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Im Zeichen des Adlers: Eintracht Frankfurt wappnet sich für die Zukunft.

Eintracht Frankfurt

Eintracht will nach Perlen tauchen

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Aufsichtsratschef Wolfgang Steubing sieht Eintracht Frankfurt für die Zukunft gut gerüstet.

Dieser Tage wird sich Wolfgang Steubing erst einmal verabschieden und Frankfurt den Rücken kehren. Für 14 Tage geht es ab in den Süden, Beine hochlegen, Gedanken fliegen lassen und abends ein, zwei Gläschen Wein – so lässt es sich aushalten. Der 67-Jährige hat eine Auszeit dringend nötig, die zurückliegende Runde hat auch den Aufsichtsratschef der Eintracht geschlaucht, am Mittwoch folgte dann noch eine abschließende Mammutsitzung des Kontrollorgans mit dem Vorstand. Sechs Stunden tauschten sich die hohen Herren am Riederwald aus, wälzten Konzepte und schlugen erste Pflöcke ein. „Es war eine intensive Sitzung“, sagt Steubing. „Danach weiß man, was man getan hat.“

Fall Hradecky vor der Entscheidung

Der Aufsichtsrat hat während der Versammlung auch den Finanzrahmen für die neue Spielzeit abgesegnet, das Ausgabevolumen soll bei knapp 15 Millionen Euro liegen. Das kann sich erhöhen, wenn etwa Torwart Lukas Hradecky den Klub noch verlassen sollte, wonach es zurzeit aussieht. Schwer vorstellbar, dass die Eintracht und der Schlussmann zusammenkommen. „Das wird in den nächsten Tagen entschieden“, so Steubing. Vonseiten der Eintracht sei das Angebot „ausgereizt“, da gebe es auch kein Nachverhandeln mehr. „Er muss jetzt Yes oder No sagen“, bekundet Steubing. „Wenn er No sagt, müssen wir nach Lösungen suchen.“ Im Umkehrschluss heißt das: Entweder Hradecky geht für viel Geld oder er wird sich zunächst auf der Tribüne wiederfinden.

Mit dem Vorstand, so Steubing, liege man in allen wichtigen Bereichen auf einer Wellenlänge, „da gibt es nichts, wo der Aufsichtsrat aus allen Wolken fällt“. Die Aufgaben seien komplex, weil das Budget zwar nicht mehr so schmal wie vor einem Jahr ausfalle, „doch die Besonderheiten fangen bei uns schon bei einer Million Euro an“, sagt der Wertpapierhändler. Man rede nun nicht mehr von einem Investitionsvolumen von „2,75 Millionen, aber es sind auch keine 20 Millionen“. Vor der Eintracht liegen intensive, anstrengende und bedeutende Jahre. Da geht es um den Bau der neuen Geschäftsstelle und den Stadionausbau. „Das sind bombige Projekte“, befindet Steubing. Großprojekte, die die Eintracht dauerhaft konkurrenzfähig und in eine bessere Zukunft tragen sollen. „Das geht nicht von heute auf morgen, das sind Dinger, die schüttelt man nicht aus der Hand.“ Aber solche Vorhaben, die viele Millionen Euro verschlingen werden, seien absolut notwendig, um von der Konkurrenz nicht abgehängt zu werden.

Kurzfristig geht es darum, ein schlagkräftiges Team aufzubauen, das nicht in Abstiegsgefahr geraten soll. „Wir brauchen keine Stars, aber eine attraktive Mannschaft, mit der wir ein bisschen was reißen können“, betont Steubing. Das wird schwer genug. Das wissen sie im Führungszirkel der Eintracht. „Stuttgart und Hannover kommen hoch, selbst Freiburg hat schon einen ähnlichen Etat wie wir.“ Kleine Fische hätten sich aus dem Haifischbecken Bundesliga verabschiedet. „Darmstadt und Ingolstadt gibt es nicht mehr.“

Steubing ist von der Sportlichen Leitung und dem Trainerteam absolut überzeugt. Niko Kovac etwa habe „einen super Namen, viele wollen unter ihm trainieren“, und Fredi Bobic sei in seiner Zeit bei Eintracht Frankfurt schon „dreimal um die Welt gereist“.

Das imposante Netzwerk des Sportvorstands beeindruckt und verblüfft den Aufsichtsratsboss gleichermaßen: „Er hat sehr gute Connections.“ Wenn er die Herangehensweise und Arbeitsweise mit der aus den zurückliegenden Jahre vergleiche, „dann ist das ein Unterschied wie Tag und Nacht“. Dieser Fleiß und diese Akribie seien für einen Klub wie die Eintracht die einzige Chance, ein paar Schritte nach vorne zu kommen.

Gerade bei der Suche nach neuen Spielern sei Fantasie gefragt. „Wir müssen die holen, die noch nicht jeder kennt. Wir müssen die Perlchen rausfischen und sie veredeln.“ Das gehe nur mit Beharrlichkeit, Umtriebigkeit, Überzeugungskraft, Verhandlungsgeschick, einem guten Auge und einem eng gewebten Beziehungsgeflecht. Und der Trainer müsse etwas in dem Spieler sehen. „Er muss zu uns passen, und Niko muss sagen: ,Aus dir mache ich was’.“

Steubing lobt das harmonische Miteinander auf allen Ebenen, „das ist eine neue Art der Zusammenarbeit“. Selbst als die Mannschaft von einer Niederlage zur nächsten taumelte, es langsam unruhig wurde und er aus dem Umfeld schon die eine oder andere kritische Stimme in Richtung des Trainers vernommen habe, habe die Eintracht die Reihen geschlossen gehalten: „Der Trainer war bei uns nie ein Thema, nicht eine einzige Sekunde.“

Neben Steubings Europa-Traum („Porto und Bordeaux – das war schon toll“), lebt seit Samstag auch der Traum, noch mal nach Berlin ins Finale zu kommen. Die einzigartige Atmosphäre, der rundum gelungene Auftritt der Eintracht abseits des Feldes und auch auf dem Platz und vor allem die Darbietung der Fans haben es ihm angetan: „Alle waren beeindruckt und gefangen von der Atmosphäre. Ich gehe ja auch schon 60 Jahre auf die Sportplätze, aber so etwas habe ich noch nie erlebt.“

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