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Eintracht Frankfurt

Die Eintracht hat zu viel falsch gemacht

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
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Ohne Idee, ohne Konzept, ohne Punkte: Eintracht Frankfurt macht sich mit Schlappen im eigenen Stadion das Leben schwer.

Es war wieder ziemlich voll am Sonntagmorgen im Stadtwald, der Frühschoppen im Schatten des Stadions ist traditionellerweise sehr beliebt bei Frankfurtern und Nicht-Frankfurtern. Und als dann noch „die Trenkwalder“ aus Tirol aufgespielt hatten mit Dicke-Backen-Musik und „Herzblut und Qualität“, da war die Stimmung wieder bestens - freilich nur im großen Oktoberfest-Zelt von Eddy Hausmann.

Ein paar hundert Meter davon entfernt war die Atmosphäre deutlich kühler, bestenfalls professionell-angespannt. 15 Profis trainierten da auf dem Platz, die anderen, die am Samstag gegen den FC Augsburg mit 1:2 (0:1) auf eigenem Platz mal wieder das Nachsehen hatten, radelten sich den Frust aus den Knochen.

Keine Niederlage erwartet

Es war kein schöner Nachmittag für Eintracht Frankfurt, die Niederlage hat den Klub im Mark getroffen, nie und nimmer war das im Vorfeld erwartet worden, zumal nach eher ansprechender Leistung die Woche zuvor in Mönchengladbach. Umso tiefer saß die Enttäuschung über diese „unnötige Niederlage“, wie Sportvorstand Fredi Bobic im Nachgang feststellte: „Schade, aber wir müssen die Ruhe bewahren.“ Und Trainer Niko Kovac räumte ein: „Wir müssen traurig sein, und das zu Recht.“ Wenn nicht alles täuscht, kommt auf Eintracht Frankfurt genau das zu, was vor der Runde allenthalben befürchtet wurde: „Es wird eine verdammt interessante Saison werden“, sagte Bobic. Er hätte auch sagen können: Es wird eine verdammt schwere Saison werden.

Das Problem der Hessen ist offenkundig: Sie tun sich so unglaublich schwer, gegen massiert und variabel verteidigende Mannschaften das Spiel zu machen. Weil es ihnen an Ideen mangelt, weil sie ziemlich unstrukturiert zu Werke gehen, weil sie kreativ überhaupt keine Impulse setzen.

Auch am Samstag war nicht recht zu erkennen, mit welchem Matchplan die Gastgeber diese Begegnung gewinnen wollten. Ein Offensivkonzept war nicht zu erkennen. Allein lange Bälle auf die beiden bulligen Stürmer zu spielen und auf zweite Bälle zu hoffen, wirkt etwas eindimensional. Und mit dem vielen Ballbesitz konnten die Frankfurter nichts anfangen. Das Problem beginnt, wenn der Ball am Fuß klebt. Da geht es der Eintracht so wie vielen Klubs.

Unglücklich war auch der Auftritt von Jonathan de Guzman, der völlig neben den Schuhen stand und allenfalls im Zuckeltrab seiner Arbeit nachging. Eigentlich wurde der Mann doch verpflichtet, um dem Eintracht-Spiel eine gewisse Struktur zu verleihen. In vier Spielen ist er weitgehend unauffällig geblieben, sieht man einmal davon ab, dass er die Ecke zum 1:2 durch den Debütanten Luka Jovic geschlagen hat. Eine Hilfe ist er der Mannschaft in der derzeitigen Verfassung nicht.

„Wir schaffen es einfach nicht, als Erster in Führung zu gehen“, stöhnte Trainer Niko Kovac. Und wenn die Frankfurter dann auch noch in Rückstand geraten, sind sie fast schon am Ende mit ihrem Latein. Zwei sehenswerte Treffer der Augsburger Marke „Tore des Monats“ durch Philipp Max (21.) und Francisco Caiuby (77.) brachen den Frankfurtern das Genick. Immerhin räumte Torwart Lukas Hradecky, der dabei nicht glücklich aussah, selbstkritisch ein: „Ich konnte der Mannschaft nicht helfen.“ 

Gerade in der ersten Hälfte waren die Frankfurter gar nicht auf dem Platz. „Da haben wir vieles falsch gemacht, eigentlich alles“, sagte Kovac. Offensichtlich war, dass die Gastgeber mit gebremsten Schaum stürmten, um nicht wieder in Gefahr zu laufen, zu überdrehen. Dass daraus die „schwächste Halbzeit“ (Kovac) der letzten vier Spiele resultierte, war freilich nicht so gedacht. 

Eintracht in der Fremde besser

Dass es nicht wenigstens zum Punkt gereicht hatte, lag daran, dass die Eintracht die in der letzten Viertelstunde herausgestemmten Möglichkeiten (durch Rebic, Boateng, de Guzman) nicht nutzte. Insgesamt ging auch der Plan von Kovac nicht auf, mit einer Fünferkette im eigenen Stadion gegen sehr defensiv ausgerichtete Augsburger zu spielen. Nach der Pause hatte er zwar auf eine Art 4-2-3-1 umgestellt, sein Team zeigte dann „eine Reaktion“, aber warum Kovac etwa Simon Falette weiterspielen ließ und Carlos Salcedo auswechselte, erschloss sich nicht auf Anhieb. Weil der linke Innenverteidiger im Team geblieben war, herrschte auf der linken Außenbahn ein Überangebot an Spielern, die sich gegenseitig auf den Füßen standen. Denn auch Jetro Willems spielte dort und ab der 46. Minute noch Flügelspieler Ante Rebic. Das passte überhaupt nicht, Rebic kam überhaupt nicht ins Spiel, seine Einwechslung verpuffte komplett. Ungeschickt war auch die Auswechselung von Mijat Gacinovic, der in der zweiten Hälfte Rechtsaußen spielte, von Minute zu Minute stärker wurde und zumindest für einigen Betrieb auf der rechten Außenbahn sorgte. 

Immerhin dürfen die Frankfurter jetzt in der Fremde antreten. Da tun sie sich ganz offensichtlich leichter. Das Spiel muss der Gegner machen, die Eintracht kann sich auf die Verriegelung ihres Allerheiligstes konzentrieren. Hradecky sieht das ähnlich: „Uns liegen die Auswärtsspiele in dieser Saison anscheinend mehr. Ich kann nicht erklären, warum es daheim nicht geht. Vielleicht können wir auswärts defensiver spielen.“ Aber auch in Köln am Mittwoch und in Leipzig am  Samstag hängen die Trauben hoch. Doch angesichts der Heimmisere sind die Hessen praktisch schon verdammt, auswärts zu punkten. Keine Frage, und das sieht auch Kovac so: „Kein Punkt aus den beiden Heimspielen gegen Wolfsburg und Augsburg ist zu wenig, definitiv.“ 

„Zum Glück“, sagte Rechtsverteidiger Timothy Chandler zum Schluss, „haben wir eine Englische Woche, dann können wir die Fehler schnell wieder gutmachen.“ Das wird auch nötig sein. „Nun müssen wir zusehen, die Punkte eben auswärts zu holen“, forderte Kovac. Wenn es nur so einfach wäre. 

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