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Hat sicher schon schönere Tore erzielt, wichtig genug war es allemal: Stürmer Bas Dost nach seinem 2:1-Siegtreffer für Eintracht Frankfurt. afp

Saisonstart

Schon ist die Luft dünn: Eine fast perfekte Ausbeute für Eintracht Frankfurt

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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Eintracht Frankfurt kommt bestens aus den Startlöchern, gewinnt 2:1 gegen Hoffenheim und verstärkt sich mit Amin Younes.

Kurz vor Ultimo, als die Partie im Frankfurter Stadtwald auf des Messers Schneide stand und der 2:1 (0:1)-Erfolg der Hessen über die TSG Hoffenheim noch lange nicht abgesichert war, da fand André Silva, der an diesem Nachmittag etwas glücklose Stürmer, die Zeit für eine Umarmung. An seine Brust drückte er ganz kurz seinen Mannschaftskameraden Almamy Touré, es war eine Geste der Entschuldigung, denn ein paar Minuten zuvor hatte der Portugiese dem Franzosen ein astreines Tor geklaut: Der Versuch von Touré wäre sicher auch allein über die Linie gerollt, doch Silva gab ihm, im Abseits stehend, einen letzten Tritt - und somit wurde der Treffer annulliert. Mit diesem 3:1 für Eintracht Frankfurt zehn Minuten vor Schluss wäre die Messe gelesen gewesen, so mussten die Hausherren vor 8000 Fans ein wenig um die drei Punkte bangen. Verdient war der Erfolg aber so oder so.

Eintracht Frankfurt ist der Saisonstart geiungen

Eintracht Frankfurt ist der Start in die Bundesligarunde bestens gelungen. Sieben Punkte nach drei Spieltagen aufs Konto geschaufelt, im Pokal eine Runde weiter, zudem saisonübergreifend in elf Partien lediglich einmal verloren (gegen Mainz 05), aber sieben Siege eingefahren - all das ist aller Ehren wert. Den Hessen ist das beste Entrée in eine Saison seit sieben Jahren gelungen. „In den Gefilden, in denen wir uns jetzt befinden, ist die Luft dünn“, sagte Trainer Adi Hütter und grinste. Diese Gefilde verströmen den Reiz von Champions League.

Natürlich ist die gute Platzierung und der prima Start nur eine „Momentaufnahme“, wie Hütter sogleich und zu Recht relativierte, aber: „Die Art und Weise, wie wir gespielt haben, hat mir imponiert.“ Torwart Kevin Trapp hob die „tolle Mannschaftsleistung“ hervor, und dass „wir sehr, sehr intelligent gespielt haben“.

Dieses Spiel gegen die mit zwei Siegen (unter anderem gegen Bayern München) ebenfalls gut in die Saison gestartete TSG Hoffenheim hat freilich auch die beiden Gesichter von Eintracht Frankfurt gezeigt. Da gab es in der ersten Halbzeit nach einem vielversprechenden 15-minütigen Auftakt lange Phasen, in denen die Frankfurter uninspiriert, tempoarm, ideenlos die Bälle hin und her schoben. Da war kaum Bewegung in den Aktionen, kein Esprit zu spüren, viel zu langsam hatte man versucht, nach vorne zu gelangen. Für die TSG Hoffenheim, die durch ein wunderschönes Tor von Andrej Kramaric (18.) in Führung gegangen war und dadurch erheblichen Rückenwind hatte, war es einfach, die durchsichtigen, harmlosen Angriffsbemühungen zu unterbinden. Hütter kritisierte diese matte, brotlose Spielerei: „Nicht alle Spieler waren auf der Höhe ihres Potenzials.“

Das Tor zum 2:1 verknüfpte alle Tugenden von Eintracht Frankfurt

Es mussten klare Worte in der Halbzeitpause gefallen sein, denn in den zweiten 45 Minuten stand eine andere Frankfurter Mannschaft auf dem Rasen. Auf einmal war Zug im Spiel nach vorne, Wucht und Dynamik, auch wurde zeitweise gut kombiniert, wurden die Hoffenheimer immer tiefer in die eigene Defensive gedrückt. Da deutete diese eingespielte Mannschaft an, zu was sie auch in der Lage ist. Steven Zuber, im ersten Abschnitt praktisch unsichtbar auf seinem linken Flügel, drehte mächtig auf. Er spielt anders als Filip Kostic, deutlich weniger impulsiv, weniger spektakulär, aber mit sehr genauen, sehr überlegten Flanken. Almamy Touré setzte seinen Aufwärtstrend vom Berlin-Spiel fort, er war treibende Kraft auf der rechten Seite. Daichi Kamada wurde von Minute zu Minute besser, er war es, der den Ausgleich ins Tor stocherte (54.), er war es, der mit einem klasse Solo das 2:1 durch Bas Dost (71.) vorbereitete.

Gerade dieses 2:1 verknüpfte alle aktuellen Frankfurter Tugenden. Erst die sehr filigrane, technisch anspruchsvolle Vorarbeit des Japaners, dann der unbedingte Wille, dieses Tor zu erzielen, denn Silva spitzelte im Liegen und im Gewühl die Kugel zum langen Holländer. Sie hatten diesen Treffer förmlich erzwungen. „Der Glaube an uns war ausschlaggebend“, sagte Trapp. Mentalität und Charakter der Mannschaft hebt Hütter ohnehin regelmäßig hervor, Rückstände werfen das Team so schnell nicht um. „Da mussten wir eine Schippe drauflegen“, sagte Trapp, Moral und Einsatzbereitschaft, am Ende dann auch Entschlossenheit machten den Unterschied.

Und natürlich die Stürmer. Dost und Silva, ein Pärchen, das es in der Liga bei Klubs des gehobenen Mittelfeldes eher selten gibt. Gerade Dost avancierte am Samstag zum Mann des Spiels. Allein seine brillante Vorarbeit vor dem 1:1 war überragend. In den vergangenen neun Spielen war er an sieben Treffern direkt beteiligt. Zehn Minuten vor dem Ende durfte er gehen, „den Applaus hat er sich verdient“, sagte Hütter. Der schlaksige Niederländer, in der vergangenen Runde häufig verletzt und unzufrieden, ist fit und in bester Verfassung. Wer den 31-Jährigen in der vergangenen Spielzeit seinen schlaksigen Körper über den Rasen schleppen sah, muss erstaunt sein, wie viel Fitness und Ausdauer er in dieser Sommerpause draufgepackt hat.

Adi Hütter hat Grund zum Optimimus

Weniger Spiele, fittere Profis und ein breiterer Kader geben Hütter Grund zum Optimismus. Mit dem 27 Jahre alten Flügelspieler Amin Younes, unter anderem Confed-Cup-Sieger 2017, kommt nun weitere Konkurrenz in die Offensive. „Er wird ein anderes Element reinbringen. Er ist ein sehr, sehr guter Junge. Ein Eins-gegen-Eins-Spieler“, sagte der Coach. Younes, einst bei Gladbach und Ajax Amsterdam, kommt auf Leihbasis für zwei Jahre ohne Leihgebühr vom SSC Neapel. „Ich will die Mannschaft besser machen“, sagte der Düsseldorfer bei Eintracht-TV. Vor allem will er endlich an den Ball, in Neapel, „kein einfaches Pflaster“, hat er zuletzt kaum gespielt.

Vorstand Fredi Bobic lobt Younes als „Superjungen“, der „auf unheimlich viel Geld verzichtet“ habe, nur um bei der Eintracht zu spielen. Das sei alles andere als normal in dieser Branche. Er erhalte zudem keine Kompensation aus Italien. „Er ist hungrig und klar in der Birne“, sagt Bobic. Younes sei einer, der „uns schnell weiterhelfen kann“. Jetzt muss Adi Hütter nur einen Platz für den quirligen Nationalspieler finden. (Von Thomas Kilchenstein)

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