick Herrmann wie eine lästige Fliege abgeschüttelt und perfekt nach innen gepasst hatte.Wolf schob die Kugel im Fünfmeterraum knapp neben das Tor. Das war ja schon einmal ein vielversprechender Auftakt.

Doch es sollte eine lange Weile dauern, ehe sich die nächste brenzlige Situation ergeben sollte. Die Partei war lange Zeit geprägt von gegenseitigem Respekt, beide Teams ließen ihr Visier oben, versuchten die Partie fußballerisch zu kontrollieren. Das sah phasenweise ordentlich aus, der Ball lief schön durch die eigenen Reihen, doch 20, 25 Meter vor dem Strafraum war es vorbei mit der Kunst. „Es wird ein Abnutzungskampf geben“, hatte der Frankfurter Trainer Niko Kovac vorher schon vermutet, „ein Geduldsspiel“. Beide Teams schenkten sich nichts.

Die Gladbacher mussten früh (16.) ihren Torwart wechseln, Yann Sommer verließ humpelnd und mit muskulären Problemen den Platz, für ihn kam Tobias Sippel. Und nach einer halben Stunde hatte der Frankfurter Ante Rebic großes Glück, weiterspielen zu dürfen. Die Grätsche von hinten gegen Patrick Herrmann hätte auch zu einem Platzverweis führen können. Selbst Marco Russ sagte in der Halbzeit in die Eurosportkamera: „Da kann es auch eine dunklere Farbe geben. Wir sind froh, dass wir mit elf Spielern weitermachen können.“ Auf jeden Fall wird der Angreifer im nächsten Spiel fehlen, es war seine fünfte Gelbe Karte. Nach einer knappen Stunde machte er Platz für Aymen Barkok.

Kevin-Prince Boateng erzielt Führungstreffer

Und dann, als alle schon mit einer torlosen ersten Halbzeit rechneten, ging die Eintracht doch noch in Führung. Der eher schwache Simon Falette hatte Timothy Chandler auf die Reise geschickt, der ließ Herrmann stehen und in seinem flache, scharfe Hereingabe spritzte Kevin-Prince Boateng, der die Kugel aus kurzer Distanz ins Tor wuchtete.

Im zweiten Abschnitt kamen die Gäste deutlich aggressiver und besser aus der Kabine. Prompt boten sich ihnen zwei Gelegenheiten, erst fand der junge Michael Cuisance in Torwart Lukas Hradecky seinen Meister (53.), dann strich ein Schuss von Herrmann (57.) haarscharf über die Latte. Die Eintracht überließ, unverständlicherweise, danach den Gladbachern das Kommando, die Hessen zogen sich zurück, reagierten nur noch. Die Fohlen kamen so immer mehr auf und zu torgefährlichen Aktionen. Doch zunächst strichen die Gladbacher Schüsse über das Frankfurter Tor. Die Eintracht kam kaum noch nach vorne, hatte alle Hände und Füße zu tun, das eigene Gehäuse zu sichern. Spielerisch ging bald nur noch wenig zusammen.

Und dann schien der Ausgleich fällig: Boateng hatte gegen Lars Stindl den Fuß eingestellt, Schiedsrichter Marco Fritz pfiff Strafstoß. Doch Thorgan Hazard donnerte die Kugel mit Vollspann an die Latte. Die Eintracht überstand auch noch die folgende Drangperiode, und in der 90. Minute machte der eingewechselte Luka Jovic den Sack zu mit seinem 2:0 in der 90. Minute. Danach war nur noch Frankfurter Glückseligkeit.

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