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Edelfan: Ottmar Ulrich, hier in Abu Dhabi.
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Edelfan: Ottmar Ulrich, hier in Abu Dhabi.

Eintracht-Fan

Mit der Eintracht um die Welt

Ottmar Ulrich ist immer dabei, als Fan und Abteilungsleiter. Eintracht Frankfurt – sein Verein – steht kurz vor dem Gang in die zweite Liga.

Von Manuel Schubert

Kaum zu glauben, dass jemandem wie Ottmar Ulrich so ein Satz entfahren kann. „Bei einem Abstieg“, sagt der 63-Jährige und zuckt mit den Schultern, „geht die Welt auch nicht unter“. Ulrich, lehnt sich zurück, nippt an seinem Cappuccino. Er wirkt tiefenentspannt. Das verwundert ein wenig. Müsste er nicht in größter Sorge sein?

Denn Eintracht Frankfurt – sein Verein – steht kurz vor dem Gang in die zweite Liga. Und Ulrich, das kann man mit Fug und Recht behaupten, ist vermutlich einer der größten Fans, die die Eintracht hat. Mit Sicherheit ist er einer der verrücktesten. Seit 1974 besitzt er eine Dauerkarte, bei jedem Heimspiel ist er im Stadion, auch bei gut der Hälfte aller Auswärtspartien. Den Urlaub mit Gattin Conny legt er in Länderspielpausen oder auf spielfreie Wochenenden, oder es geht nach Fuerteventura, denn „da gibt es Kneipen mit Sky, aber die zeigen meistens Konferenz“. Zur Not wird halt im Hotelzimmer auf dem Laptop geguckt. In Ulrichs Garten steht ein Fahnenmast, hoch über seinem Haus weht der Adler im Wind. „Und ja, ich weiß, das klingt bekloppt“, erzählt Ulrich, „aber ich habe auch an einem spielfreien Wochenende geheiratet.“

Aber sollte die Eintracht nun wirklich zum fünften Mal in ihrer Vereinshistorie den Gang ins Unterhaus antreten müssen, täte das „schon total weh“, sagt Ulrich. Er verschränkt die Arme. Der Edelfan sitzt im weißen Hemd an einem Tisch vor der „Diva“, dem Restaurant im Erdgeschoss des Leistungszentrums der Eintracht am Riederwald. Der Tag ist eigentlich viel zu schön, um über ein trauriges Thema wie den Abstieg zu reden. Der Himmel ist blau, die Sonne scheint, Ulrich rückt seine Sonnenbrille zurecht, wischt sich ein paar Schweißperlen von der Stirn. Er muss nicht lange überlegen, er hat viel zu sagen zu seiner Eintracht. „Wenn man es realistisch sieht, stehen wir da, wo wir hingehören“, betont Ulrich. „Wenn man keine Tore schießt, hat man’s halt verdient.“

Die Ulrichs sind immer dabei

Eins ist aber klar: Auch nach dem Abstieg würde Ulrich zur Eintracht stehen. „In der zweiten Liga wird ja auch Fußball gespielt“, sagt der Geschäftsführer eines Immobilienunternehmens lapidar. Und er wird sie weiterhin in jedes Trainingslager begleiten – denn das tun er und seine Frau seit rund 20 Jahren. Ob Doha, Windischgarsten, Norderney oder zuletzt in Abu Dhabi, ob Sommer oder Winter, die Ulrichs sind dabei. Im Zillertal fing alles an. Die Mannschaft weilte dort im Trainingslager, das Ehepaar in Südtirol. Am Anfang war es nur ein Tagesausflug. Mal das Teamhotel begutachten, dann noch ein Testspiel der Eintracht anschauen. Und plötzlich war ein neues Hobby geboren.

Mittlerweile kann sich der Eintracht-Tross sicher sein: Wo er auch hinfliegt, Familie Ulrich wartet dort schon. Ob morgens, mittags oder abends, „wir lassen kein Training aus“, berichtet der Mörfelder. An den Trainingslagern schätzt er, dass man hinter die Kulissen gucken könne und immer auf Gleichgesinnte trifft. „In der Fangemeinde ist jeder anerkannt, ob 18 oder 48, ob Geschäftsführer oder arbeitslos“, sagt Ulrich. „Das finde ich einfach schön.“ Und: Man habe immer ein gemeinsames Gesprächsthema. „Zum Fußball hat jeder eine Meinung.“

Früher kannte Ulrich auch zahlreiche Spieler persönlich. „Alex Schur, Zampach, Fjörtoft, Bindewald, auch unser Oka“, zählt er auf, „die haben sich abends zu dir an die Bar gesetzt“. Heute gebe es so etwas nicht mehr. „Damals war das eine andere Generation, heute sind das alles Einzelkämpfer“, glaubt Ulrich. „Aber das ist auch okay“, sagt er. „Ich bin ja kein Spielerfan, sondern Eintrachtfan.“ Doch trotz allem sei die Eintracht immer volksnah geblieben. „Abschottung wie bei den Bayern gibt’s nicht.“

Während Ulrich vor der „Diva“ sitzt, wird er gefühlt von jedem, der vorbeiläuft, gegrüßt. Am Riederwald ist er ein bekanntes Gesicht, schließlich ist er seit einiger Zeit nicht mehr nur Fan, sondern auch Mitarbeiter: Vor drei Jahren übernahm Ulrich ehrenamtlich den Posten des Abteilungsleiters Fußball, zuvor war er bereits anderthalb Jahre Stellvertreter. Während sich das Leistungszentrum um die männlichen Jugendteams der Eintracht kümmert, ist Ulrich vor allem für den Bereich Frauenfußball zuständig. Fünf Teams hat die Eintracht aktuell angemeldet. Dazu schaut Ulrich bei den zwei Soma-Mannschaften nach dem Rechten. Die eine bestreitet regelmäßig Freundschaftsspiele, die andere, bei der der frühere Bundesligaprofi Erwin Stein mitkickt, trainiert lediglich zum Spaß. Und zu guter Letzt betreut Ulrich auch die 18 Schiedsrichter der Eintracht. Das alles macht in der Woche zwischen zehn und 15 Stunden Arbeit. Die Arbeit der Trainer koordinieren, ein offenes Ohr für die Eltern der Spielerinnen haben, Absprachen mit dem Verband, die Finanzen regeln, das sei „nicht viel weniger Arbeit als bei den Männern“, beschreibt Ulrich.

Hoffnung auf das Scouting

Auch bei den Eintracht-Frauen läuft es aktuell nicht ganz rund. Die erste Mannschaft steht in der Regionalliga Süd bereits als Absteiger fest. „Ziel ist jetzt der Wiederaufstieg“, betont Ulrich. Bei den Jugendteams läuft es hingegen besser. Besonders stolz ist er auf die U13, die bei den D-Junioren auf dem dritten Platz steht – in einer Liga, in der sonst nur männliche Mannschaften spielen. „Schon lustig, dass die da gegen die Jungs gewinnen“, sagt Ulrich und grinst verschmitzt.

Der Wiederaufstieg muss nun auch für die Eintracht-Profis gelten. Ottmar Ulrich legt seine Hoffnungen in den neuen Sportvorstand, wer auch immer es nun wird. „Ich hoffe, das unser Scouting besser wird“, grübelt er. Woran es nun aber liege, dass sich sein Herzensverein aller Wahrscheinlichkeit nach aus der Erstklassigkeit verabschieden muss, „das weiß ich nicht“, sagt Ulrich. Nur eines weiß er ganz genau: Dass er Eintracht Frankfurt weiterhin die Treue halten wird.

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