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Wann dürfen wieder Massen ins Stadion?
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Wann dürfen wieder Massen ins Stadion?

Rückkehr der Fans

Eintracht zieht vor Gericht: Stadt Frankfurt und Land Hessen gespalten

  • Pitt von Bebenburg
    VonPitt von Bebenburg
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  • Georg Leppert
    Georg Leppert
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Frankfurter Gesundheitsamt will dem Fußballklub keine niedrigere Obergrenze bei der Zahl der Fans im Stadion setzen.

Frankfurt - Nach der Ankündigung des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt, für mehr Fans beim Testspiel gegen Saint Étienne vor Gericht zu ziehen, droht der Streit zwischen der Stadt Frankfurt und dem Land Hessen eskalieren. Der Frankfurter Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne), der der Eintracht bereits 10.000 Zuschauer:innen erlaubt hat, kündigte an, dass die Eintracht vorerst keinen neuen Bescheid über eine reduzierte Zahl an Fans erhalten wird. Das hatte der hessische Gesundheitsminister Kai Klose (ebenfalls Grüne) von der Stadt gefordert – mit Hinweis auf die Leitlinien zu Großveranstaltungen, die die Staatskanzlei Anfang des Monats beschlossen hatte.

Die Genehmigung für 10.000 Fans sollte nach Willen der Stadt, auch bei einer Inzidenz von über 35 gelten (Frankfurt lag am Montag bei 36,7), sofern 5000 Gäste geimpft oder genesen wären. Diese Regelung kassierte das Land am Wochenende mit Hinweis auf die Leitlinien. Darin werde nicht zwischen Geimpften und Ungeimpften unterschieden. Bei einer Inzidenz von mehr als 35 seien definitiv nur 5000 Zuschauerinnen und Zuschauer erlaubt.

Fraglich, ob Eintracht Frankfurt neuen Bescheid bekommt

Da das Land der Stadt in derartigen Fragen Weisungen erteilen kann, wäre nun der nächste Schritt, dass die Stadt ihren Bescheid korrigiert und nur noch 5000 Fans zulässt. Dagegen würde die Eintracht vor dem Verwaltungsgericht vorgehen und vorläufigen Rechtsschutz fordern.

Fraglich ist aber, ob der Klub einen neuen Bescheid bekommt. Denn wie Majer mit Verweis auf das städtische Rechtsamt erklärte, gebe es derzeit in Hessen keine Rechtsgrundlage für einen neuen Bescheid. „Beim Genehmigungsverfahren haben wir uns strikt an die Verordnung des Landes Hessen zum Schutz der Bevölkerung vor Infektionen mit dem Coronavirus Sars-CoV 2 gehalten“, sagte Majer. Danach müsse die Behörde geimpfte oder genesene Personen bei der Höchstzahl von Teilnehmenden eben nicht mitzählen. Die derzeit geltende hessische Verordnung sehe zudem keinerlei spezielle Regelungen bei höheren Inzidenzen vor. Bevor das Land von ihm verlange, der Eintracht einen neuen Bescheid zu schicken, müsse es die Verordnung ändern.

Damit könnte es sein, dass die Eintracht unabhängig von der Inzidenz vor 10.000 Fans spielen kann. Auf der anderen Seite bekäme der Bundesligist so auch keinen Hinweis darauf, wie die Gerichte in einem ähnlichen Fall zu Beginn der Bundesliga-Saison entscheiden würden. Dann hoffen die Hessen auch bei hohen Inzidenzen auf bis zu 25.000 Fans, darunter 20.000 Geimpfte oder Genesene.

Die hessische Landesregierung wollte Erfolgsaussichten möglicher Klagen nicht bewerten. Das tue sie grundsätzlich nicht, hieß es aus dem Haus von Sozialminister Klose.

Das Ministerium warnte erneut vor „sehr weitgehenden Lockerungen“, insbesondere bei „Großveranstaltungen mit überregionaler Bedeutung“. Auch weitgehende Lockerungen für geimpfte Personen kämen nach Auffassung des Klose-Ministeriums zu früh. Nach Erkenntnissen des Robert-Koch-Instituts könnten auch geimpfte Personen das Virus weitergeben, „wenn auch mit viel geringerer Wahrscheinlichkeit“, teilte das Ministerium in Wiesbaden auf Anfrage der Frankfurter Rundschau mit. Das gelte vor allem wegen der hoch ansteckenden Delta-Variante des Coronavirus.

Anders als Feldmann und Majer sieht Klose in der Beschränkung der Zuschauerzahl im Eintracht-Stadion auch keine Beeinträchtigung von Bemühungen, das Impfen populär zu machen. „Die Landesregierung ruft regelmäßig dazu auf, sich zum Schutz vor der Erkrankung wie auch zur Vermeidung des Weitertragens der Infektion impfen zu lassen, und begrüßt grundsätzlich alle Maßnahmen, die zur Steigerung der Impfquote beitragen“, hieß es aus dem Ministerium.

Nancy Faeser: Fußballfans in Hessen brauchen klare Linie

Die SPD im Landtag zeigte sich verärgert über Kloses Haltung. „Schwarz-Grün kann nicht einfach wahllos Geimpfte, Genesene und Ungeimpfte in einen Topf werfen“, argumentierte Fraktionschefin Nancy Faeser. Die hessischen Fußballfans brauchten „endlich eine klare Linie bei Veranstaltungsbesuchen und vor allem einen Anreiz, sich impfen zu lassen“.

Unterdessen hat der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) in einem Offenen Brief an Klose und Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) Anreize für Impfwillige gefordert „Ich appelliere daher an Sie: Erlauben Sie Geimpften und Genesenen den Zutritt zu Veranstaltungen über die jeweiligen Höchstgrenzen hinaus.“ (Georg Leppert/Pitt von Bebenburg)

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