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Die Eintracht zeigt ihr Europa-Gesicht

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Von: Daniel Schmitt

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Einfach gut, egal was im Pass steht: Makoto Hasebe. Foto: AFP
Einfach gut, egal was im Pass steht: Makoto Hasebe. © Nicola Tucat/afp

Sportlich überzeugen die Frankfurter in Marseille als Einheit, weil Eintracht-Coach Oliver Glasner einen Fehler korrigiert und Altmeister Makoto Hasebe so spielt, wie er immer spielt.

Marseille – Ganz am Ende dieses chaotischen Randaleabends schien auch die UEFA den Durchblick zu verlieren. Die Oberaufseher des europäischen Klubfußballs wählte doch tatsächlich Daichi Kamada zum „Man of the Match“, zum Spieler des Spiels, was prompt Gedanken an eine schlichte Verwechslung wecken sollte.

Kamada, der Mittelfeldspieler von Eintracht Frankfurt, erwischte am Dienstag beim 1:0-Auswärtserfolg am zweiten Spieltag der Champions League bei Olympique Marseille zwar einen guten Abend, er schoss fast ein Tor, befreite sich zudem immer wieder mit geschmeidigen Bewegungen aus engen Spielsituationen, freilich deutlich besser kickte jedoch sein japanischer Landsmann Makoto Hasebe. Der 38-Jährige, der Methusalem in Diensten des hessischen Bundesligaklubs, behielt im mit Hass und Feindseligkeit aufgeladenen Hexenkessel (Siehe auch Artikel auf nebenstehender Seite), über 96 Minuten die totale Ruhe.

Eintracht Frankfurt: Lob für Makoto Hasebe

„Hase war phänomenal“, sagte der Frankfurter Sportvorstand Markus Krösche, in dessen Lob der Eintracht-Trainer Oliver Glasner einstimmte: „Es ist total verdient, dass Makoto nach dieser Leistung hervorgehoben wird. Er hat das souverän gemacht.“ Überraschend sei diese Leistung für ihn, den Trainer, jedoch nicht gekommen, denn „auf Makoto ist immer Verlass – als Spieler und als Mensch.“

Makoto Hasebe, eine Führungspersönlichkeit, die kaum Worte braucht, sondern nur auf dem Platz stehen muss, um auch seine Mitspieler besser zu machen. Gerade die jungen Verteidiger Evan Ndicka und Tuta, beide gerade 23 geworden, taten sich an der Seite des Altmeister, der die Mittelposition der Fünferabwehrkette mit all seiner Routine gekonnt ausfüllte, wesentlich leichter. Sie konnten sich auf ihre Zweikämpfe konzentrieren, mussten nicht mehr eine ganze Hintermannschaft organisieren.

Und was sagte der Gelobte selbst zu seinem fußballerischen Vortrag? „Ich denke, persönlich habe ich ein ordentliches Spiel gemacht.“ Makoto Hasebe lächelte bei diesem Satz breit, Understatement pur, er weiß das. Überbordene Selbsthuldigung aber passt nicht zu diesem angenehmen Typen. Die individuelle Leistung, so Hasebe, sei nicht wichtig, es zählten die drei Punkte. Aber: „Ich bin sehr stolz, dass ich mit 38 Jahren noch mal Champions League spiele.“ Darf er auch sein.

Eintracht Frankfurt: Glasner stellt gegen Marseille um

Die Entscheidung von Oliver Glasner, sein System erneut umzubauen und wieder zu einer Abwehrformation mit Hasebe als deren Mittelsmann zurückzukehren, war eine richtige wie überfällige. Eine, von der sich der Trainer offenbar erst einmal selbst überzeugen musste. Auf viel zu wenige Einsatzminuten war Hasebe zuvor gekommen, 26 in der Liga, 24 im Pokal, sechs in der Champions League. Ein fast jährlich wiederkehrendes Phänomen zu Saisonbeginn, dieser Verzichtsversuch verschiedenster Fußballlehrer auf Hasebe, der unverständlich ist für viele Betrachter:innen, wenngleich der ehemalige Nationalspieler wegen seines fortgeschrittenen Alters wohl tatsächlich nicht mehr im Drei-, Vier-Tagesrhythmus auflaufen kann. Doch: Es hätte eben deutlich mehr Spielzeit sein sollen, dem Frankfurter Teamerfolg wäre dies jedenfalls eher nicht abträglich gewesen. Ein Fehler, den Glasner nun korrigierte. Gut so.

Alles in allem machte nicht nur der neue Alte im Team ein gutes Spiel, sondern die gesamte Mannschaft einen stabilen Eindruck. Etwas defensiver eingestellt, ließen die Hessen die Profis von Olympique kommen, lauerten auf Ballgewinne und schalteten schnell um. Der kluge Plan des Trainers ging auf, spätestens nach dem Treffer von Jesper Lindström kurz vor der Pause stellte die Eintracht die reifere Elf. Marseille hatte zwar im zweiten Abschnitt ebenfalls Tormöglichkeiten, die Partie hätte natürlich auch Remis enden können, gerecht wäre dies jedoch nicht gewesen. Im Schlussdrittel der Partie vergaben die Gäste einen klareren Erfolg. „Großes Kompliment für meine Mannschaft. Das Spiel war sehr umkämpft, wir waren über weite Strecken sehr diszipliniert“, sagte Glasner: „Ich denke, über 90 Minuten ist es ein verdienter Sieg.“ Recht hatte er.

Die Frankfurter Fußballer präsentierten in Marseille ihr Europa-Gesicht. Die Profis auf dem Rasen agierten als Einheit, gallig, giftig, sie ließen dem Gegner keinen Raum, bedrängten ihn in den Zweikämpfen, wollten diese unbedingt gewinnen. Die Ansage Glasners nach dem Wolfsburg-Debakel zeigte offenbar Wirkung.

Eintracht Frankfurt: „Spieler haben gezeigt, dass sie eine großartige Mannschaft sind“

Obwohl gerade auf den Außenbahnen ungewohntes Personal spielte, links erstmals Ansgar Knauff, rechts Kristijan Jakic, fiel dies kaum ins Gewicht. Eine stabile Teamleistung machte mögliche Einzeldefizite wett. „Die Spieler haben mal wieder gezeigt, dass sie eine großartige Mannschaft sind“, sagte Glasner und fügte an: „Wenn jeder an seine Leistungsgrenze geht, können wir in vielen Stadien gegen viele Mannschaften gewinnen.“ Darüber hinaus kassierten die Hessen für den Dreier von der UEFA eine Siegprämie in Höhe von 2,8 Millionen Euro.

Die Ausgangslage in der königlichen Premierensaison ist für die Eintracht damit entscheidend besser geworden. Bei einer weiteren Niederlage nach dem 0:3-Auftakt gegen Sporting Lissabon wäre das Achtelfinale bereits in weite Ferne gerückt, nun aber sind die Hessen wieder mittendrin im Rennen. Sporting sechs Punkte, Tottenham und die Eintracht jeweils drei, Marseille null. Anfang Oktober (4. und 12.) wartet nun der brettharte Spieledoppelpack gegen den eigentlichen Gruppenfavoriten aus London. „Es ist alles drin“, so Glasner. Logisch.

Vor Tottenham (und vor einer Bundesligapause) aber ist noch Stuttgart, am Samstag sind die Frankfurter im Alltag beim VfB gefordert. Gegen eine Mannschaft, die die Schwächen der Eintracht analysiert haben dürfte, ihr mutmaßlich weniger Räume geben und vermehrt den Ball überlassen wird. Dafür wollen Lösungen gefunden werden - es ist ein nächster Härtetest. „Jetzt müssen wir alle Körner sammeln und noch mal ein super Spiel herauszuholen“, sagte der spät eingewechselte, aber mit klugen Pässen in der Endphase wichtige Kapitän Sebastian Rode: „Das Spiel muss uns Schwung geben. Wer vor so einer Kulisse bestehen kann, der hat schon etwas drauf.“ Siehe Makoto Hasebe. (Daniel Schmitt)

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