Frederik Rönnow von Eintracht Frankfurt.
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Frederik Rönnow von Eintracht Frankfurt.

Wechselspiele

Rönnow treibt Wechsel voran - Eintracht bei Angeboten für Paciencia gesprächsbereit

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Noch immer hat West Ham United die fehlenden 24 Millionen Euro für Sebastian Haller nicht bezahlt, was dazu führt, dass große Transfers nicht realisierbar sind.

Von der Insel schwappte die vermeintlich gute Nachricht rund um Sebastien Haller hinüber aufs Festland, nach Deutschland, nach Frankfurt, doch komischerweise löste sie bei der Eintracht vom Main keine Welle der Begeisterung aus. Die gute Nachricht war die, die der britische „Telegraph“ verbreitete, nämlich, dass der Premier-League-Klub West Ham United sich mit dem Fußball-Bundeslisten auf eine Zahlung der ausstehenden Tranchen im Ablösestreit um Haller geeinigt habe. Demnach hätten sich die Londoner mit der Eintracht auf Druck des Weltverbands Fifa auf verbindliche Modalitäten verständigt, die stattliche Summe werde nun sukzessive abgestottert. Die Krux an der Geschichte: Sie stimmt nicht.

In Wahrheit hat sich die Fifa auf Intervention des Frankfurter Klubs tatsächlich eingeschaltet und West Ham auch dazu verdonnert, die ausstehenden Zahlungen des 40-Millionen-Deals zu tätigen. Die Verantwortlichen der Hammers haben aber nur halbgare Abschlagszahlungen angeboten, die den Preis drücken sollten und die der Bundesligist nicht akzeptieren konnte. An der Ausgangslage hat sich also nichts geändert, West Ham schuldet der Eintracht noch 24 Millionen Euro. Ein Haufen Geld, das den Hessen natürlich an allen Ecken und Enden fehlt.

Die Fifa wird die Engländer erneut ermahnen, im Zweifel einen Transferstopp erlassen. Das bringt der Eintracht vordergründig erst mal nichts, erhöht aber den Druck auf West Ham, doch mit einer solchen Entscheidung ist kaum vor Ende der Transferperiode am 5. Oktober zu rechnen. Die Eintracht ist weiterhin davon überzeugt ist, die ihr zustehenden Millionen zu erhalten – sie weiß nur nicht, wann.

Eintracht-Interesse an Hrustic

Das bringt sie erheblich unter Druck, durch die Corona-Krise ist die wirtschaftliche Situation ohnehin höchst angespannt, und logischerweise hat der Klub mit den Haller-Millionen geplant, um die Mannschaft zu verstärken. Nun müssen die Frankfurter einen Liquiditätsengpass durchstehen, der das Agieren auf dem Transfermarkt verkompliziert. Zurzeit sind der Sportlichen Leitung die Hände gebunden, ein Deal über fünf, sechs Millionen ist aktuell nicht darstellbar. Daher kommen dann Akteure wie Offensivkraft Ajdin Hrustic ins Spiel, ein 24-Jähriger, der aufgebaut werden soll, eine gewisse Entwicklungsfähigkeit mitbringt – und ein Schnäppchen wäre. Die vom FC Groningen geforderten zwei Millionen Euro wird die Eintracht nicht zahlen, eher die Hälfte.

Die Situation würde sich freilich ändern, wenn die Eintracht noch Spieler abgeben könnte. Selbst Verkäufe von Leistungsträgern sind, wie bei vielen anderen Klubs auch, nicht kategorisch ausgeschlossen.

Verteidiger Evan Ndicka würde Geld bringen, ernstzunehmende Angebote gibt es aber nicht. Martin Hinteregger ist begehrt, will aber unbedingt bleiben. Die Eintracht wäre aber unter Umständen bereit, den Publikumsliebling abzugeben – da müsste aber schon eine Offerte von mindestens 25 Millionen Euro eingehen, drunter geht nichts. Auch Filip Kostic ist nicht unverkäuflich, nach Monaco zu Niko Kovac zieht es den schnellen Serben aber nicht. „Filip ist ein Guter. Ich finde ihn großartig“, sagt der Ex-Eintracht-Trainer der „Sportbild“, „aber Eintracht Frankfurt braucht so einen tollen Spieler selbst.“ Sehr großzügig.

Eintracht: Funkstille mit FC Brügge wegen Bas Dost

Und laut „Sport 1“ steht Torwart Kevin Trapp bei einigen Topklubs aus England und Spanien auf dem Zettel. Der 30-Jährige hat sich aber klar zur Eintracht bekannt, er wird an Bord bleiben – sollte kein astronomisches Angebot hereinflattern, wovon eher nicht auszugehen ist. Sehr viel wahrscheinlicher ist der Abgang von Frederik Rönnow, der Nummer zwei, er treibt einen Wechsel mit Verve voran. Ein Torwartleben im Schatten der Galionsfigur Trapp hat er satt.

Insofern ist es bedauerlich, dass das Interesse des FC Brügge an Sturmtank Bas Dost offenbar nur ein Strohfeuer war. Die Belgier hatten dem Niederländer in Kürze den Kopf verdreht und ihn mit aller Macht holen wollen. Doch so schnell das Interesse aufflackerte, ist es erloschen, zurzeit herrscht Funkstille. Generell wäre die Eintracht nicht abgeneigt, den 31-Jährigen ziehen zu lassen, fünf, sechs Millionen sollten drin sein, zudem würde sie das üppige Gehalt sparen. Von Dost, ein guter Typ, ist keine Leistungsexplosion mehr zu erwarten, für Adi Hütters Fußball mit hohem Pressing ist er nicht geeignet. Das, klar, wusste man vorher, doch dass der frühere Wolfsburg solch immens große Schwierigkeiten hat, sich körperlich auf ein angemessenes Niveau zu hieven, kam doch überraschend. Und auch bei Goncalo Paciencia wären die Frankfurter bei einem entsprechendem Angebot gesprächsbereit.

Vieles deutet darauf hin, dass auch in diesem Jahr viele Transferaktivitäten in beiden Richtungen auf den letzten Drücker getätigt werden. Darauf hatte Sportvorstand Fredi Bobic schon weit vor Beginn der Vorbereitung hingewiesen. Die Eintracht ist vorbereitet, falls sich ihre Kasse durch einen Verkauf füllen würde. Doch klar ist auch, dass sich nicht mehr alles realisieren lassen wird, was die Planung am Reißbrett vorgesehen hatte. Je später es wird, desto ungeduldiger werden manche Kandidaten. Sportdirektor Bruno Hübner bleibt aber wie immer optimistisch: „Wir haben in der Vergangenheit bewiesen, dass wir unsere Überlegungen durchbekommen, selbst wenn es auf den letzten Drücker ist. Das Ganze ist ein Prozess, und aus diesem Prozess sind wir relativ oft als Gewinner hervorgegangen.“

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