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Ganz schön leer, die Riesenschüssel im Stadtwald: Nicht nur in Frankfurt stehen Geisterspiele jetzt wieder auf der Tagesordnung.
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Ganz schön leer, die Riesenschüssel im Stadtwald: Nicht nur in Frankfurt stehen Geisterspiele jetzt wieder auf der Tagesordnung.

Corona-Maßnahmen

Eintracht Frankfurts Vorstand Axel Hellmann: „Da geht man auf die Falschen los“

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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  • Georg Leppert
    Georg Leppert
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Axel Hellmann, Vorstand von Eintracht Frankfurt, geht in die Offensive und übt Kritik an der Corona-Politik im Umgang mit der Bundesliga.

  • Die Bundesliga spielt wegen Corona wieder vor leeren Rängen.
  • Eintracht Frankfurts Vorstand Axel Hellmann kritisiert eine „falsche Symbolpolitik“ der Regierung.
  • Gegenüber der Frankfurter Rundschau konkretisiert der Funktionär seine Haltung.

Axel Hellmann ist kein Mensch, der Entscheidungen aus dem Bauch heraus trifft. Der Vorstand von Eintracht Frankfurt, seit fast 20 Jahren in verschiedenen Funktionen im Verein aktiv, ist ein Stratege, der ein gutes Gespür dafür hat, wann er wie in Erscheinung treten muss, um das Beste für seine Belange oder die Interessen seines Klubs herauszuholen. Und so ist es kein Zufall, dass der 49-Jährige in der vergangenen Woche in der Hauptzentrale des Fußballfachmagazins „Kicker“ in Nürnberg aufschlug, um ein paar für Eintracht Frankfurt und den gesamten Profifußball relevante Themen zu hinterlegen. Es war ein bewusst gewählter, gezielter Auftritt. Axel Hellmann stört sich nämlich an dem Umgang der Politik mit der Corona-Pandemie im Zusammenhang mit dem Hochleistungssport in Deutschland.

Eintracht Frankfurt: Axel Hellmann spricht von „falscher Symbolpolitik“

Der Jurist hält die Verbannung des Publikums aus den Stadien für nicht klug und wirft der Regierung eine „falsche Symbolpolitik“ vor. Es würden Signale gesetzt, anstatt zielgerichtet gegenzusteuern. „Seit Monaten wissen wir erwiesenermaßen, wo tatsächlich die Treiber der Pandemie sind. Also private Partys, teils in Räumen, die du nicht mit Hygienekonzepten durchdringen kannst.“ Vom Fußball hingegen gehe keine größere Gefährdung aus. „Durch das Feedback des Gesundheitsamts, des Gesundheitsdezernenten und der Uniklinik Frankfurt wissen wir, dass es nicht einen nachvollzogenen Infektionsfall bei unseren Besuchern gegeben hat. Das richtig zu bewerten, ist die Aufgabe von Politik und Verwaltung.“

Axel hellmann von Eintracht Frankfurt: „Wir können kein Ping-Pong-Spiel mitmachen“

Für Hellmann ist klar, dass die Pandemie die Menschheit noch lange beschäftigen und in Schach halten wird. Deshalb forderte er im Gespräch mit der FR am Montag: „Wir können kein Ping-Pong-Spiel mitmachen: lockern, schließen, lockern, schließen.“ Über kurz oder lang müsse man sich mit tragfähigen Konzepten im Umgang mit der Pandemie befassen. „Das kommt, ob jetzt, im Januar oder im März.“ Denn Corona werde nicht einfach verschwinden. „Wir können nicht warten, bis uns ein Impfstoff in eineinhalb oder zwei Jahren wieder volle Stadien erlaubt“, sagt er. „Wenn man nicht will, dass der gesamte Profisport zerstört wird, wird man sich mit Konzepten arrangieren müssen.“

Hellmann ist der erste Verantwortliche der Liga, der dergestalt in die Offensive geht und die Restriktionen der Bundesregierung offen kritisiert. Aus der Bundesliga habe er, was nur allzu logisch ist, breite Zustimmung erfahren, von Branchenführern bis zu den Zweitligisten. Gesellschaftlich seien die Reaktionen zwiegespalten ausgefallen, was er aber für völlig normal hält, weil er verstehen könne, dass jemand eine andere Ansicht hat und das Corona-Thema ohnehin zu sensibel, brisant und polarisierend sei. Von einigen sei er für seine Aussagen „hart kritisiert“ worden, weil sie seinen Vorstoß gerade in Zeiten, da die Infektionszahlen dramatisch gestiegen sind, für unverantwortlich halten. „Andere waren glühende Verfechter meiner Worte, weil ich ihnen aus der Seele gesprochen habe.“ In der Fanszene gibt es ein geteiltes Echo.

Eintracht-Ultras sind in der Frage leidenschaftslos

Die einflussreichste Gruppierung, die Ultras, nahm den Beitrag des Funktionärs eher leidenschaftslos zur Kenntnis. Sie hatten sowieso stets erklärt, dass sie erst wieder ins Stadion gehen, wenn Normalität herrsche und sämtliche Plätze zur Verfügung stünden. Das dauert noch.

Hellmann stellte im Gespräch mit der FR klar, dass es ihm nicht um Privilegien für den Profifußball gehe. „Aber ich habe einen Berufsauftrag. So wie der Gastronom um seine Kneipe kämpft, kämpfe ich für meinen Verein.“ Er sei gewiss kein Corona-Leugner, sondern gar dafür, „harte und konsequente Maßnahmen“ durchzusetzen, aber eben dort, wo sie angebracht sind und nicht willkürlich über die Gesellschaft verteilt. „Man kann nicht unterschiedslos die angreifen, die einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Leben leisten und mit Hygienekonzepten überzeugt haben. Da geht man auf die Falschen los.“

Eintracht Frankfurt will noch nicht gegen die Beschlüsse vorgehen

Er verstehe auch nicht, weshalb gerade vom Profifußball verlangt werde, in der jetzigen Zeit demütig zu sein. „Wo soll die Demut liegen, dass wir sagen, wir verzichten auf Zuschauer? Die richtige Symbolik wäre diejenigen zu stärken, die Risiken weitgehend beherrschbar machen. Der Fußball kann hier in konsequenter Umsetzung von Hygiene- und Abstandsregeln im Bewusstsein der Menschen sehr viel bewirken. Das sollte die Politik viel stärker nutzen.“ Es sei nicht richtig, „an einer falschen Stelle Demut einzufordern“.

Der Jurist hält die Beschlüsse generell für anfechtbar. „Ein kompletter Zuschauerausschluss stellt einen so starken Eingriff in die Rechte dar, dass ich das für nicht verhältnismäßig und für juristisch angreifbar halte.“ Die Rechts- und Entscheidungsgrundlage sei dünn. Zum „gegenwärtigen Zeitpunkt“, sagte er der FR, denke die Eintracht jedoch nicht über eine Klage nach. Man werde die Entwicklung aber genau beobachten.

Eintracht Frankfurt: Ohne Zuschauer drohen bis zu 70 Millionen Euro Verlust

Hellmann malt ein düsteres Szenario für den Spitzenfußball. „Dass wir längere Zeit ohne Zuschauer spielen sollen, halte ich nicht für angemessen und eine gefährliche Entwicklung. Es wird eine Menge Druck auf die Bundesliga legen.“ Viele Vereine würden an den Rand der Existenz gebracht. Selbst ein konservativ wirtschaftender Verein wie die Eintracht gerate in die Bredouille. In der Vorsaison habe man bereits einen Umsatzeinbruch von 15 bis 20 Millionen Euro erlitten. „In der laufenden Saison kommen wir ganz schnell auf 50 bis 70 Millionen Euro, wenn auch die Rückrunde weitgehend ohne Zuschauer verläuft.“

In den ersten beiden Heimspielen hatte die Eintracht gegen Bielefeld vor 6500 und gegen Hoffenheim vor 8000 Fans gespielt. Kostendeckend ist das nicht, wirtschaftlich sind die Geisterspiele, so zynisch sich das anhören mag, für den Vereine sogar die günstigere Variante. Aber die Rückkehr des Publikums wurde allenthalben als Signal gewertet, als ein Stückchen Normalität in unsicheren Zeiten, auch als erster Schritt hin zu einer höheren Auslastung.

Hellmann hält es problemlos für möglich, in Frankfurt 17.000 Zuschauer und Zuschauerinnen in die Arena zu lassen, ohne das Hygienekonzept zu verletzten. Man muss aber auch dazu sagen: Der ganz große Kartendruck herrscht nicht. Die meisten Fans, die sich auf Tickets für die beiden Partien beworben hatten, bekamen auch welche. Sie stellten gleichwohl fest, dass der ausgeklügelte, 33 Seiten umfassende Hygienekatalog auch in der Praxis vorbildlich umgesetzt wurde: Es wurden kaum Verstöße gemeldet, auch die An- und Abreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln funktionierte reibungslos.

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