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Kam coronabedingt tagelang nicht aus dem Bett, musste gar für eine Nacht ins Krankenhaus: Oliver Frankenbach, Eintracht-Vorstand. hübner
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Kam coronabedingt tagelang nicht aus dem Bett, musste gar für eine Nacht ins Krankenhaus: Oliver Frankenbach, Eintracht-Vorstand. hübner

„Ich war vier Wochen platt“

Eintracht-Vorstand Frankenbach über seine Corona-Erkrankung

  • Daniel Schmitt
    vonDaniel Schmitt
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Eintracht-Vorstand Oliver Frankenbach über seine Corona-Erkrankung im Dezember, die Furcht, das Krankenhaus so schnell nicht verlassen zu können und wie es ihm heute geht.

Oliver Frankenbach mag es, seinen Körper zu fordern. Er ist Ausdauersportler durch und durch, ein drahtiger, sehniger, zäher Typ, auch oder gerade mit seinen 53 Jahren noch. Er joggt häufig und noch viel lieber sitzt er auf seinem Rennrad. Den Weg zum Büro im Frankfurter Stadtwald legt er nicht selten auf zwei statt auf vier Rädern zurück. Seinen Urlaub verbringt er gerne auf Mallorca, nicht am Ballermann, sondern im bergigen Hinterland mitsamt seines schicken Untersatzes. Dieser Oliver Frankenbach, seit 1998 bei Fußballbundesligist Eintracht Frankfurt angestellt und seit 2015 im Vorstand für die Finanzen zuständig, musste unlängst seine Leidenschaft für einigen Wochen ruhen lassen. Er war krank, Corona hatte ihn im vergangenen Dezember heftig erwischt.

„Ich war vier Wochen lang vollkommen platt, habe eigentlich nur geschlafen, tagsüber, nachts. Ich hatte überhaupt kein Antriebsgefühl“, erzählt Frankenbach, ein Mann der ruhigen Töne, der selten zu Übertreibungen neigt, nun den vereinseigenen Medien: „Ich hatte die üblichen Symptome wie Fieber, nur kein Geschmacksverlust, aber auch an der Lunge waren leichte Schädigungen zu erkennen.“ Kurzum: Es ging Oliver Frankenbach nicht gut.

Die Eintracht machte die Nachricht ihres corona-erkrankten Schatzmeisters am 11. Dezember kurz vor dem Spiel in Wolfsburg bekannt, weil damals nicht nur Frankenbach daheim blieb, sondern auch seine Vorstandskollegen Fredi Bobic und Axel Hellmann. Beide begaben sich sofort in häusliche Quarantäne, blieben glücklicherweise von einer Ansteckung verschont, in dieser Zeit aber wurde allen noch einmal verdeutlicht, wie tückisch das Virus sein kann, wenn es sich quasi unbemerkt in (topfite) Körper ohne Vorerkrankungen einschleicht.

Bei den Frankfurtern mussten zuvor im Herbst auch die Spieler Amin Younes und Aymen Barkok wegen Corona-Erkrankungen pausieren, zu Beginn der Pandemie im vergangenen Frühjahr war zudem ein namentlich nicht bekannter Profi betroffen. „Ich hatte kaum Beschwerden, nur einen Geruchs- und Geschmacksverlust, aber beides ist zum Glück wieder da“, verriet Younes Anfang Januar im FR-Interview, bei seinem Vater aber sei der Verlauf deutlich schlimmer gewesen. „Ich habe das Virus auch vorher nie belächelt, aber wenn es einen selbst trifft oder einen im direkten Umfeld, schaut man ganz anders darauf. Den einen trifft es weniger, den anderen mehr. Deswegen ist Corona so heimtückisch.“

Oliver Frankenbach begab sich wegen anhaltender Symptome gar für eine Nacht in die Frankfurter Uniklinik. Das sei kein Spaß gewesen, „da macht man sich schon Gedanken, ob man dort einfach so wieder rauskommt. Dann kriegt man die Bilder aus dem Fernsehen vor Augen, die man vorher weit weg geschoben hat.“

Glücklicherweise ging alles gut, mittlerweile arbeitet Frankenbach wieder, auch an den Spielen der Eintracht kann er sich im Stadion erfreuen, und er ist davon überzeugt, dass ihm seine körperliche Fitness ein Stück weit durch die anstrengenden Wochen geholfen hat. Sportliche Aktivität schütze natürlich nicht vor einer Ansteckung, so der Familienvater, „aber sie hilft, die Krankheit einigermaßen zu überstehen.“ Wohlgemerkt: in den meisten Fällen. „Ich bin wieder auf dem Weg dahin, wo ich vorher war“, sagt Frankenbach.

Die Arbeit für den 53-Jährigen geht also weiter, sie stellt sich dieser Tage – welch’ Überraschung – ziemlich komplex dar. Der anerkannte Finanzexperte, der bis 2024 bei der Eintracht unter Vertrag steht, muss das coronabedingte Finanzloch so klein wie möglich halten. Ein Heimspiel ohne Publikum kostet die Eintracht rund 2,5 Millionen Euro, man laufe daher auf einen Verlust von 40 Millionen zu, so Frankenbach, „aber wir haben keinen Bammel, die Saison zu überstehen, weil wir unsere Hausaufgaben gemacht haben.“ Gehaltsverzichte, Nachverhandlungen mit Sponsoren, eine Landesbürgschaft, et cetera. Viele Stellschrauben zur Risikominimierung. Ein Transfer wie jener von Bas Dost nach Brügge im Winter sei da zwar hilfreich gewesen, „aber wir hätten ihn nicht machen müssen“. Ohnehin, zielt Frankenbach auf sportliche sowie finanzielle Belange ab, „kam dann ja Luka Jovic und Bas Dost war vergessen. Wenn es kein guter Deal gewesen wäre, hätten wir es nicht gemacht.“

Natürlich spielten für die kommende Transferphase ebenfalls Verkäufe von werthaltigen Kickern eine Rolle in den Überlegungen, Angst vorm Ausverkauf der Überflieger aus dem Stadtwald verspürt Frankenbach aber nicht. Viel lieber wünscht er sich am Saisonende eine andere Schlagzeile: „Wenn die Journalisten eine Headline haben wollen, sollen sie schreiben: Eintracht Frankfurt spielt international.“ Überlebenswichtig für den Klub sei die Qualifikation für den Europapokal aber nicht, „sonst hätten wir bei unseren Planungen ja was falsch gemacht.“ Kurz und prägnant, so wie Oliver Frankenbach nun mal ist, und wie er im Übrigen auch auf die Genesungswünsche der FR-Redaktion im Dezember reagiert hat. Seine Antwort: „Vielen Dank.“ Alles gesagt.

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