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Erster Arbeitstag für Markus Krösche in Frankfurt. Foto: AFP
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Erster Arbeitstag für Markus Krösche in Frankfurt.

Neuer Macher

Neuer Eintracht-Vorstand: Markus Krösche will Silva und Kostic zum Verbleib überreden

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Der neue Eintracht-Sportchef fängt Menschen ein, will André Silva halten und noch schnelleren Vollgasfußball. Und er verspricht Feuerwerke in Heimspielen.

Frankfurt - Wäre es nach Eintracht-Denkmal Karl-Heinz Körbel gegangen, wäre Markus Krösche schon vor fast zwei Jahrzehnten mit dem Adler auf der Brust aufgelaufen. Der juvenile Zerstörer, der damals beim SC Paderborn mit Herren wie Patrick Owomoyela oder Roger Schmidt in der Regionalliga Nord kickte, war dem treuen Charly aufgefallen; Krösche, fand Rekordspieler Körbel, könne einer für die Eintracht sein, die damals in der Unterklasse unterwegs war. Doch der sonderbare Tony Woodcock, seinerzeit Manager, schmetterte den Vorschlag der Eintracht-Ikone ab. Das war 2002.

So dauerte es fast 20 Jahre, ehe Markus Krösche, heute 40 Jahre alt, mit ganz langem Anlauf doch noch in Frankfurt landete. Am Dienstag wurde er als neuer Sportvorstand offiziell vorgestellt und wählte gleich salbungsvolle Worte, um die Bedeutung des Moments herauszustreichen: „Eintracht Frankfurt ist ein Klub mit Riesentradition und großer Strahlkraft. Ich bin extrem froh und sehr stolz, ein Teil davon zu sein.“ Die Erwartungen sind groß, die Fußstapfen ebenso. „Aber ich habe keine Angst vor irgendeiner Fallhöhe“, sagte der Familienvater selbstbewusst. Zur Begrüßung gab es erst einmal einen üppigen Obstkorb. „Wir müssen auf die Gesundheit unserer Mitarbeiter achten“, betonte Aufsichtsratschef Philip Holzer schmunzelnd.

Markus Krösche also. Der gebürtige Hannoveraner lenkt ab sofort als Nachfolger von Fredi Bobic die Geschicke des Europapokalstarters, er wird dies, wie er versicherte und wie zu spüren war, mit größtmöglichem Engagement tun. Bei seiner Vorstellung hinterließ er einen guten, sittsamen, souveränen Eindruck, höchst professionell und klar strukturiert. Der Ruf des Menschenfängers eilt ihm voraus, er sei, wie eine Kollegin anmerkte, der Gegenentwurf seines Vorgängers, ein Anti-Bobic gewissermaßen. Krösche umdribbelte den Fallstrick geschickt, er habe ein gutes Verhältnis zu Fredi Bobic, der in Frankfurt klasse Arbeit geleistet habe. Und überhaupt: „Ich behandele die Menschen so, wie ich selbst behandelt werden möchte.“ Seine Philosophie der Führung fußt auf drei Grundsätzen: Spaß, Mut und Überzeugung.

Er gebe Vertrauen und übertrage Verantwortung. „Eine gute Atmosphäre ist wichtig, um Motivation und Identifikation zu schaffen.“ Das klingt, bei aller Vorsicht, weniger nach zeitlich begrenzter Projektarbeit als bei seinem Vorgänger. Krösche, das passt dazu, hat schon eine eigene Wohnung bezogen, „um Frankfurter zu werden“, für ihn sei so ein Rückzugsort „als Ruhepol extrem wichtig“. Bobic hat fünf Jahre im Hotel am Main logiert.

Eintracht Frankfurt: „Feuerwerk abbrennen“

Krösche, studierter Betriebswirt, hat eine sehr genaue Vorstellung davon, was er in Frankfurt schaffen will. Zuvorderst geht es ihm da um die Ausrichtung auf dem Spielfeld. „Wir wollen attraktiv, offensiv und unberechenbar spielen.“ Der vor einigen Jahren implementierte Ansatz des Vollgasfußballs soll konsequent fortgeführt werden. „Wir wollen das noch intensivieren“, sagte Krösche, in Paderborn Kultfigur. „Wenn wir das umsetzen können, dann werden wir viele Spiele gewinnen und in jedem Heimspiel ein Feuerwerk abbrennen können.“

Genau deshalb sei Oliver Glasner als Trainer ausgesucht worden. „Er war von Anfang an unser Wunschkandidat, hat herausragende Arbeit geleistet“, sagte Krösche. Mit dem Österreicher sei man schon länger einig gewesen, „aber er war mit Wolfsburg im Champions-League-Kampf, da haben wir Rücksicht genommen, das ist ein sensibles Thema“. Das weiß man in Frankfurt, leidvoll.

Von der aktuellen Mannschaft, die sich am 28. Juni zu ersten medizinischen Tests einfinden und wahrscheinlich kein Trainingslager beziehen wird, ist der von RB Leipzig an den Main gewechselte Sportchef überzeugt. „Es ist eine Herausforderung, den Kader zu verstärken, weil er schon sehr gut ist“, befand er. Punktuell soll das Team dennoch verbessert und gerade in der Offensive ein anderes Element eingebracht werden. „Wir werden auf Geschwindigkeit setzen.“ Im modernen Höchsttempo-Fußball keine schlechte Idee.

Eintracht Frankfurt: Da Costa kehrt zurück

Ansonsten werde er versuchen, die Mannschaft zusammenzuhalten. „Ein großer Umbruch ist nicht geplant, den wollen wir nicht haben.“ Ob das klappt, steht auf einem anderen Blatt. Natürlich weiß er, dass Spieler wie Filip Kostic oder André Silva heiß begehrt sind. „Ich werde versuchen, sie zu überzeugen, den Weg weiter mit uns zu gehen. Sie wissen, was sie an der Eintracht haben.“

Teil des Teams wird in der neuen Saison auf jeden Fall wieder der zuletzt nach Mainz entliehene Danny da Costa sein: „Er kann uns helfen, unsere Ziele zu erreichen“, sagte Krösche. Ziele, die er nicht näher benennen wollte. Warum sollte er die Latte auch gleich hochlegen?

Aufsichtsratschef Philip Holzer war sichtbar stolz, Trainer und Sportvorstand von Champions-League-Teilnehmern abgeworben zu haben. „Das zeigt, dass unser Klub sehr spannend ist.“ Gerade die Auftritte in Europa hätten die Eintracht in der Wahrnehmung auf ein anderes Level gehoben. An Krösche, „die Wunschlösung“, verteilte Holzer ausnahmslos Bestnoten. „Er hat den Blick fürs Ganze“, besteche durch Vielseitigkeit im Lebenslauf und habe schon immer Verantwortung übernommen. „Er war Spieler, Kapitän, Trainer, Co-Trainer, Sportdirektor.“ Und habe dann, mit 28, neben der Kickerei noch studiert. „Er schaut über den Tellerrand hinaus.“

Und eines hat Philip Holzer, der die Personalie Krösche im Hintergrund geräuschlos und hochprofessionell eingefädelt hat, besonders imponiert: Dass dieser sich als Manager in Paderborn in der dritten Liga eine Aufstiegsprämie für die Bundesliga hat einflechten lassen. Zwei Jahre und ein Durchmarsch später durfte er abkassieren. Wahrscheinlich ist in seinem Arbeitspapier in Frankfurt sogar eine Meisterprämie verankert. Man weiß ja nie. (Ingo Durstewitz)

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